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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Kleine Notizen, 
wohl zu grofs und die Richtung der See so eigenthümlich (4—5 Strich von 
Backbord achtern), dafs das Oel, das ja nur in geringer Qualität zu Wasser 
kam, sich kaum ausbreiten konnte und meistens erst zur Geltung kam, wenn die 
See schon hinter dem Schiff war. 240° p. m. hörte ich auf, und versetzte den 
Kessel weiter nach achtern. Vorher hatte ich 60—70 Tropfen Oel in der 
Minute laufen lassen, doch sah ich deutlich, dafs das Oel sich nicht entwickeln 
konnte. — Im Kessel hatte ich 8 kg gewöhnliches Lampenöl; die Temperatur 
des Wassers betrug 14°—12° C. — Dicht vor der Brücke in den Gängen 
stellten wir den Kessel wieder auf. 3* 20° wurde der Krahn geöffnet und auf 
70 Tropfen gestellt. Jetzt hatten wir eine sofortige und wirklich wunderbare 
Wirkung. Die Brecher donnerten heran, und brachen die Kämme 2—3m vom 
Schiff. Es war eine Freude, das zu sehen, wie die mächtigen Seen beim Ueber- 
kappen plötzlich stille wurden und verschwanden. Das Schiff lag bedeutend 
besser, kein Spritzer kam an Deck, und wir konnten gut unsern Kurs steuern. 
Gegen Abend liefen der Wind und die See nördlicher, so dafs vorne beim Wellen- 
brecher eine schwere See überkam. Ich liefs sofort einen Oelsack fertig 
machen (Presennigstuch, unten 50cm breit, weil ich eine gröfsere Fläche für 
Lecklöcher haben wollte, 70cm lang, nach dem Ende sich um 30 cm verjüngend, 
mit doppelter Hahnepoot zum Zusammenziehen, an derselben eine Schleife mit 
einem 2“.Steert zum Festmachen). Es wurde !/ kg Werg in den Sack gesteckt 
und 6kg Oel hineingegossen. Der Sack wurde aufsen an den Krahnbalken 
gebunden. Vorher liefs ich über den zugeschnürten Sack ein dazu verfertigtes 
Stück Bramtuch binden, um das Wasser abzuhalten, wenn der Sack eintauchte. 
Es hat sich dies bewährt. 
Den Oelsack hatte ich deshalb unten breit machen lassen, um, wie ich 
schon vorher erwähnte, eine gröfsere Fläche für die Oellöcher zu haben, das 
untere Liek war aus Drahtbendsel, um etwas mehr Halt zu geben. Da der 
„Main“ vorne sehr schroff ist, so hing der Sack genügend frei; zu Wasser liefs 
ich ihn nicht, da bei der Fahrt des Schiffes sonst leicht der Steert gebrochen 
wäre. Die Wirkung war dieselbe wie bei dem Kessel, den ich von 7t—7!/% p. m. 
abstellen ließ, nachher aber wieder mit 50 Tropfen in Gebrauch nahm. Leider 
bekamen wir erst des Abends eine wärmere Wassertemperatur bis zu 20° C., 
80 dafs ich nicht beobachten konnte, wie die Oeltropfen sich im warmem 
Wasser ausbreiten, so viel ich bei Tage beobachtete, ging das Oel aus dem 
Sack weit schneller auseinander, weil es frei vom Schiff tröpfelte. 
Um 9!/2h Abends nahmen Sturm und See ab. Das Schiff lag gut und 80 
liefs ich um 10% p,m aufhören mit Oelen. Im Kessel war noch kaum ! kg. 
Derselbe war geöffnet in Thätigkeit von 2* 30” —2* 40" mit 50-—55 Tropfen, 
von 3% 20” p.m. bis 7% p.m. mit 70 Tropfen, von 7* 30” p.m. bis 10% p. m. 
mit 50 Tropfen, er hatte also im Ganzen 6 Stunden 20 Minuten gelaufen mit 
durchschnittlich 60 Tropfen in der Minute und 7%4kg Oel, in der Stunde also 
1,3 kg Oel verbraucht. Im Verhältnifs zu dieser verschwindend kleinen Quan- 
tität war der Erfolg ein ungeheurer. . 
Der Sack am Krahnbalken wurde zu gleicher Zeit aufser Thätigkeit ge- 
setzt. Das im Sack befindliche Werg wurde so gut es ging, ausgedrückt und 
dann mit dem Oel gewogen. Wasser fand sich wenig vor, der Bramtuchdeckel 
hatte ziemlich dicht gehalten. Es ergab sich, dafs von 7° 10" p.m. gut 4'h 
bis 5kg Oel ausgelaufen waren. Die Wirkung war bei beiden Apparaten die- 
selbe, und geht aus dieser gemachten Erfahrung hervor, dafs man meistens mit 
weniger Oel auskommen kann, als gewöhnlich verbraucht wird. Ich habe in einer 
Winterreise an Bord des Dampfers „Rhein“ ungefähr dasselbe Experiment ge- 
macht und damals auch mit zwei Kesseln dieselbe Wirkung beobachtet. Bei 
2—3° C. Wassertemperatur mufste ich bis zu 120 Tropfen in der Minute aus- 
laufen lassen, Der Unterschied lag in der Temperatur des Wassers, denn wir 
waren in ähnlicher Situation.“ 
Das Hydrographische Amt zu Washington bringt ferner von den daselbst 
über den Gebrauch von Oel während der Märzstürme auf dem Atlantischen 
Ocean eingegangenen Berichten auf der „Pilot Chart of the North Atlantic 
Ocean“ vom April d. J. die folgenden: 
Kapt. Legemann verhinderte mit der amerikanischen Bark „Serene“ vom 
14. bis 15. März beiliegend durch Oel das Ueberbrechen von Seen. Zwei
	        
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