Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen ‚Seewarte:
977
giesischen Küste günstige Winde anzutreffen,. voll weg nach Süden. Und der
Kapitän sah sich in dieser Hoffnung nicht getäuscht. Alle Schiffe hielten sich
westlich von der Kap Verde-Gruppe und trafen später unweit. von 11° N-Br
den frischen SW-Monsun. Die längste, 43 Tage dauernde Reise zur Linie war
die der. „Maria Rickmers“. Dieses Schiff fand schon auf der Strecke zwischen
50° und 30° N-Br anscheinend ungünstigere Verhältnisse, als die Mitsegler;
besonders verlor es aber, nachdem es den SW-Monsun erreicht hatte. So be:
fand sich am 27. August Mittags „Maria Rickmers“ in 10,3° N-Br und 24,2 W-Lg,
während gleichzeitig die „Henriette Behn“ im 10,3° N-Br und 25,2° W-Lg stand.
Beide Schiffe segelten damals bei frischem SW-Monsun mit St-B.-Halsen und
rückten in dieser Weise bis zum 2, September nach 3,3° N-Br in 14° W-Lg
bezw, 3,5° N-Br. in 16,5° W-Lg vor. . In diesen Orten wurde gewendet und
zwar that „Maria Rickmers“ es etwa 6 Stunden früher, als „Henriette Behn“,
Bis soweit hatte die erstere Bark sich recht gut gehalten. Nach dieser Zeit
verlor sie. aber ganz bedeutend. Denn während „Henriette Behn“ 48 Stunden
später, als gewendet worden war, den Aequator erreichte, gebrauchte „Maria
Rickmers“ och mehr als 5 Tage, bevor nördliche Breite verlassen werden
konnte. Ebenfalls am 4. September, demselben Tage, an welchem „Henriette
Behn* es that, gelangte auch „7riton“ in südliche Breite. Diese. beiden Schiffe
hatten‘ die zwischen Kanal und Linie liegende Strecke in 35 Tagen durchsegelt.
Die letzten vier Schiffe dor Tabelle, welche im August den Weg zur.
Linie antraten, erreichten diese zum gröfseren Theile erst in der letzten Hälfte
des. September. Im August war die Wetterlage des mittleren und östlichen
Theiles des Atlantic dem Herrschen nördlicher Winde wiederholt wenig günstig.
Erst gegen den Schlufs des Monats gestalteten sich die Verhältnisse dort
günstiger, ‚worauf die Reisen dann auch einen günstigeren Verlauf nahmen.
Die rascheste Reise zur Linie vollendete nun „Panama“ mit 30 Tagen. „Ma-
deleine ‚Rickmers“ gebrauchte für die zwischen Kanal und Aequator liegende
Strecke 34 Tage und „Peter Godeffroy“ und „Charlotte“ je 43 und 41 Tage.
Am Mittage des 24. August hatte sich „Madeleine Rickmers“ in 35,3° N-Br und
15,2° W-Lg, „Panama“ in 36,1° N-Br und 18,5° W-Lg befunden, Das erstere
Schiff hielt sich später östlich von den Kap Verde-Inseln, während „Panama“
gine westlichere Route verfolgte. Sie segelten bis zum Mittage des 4. Sep-
tember nach 13,5°.N-Br in 23,5° W-Lg, wie‘ nach 12,3° N-Br in 27° W-Lg.
Unweit ‘ dieses letzteren Punktes fand „Panama“ den ohne vorhergehende
Mallung einsetzenden SW-Monsun, während dieser günstige Wind von „Madeleine
Rickmers“ erst am 8. September in 8,5° N-Br und 24,3° W-Lg angetroffen
wurde, ‘ Diese verschiedenen Verhältnisse verursachten die verschieden lange
Dauer der Reisen.
4. Reisen von Süd nach Nord.
Schiffe, welche auf der Heimreise begriffen, während der hier in Frage
stehenden Zeit den zwischen Linie und Bestimmungshafen liegenden Theil ihrer
Reise zurücklegten, sind in gröfserer Zahl, als die auf irgend einer der anderen
Routen vertreten. Sie durchsegelten die Strecke fast alle nur in mäßig rascher
Fahrt., In kürzester Zeit that es der schnelle „Parnass“, welcher 28 Tage
später, als er den Aequator verlassen hatte, nach Lizard gelangte; die längste
Zeit. gebrauchte. die vom Kongo kommende Bark „Confluentia“, für welche
62 Tage erforderlich waren, um den Weg vom Aequator zum Kanal zu voll-
enden. Die im Juli und August den Aequator überschreitenden Schiffe konnten,
infolge des dann herrschenden SW-Monsuns, 10° N-Br in bedeutend kürzerer Zeit
erreichen, als die früher in nördliche Breiten gelangten Schiffe es zu thun fähig
waren, Von den Wirkungen des ungewöhnlichen Auftretens einer Depression,
die Anfangs Juni zwischen 30° und 40° N-Br im mittleren Theile des Oceans
lagerte, wurde nur „Hermann“, das erste in der Liste aufgeführte Schiff, be-
troffen. Bei ihm endete infolge dessen der Passat schon am 3. Juni. in 21° N-Br
und 38,8° W-Lg, und er verlor später, als an die Stelle der Depression ein
Gebiet hohen Luftdrucks getreten war, sehr lange Zeit durch leichte Winde
und Stillen, bevor nördlich. von 40° N-Br frischere Westwinde erreicht werden
konnten, „Hermann“ vollendete die Reise zwischen Linie und 50° N-Br in