Reisebericht der deutschen Bark „Spica“.
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Beim Ablaufen der Länge in der Nähe des 41, Breitengrades traf „Spica“
bis 55° Ost eine günstige Gelegenheit, worauf östliche und schwache westliche
Winde mit einander abwechselten. Ein kurzer, jedoch heftiger Sturm wurde
am 3. Oktober auf 39,9° S-Br in 57,7° O-Lg überstanden. Derselbe begann aus
NE und wehte am heftigsten aus NNE bei einem Luftdruck von 761.0 mm
(unred.), um nach Verlauf von zwei Wachen in Böen von NW wieder abzu-
flauen.‘ Einen zweiten, aber länger anhaltenden Sturm, welcher ebenfalls von
NE begann, allmählich westlich holte und schliefslich, bei einem niedrigsten
Luftdruck von 754,5 mm (unred.) unter schweren Böen von WSW wehte, traf
„Spica“ am 6. Oktober auf 40,2° S-Br und 66,4° O-Lg. Am 11. Oktober wurde
St. Paul und Amsterdam gesichtet und am folgenden Tage, nachdem 24 Tage
seit dem Verlassen von 0° Länge verflossen waren, der Meridian von 80° Ost
in 37,0° S-Br passirt.
Bei einem aufserordentlich hohen Luftdruck von 783,5 mm (unred.) holte
der mit gleichmäfsiger Stärke wehende Wind durch W und S nach SE und
entwickelte sich ohne weitere Störung zu einem kräftigen Passat, welcher
„Spica“ am 22. Oktober nach 9,0° S-Br in 90,1° O-Lg führte, woselbst seine
äquatoriale Grenze zu liegen schien. Schon seit dem 19, Oktober zogen be-
ständig Cumuli-Wolken aus NW, allein der flaue, zuletzt nordöstliche Wind
behauptete sich noch immer. Es folgte nun eine Reihe schwieriger T’ago mit
unaufhörlichem‘ Regen und unbeständigen Winden, bis es uns endlich gelang,
am 4. November den Aequator in 92,5° O-Lg zu schneiden. Auf dem Wege
hierher wurde 30° S-Br in 86,4° O-Lg am 15., 20° S-Br in 89,3° O-Lg am 18.
und 10° S-Br in 90,0° O-Lg am 21. Oktober überschritten, ;
In nördlicher Breite konnte „Spica“ mit gröfstentheils westlichen Winden,
die auf 4° N-Br und 93° O-Lg sich zum Südwestmonsun ausbildeten, ziemlich
rasch nach Norden vordringen. Inu. 12° N-Br und 91° O-Lg wurde der Wind
für einige Tage südlich und flau, um sich dann im nordöstlichen Viertel fest-
zusetzen, In einigen Schlägen, unter welchen die über B-B. die längsten waren,
arbeitete „Spica“ sich am 21. November in Sicht von der Insel Martin, worauf
am folgenden Tage die White Clifs und später gegen Sonnenuntergang eben-
falls die Brandung auf dem South Patch gesichtet wurden. Unter der Küste,
woselbst der Strom abwechselnd nach NNO und SSW setzte, war der Wind
flau und unbeständig. Am 24. November ankerten wir vor der Barre des
Chittagong-Flusses, in Peilung des Leuchtthurms von Norman Point, Die Reise
hatte von Liverpool bis hierher eine Dauer von 130, von 50° N-Br im Nord-
atlantischen Ocean eine solche von 124 Tagen, Auf dem letzten Abschnitt der
Reise wurde 5° N-Br in 92,5° O-Lg am 7., 10° N-Br in 91,6° O-Lg am 9,,
15° N-Br in 91,7° O-Lg am 14. und 20° N-Br in 90,7° O-Lg am 19. November
geschnitten. |
Am 13. März 1887 ging „Spica“ mit Reis beladen, von Rangoon in See,
um nach‘ einem englischen Örderhafen zurückzukehren. Mäfsige, meist aus
nordwestlicher Richtung wehende Winde brachten uns ziemlich rasch nach
10° N-Br, nachdem die Insel Narcoudam am 15. und Barren Island am
16. März gesichtet worden waren. Westlich von Car Nicolar wehte leichter
Wind, aber bald geriethen wir in flaue, wiederholt von Stillen unterbrochene
westliche Winde, die auf 1° N-Br in 89,8° O-Lg in stürmische, oft sehr schrale
Böen ausarteten, mit denen am 28. März die Linie in 91,2° O-Lg über-
schritten wurde,
In südlicher Breite hatten wir zunächst flaue, umlaufende Winde; öfters
war das Schiff eine ganze Wache ohne Steuerkraft. Dazu beobachteten wir
täglich eine östliche Stromversetzung, die sich aber infolge der unbeständigen
Winde und des unzuverlässigen Bestecks nicht genau feststellen liefs. In
8,4° S-Br und 91,0 O-Lg überschritten wir die äquatoriale Grenze des Südost-
passates. Derselbe erwies sich in der Folgezeit nicht besonders frisch, und
schon in 16,0° S-Br und 74,2° O-Lg holte der Wind südlich und wurde flau,
wehte jedoch später noch wieder längere Zeit aus SE, E und NE, Am 3. Mai
in 29,8° S-Br und 39,5° O-Lg schofs der Wind, der zuletzt mit mäfsiger Stärke
aus E geweht hatte, in einer schweren Gewitterböe nach NW aus, worauf er
sich zunächst, bei einem Luftdruck von ungefähr 758 mm und bei unveränder-
licher Stärke mehrere Tage im westlichen Viertel hielt, am 12. Mai, auf
Ann. d. Hydr. ete.. 1888. Heft, YIL.