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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte,
43 Tagen. Von den folgenden 13 Schiffen, welche Ende Mai und in den ersten
10 Tagen des Juni den Aequator überschritten, gelangte „Industrie“, obgleich es
ein eisernes Schiff war, in kürzester Zeit, mit 36 Tagen, zum Kanal. Diese Schiffe
fanden sonst nur einen mäfsig starken, sich kaum bis nach 30° N-Br aus-
dehnenden Passat und später, erst nördlich von 40° N-Br, günstigere West-
winde. Am Mittage des 16. Juni befand sich „Urania“ in 31,1° N-Br und
39° W-Lg, „Industrie“ in 31,5° N-Br und 39,5° W-Lg und „Apoll“ in 31° N-Br und
41,6° W-Lg. Die beiden letzteren Schiffe hatten beide am 30. Mai südliche
Breiten in 34° W-Lg verlassen. Das eiserne Schiff hatte sich nicht nur gegen
den gut segelnden hölzernen Schoner gehalten, sondern dasselbe hatte auch
noch zwei Grad mehr Luv angeholt. „Urania“ hatte, dem östlicheren Schnitt-
punkte entsprechend, im Stillengürtel bedeutend längere Zeit gebraucht als
beide Mitsegler. Die zwischen 30° N-Br und Kanal liegende Strecke legte
„Industrie“ in 20 Tagen und „Urania“ und „Apoll“ in je 22 Tagen zurück.
Am 7. Juli, gleichzeitig mit „Urania“, „George“ und „Apoll“ erreichte auch
der Mitsegler „Melusine“ die Kanalmündung. Dieses Schiff hatte nördliche Breite
in 27° W-Lg am 2. Juni erreicht und die Strecke bis Lizard in 35 Tagen zu-
rücklegen können. Am 21. Juni Mittags war der Schiffsort von „George“ in
30,7° N-Br und 39° W-Lg, der von „Hugo“ in 28,6° N-Br und 37,4° W-Lg,
der von „Border Chief“ in 29° N-Br und 40,2° W-Lg, der von „Melusine“ in
28,8° N-Br und 41° W-Lg und der von „Agustina“ in 28,6° N-Br und
392° W-Lg gewesen. Allen diesen Schiffen erschwerten leichte unbeständige
Winde und Stillen, 30° N-Br zu erreichen, und für alle stellten sich erst nördlich von
40° N-Br günstigere Verhältnisse ein. Von den Schiffen, welche in den letzten
20 Tagen des Monats Juni die südliche Halbkugel verlieflsen, waren einige im
Stande, den Kanal nach verhältnifsmäfsig rascher Fahrt zu erreichen, „Mimi“
und „Wega“ thaten dies in 32 und „Oscar“ und „Alice Rickmers“ in je 34 und
33 Tagen. Am günstigsten von diesen vier Reisen ist die der „Wega“, eines
eisernen Schiffes, das die Linie in 22° W-Lg überschritten hatte. Seine Reise,
wie manche andere der letzten Zeit, scheint, im Verhältnifs zu früheren Jahren,
eine bedeutende Verbesserung in der Erhaltung der Segelfähigkeit eiserner, auf
der Heimreise begriffener Schiffe zu zeigen. Doch mag dabei das Liegen der
Schiffe im Ladehafen, ob im süfsen Wasser oder nicht, mafsgebend sein. Unsere
Liste enthält den hölzernen „Willy Rickmers“ mit 42tägiger Reise neben dem
eisernen „Regulus“ mit 41 Tagen. Ferner den hölzernen „Richard Rickmers“
mit 40 Tagen nebst hölzerner „Alice Rickmers“ mit 33 Tagen gegen die eiserne
„Wega“ mit 32 Tagen. Die Segelfähigkeit der eisernen von St. Francisco
kommenden Bark „Josefa“ scheint dagegen auf dem letzten Theile der Heim-
reise bedeutend beeinträchtigt gewesen zu sein, denn nur dadurch scheint das
Zurückbleiben dieses Schiffes gegen den Mitsegler „Oscar“, besonders auf der
zwischen 0° und 10° N-Br liegenden Strecke, erklärbar zu sein. Alle Schiffe
der letzterwähnten Gruppe fanden einen ziemlich frischen beständigen Passat,
Ihr letzter Reiseabschnitt wurde zum Theil durch Winde, die von in höheren
Breiten auftretenden Depressionen hervorgerufen wurden, wie von jenen Winden,
die das bis fast zur Kanalmündung reichende, sich in nordöstlicher Richtung
erstreckende Maximum umwehten, begünstigt.
Unter den Schiffen, welche im Juli nördliche Breite erreichten, ragt
die Reise der „Mathilde“ durch ihre Länge von 58 Tagen hervor. Doch ist
bei ihr zu bemerken, dafs dieses von Lagos kommende Schiff, wie es 80 oft
der Fall ist, eine durch Fieber geschwächte Mannschaft an Bord geführt haben
mag. Die rascheste Reise von 38 Tagen vollendete unter diesen Schiffen die
eiserne Bark „Germania“, welche nach Lizard am 13, August gelangte. Die
übrigen von den Schiffen dieser Gruppe ausgeführten Reisen verliefen alle in
ziemlich langsamer Weise. Nördlich vom Passatgebiet fanden diese Schiffe ein
ziemlich weit nach Norden ausgedehntes Maximum, in dessem Gebiete leichte
Winde und auch noch wieder nordöstliche Winde vorherrschten. Kräftige
Westwinde, verursacht durch die Ausbuchtung einer weiter nordwärts gelagerten
Depression, gewährten um die Mitte des Monats August einigen dieser Schiffe
auf dem letzten Theile ihrer Reise an mehreren Tagen noch eine günstige
Gelegenheit.