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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der: Deutschen. Seewarte. 
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„Von. „Palme“ ‚und „Diamant“, zwei nach. New-York bestimmten ‚und 
durch den Kanal segelnden Schiffen, befand sich das erstere am 10, Juni bei 
Lizard. Es herrschte damals über dem mittleren Theile des östlichen Atlantic 
ein: sich. in. südwestlicher Richtung erstreckendes Gebiet hohen Luftdrucks, 
dessen an ‚seiner schmalen Nordostseite herrschenden leichten, unbeständigen 
Winde dem Anfange der Reise wenig günstig waren.: Erst nachdem sich jenes 
Gebiet nach Norden hin bedeutend vergröfsert, und.die bei „Palme“ wehenden 
Winde ‚infolge dessen nordöstliche geworden waren, konnte rascherer Fortschritt 
nach Westen hin erzielt werden. Am 19. Juni, dem Tage, an welchem „Diamant“ 
den Meridian von 5° West überschritt, war „Palme“ schon bis nach 26° W-Lg 
in 48° N-Br vorgerückt. Dieses Schiff befand sich jetzt zwar westwärts von dem 
nun über  Grofsbritannien lagernden Maximum, zugleich aber auch nördlich von 
einer. kleinen, ‚seit dem vorhergehenden . Tage ‘auftretenden.. Depression ‚ und 
günstige Östwinde ‚waren die Folgen dieser Verhältnisse. Nachdem sich. aber 
am 21. Juni, inmitten des Oceans, aufs Neue ein Maximum gebildet hatte, das 
später‘ mit  NO—SW-licher: Längenachse, sich bis nahezu zur europäischen 
Küste ausdechnend, ‚fast bis zum Ende des Monats Juni. anhielt, wurden. sowohl 
„Palme“, wie auch besonders „Diamant“, bei den jetzt meist aus südwestlicher 
Richtung ‚wehenden. Winden, bedeutend zurückgehalten. Bei der für mehrere 
Tage in nicht grofser Entfernung ostwärts von einer nach Süden gerichteten 
Einbuchtung niedrigen Luftdrucks stehenden „Palme“ traten diese Winde sogar 
heftig ‚auf. Dagegen wehten am. 14. und 17. Juli die Südwestwinde bei 
„Diamant“ : stürmisch. .. Am. ersteren Tage befand sich dieses Schiff an der 
Südseite einer kleinen nur einige Tage. dauernden Depression, deren. günstige 
Ostwinde. wenige Breitengrade nordwärts vom Schiffe wehten. So herrschte um 
8b Morgens des 14, Juli bei dem in‘41,5° N-Br und 49° W-Lg stehenden Dampfer 
„Lessing“. Ostwind von Stärke 9, während bei dem sich.in .39° N-Br und 
46°, W-Le befindenden „Diamant“. der Wind SW, Stärke 8, war. Am Abend 
dieses: Tages erreichte der Südwestwind bei diesem Schiffe die Stärke 10, wo- 
mit anscheinend die größte Windstärke angegeben wurde, welche für das in 
Frage stehende Vierteljahr :von deutschen Schiffen im Nordatlantig beobachtet 
wurde. Während der zweiten Hälfte des Juli herrschten über dem mittleren 
und östlichen Theile des Atlantic ebenfalls wieder sich in der Richtung NO bis 
SW erstreckende Gebiete hohen Luftdruckes vor, während die sich zeigenden 
nicht sehr tiefen Depressionen sich im nordwestlichen. Theile des Atlantic, 
theils über Neufundland weg, nach NO hin bewegten; Auch. die durch diese 
Verhältnisse hervorgerufenen. Winde waren dem Verlaufe der Reisen beider 
Schiffe wenig förderlich. Da die Windstärken indessen fast stets keine uner- 
wünscht grofsen, die Windrichtung oft eine veränderliche war, näherte man 
sich doch allmählich dem‘ Bestimmungsorte. „Diamant“ traf auf dem letzten 
Abschnitte der Reise, noch günstigere Verhältnisse an, als „Palme“ sie fand, 
Für kurze Zeit wehende Ostwinde, die eine. Folge geringer sich nach NO be- 
wegender, an sich unbedeutender Depressionen waren, förderten ‚die Fahrt 
jenes Schiffes und bewirkten, dafs das früher gegen die Reise der „Palme“ 
Verlorene: wieder, voll "eingeholt werden konnte, .. „Palme“ erreichte New-York 
am 23, Juli nach 43tägiger Reise ab Lizard, und. „Diamant“ that dasselbe am 
30. Juli, 41 Tage später als der Meridian von 5° W verlassen worden war, 
., «‘Zuür-zweiten Gruppe von damals. den Ocean von Ost nach: West durch- 
segelnden Schiffen sind „George Washington“, „Ariadne“, Bertha“, „Magdalene“; 
„Salisbury“ und „Maryland“ zu rechnen. Alle diese Schiffe, mit Ausnahme des 
von Gibraltar‘ herkommenden „Salıisbury“, erreichten den Atlantic von der 
Nordspitze Schottlands her. Für das von Kopenhagen kommende norwegische 
Schiff. ; Ariadne“ war das Einschlagen dieser Route- ein selbstverständliches, 
Aber auch für die übrigen, von deutschen Häfen herkommenden Schiffe ‚war. bei 
den in der Nordsee: herrschenden‘ Verhältnissen der Nord um Schottland 
führende Weg der richtige. Es lagerte nämlich.zur Zeit, als die Schiffe die 
offene See erreichten, über dem westlich nahe an‘ Grofsbritännien liegenden 
Theile des Atlantic ein räumlich ziemlich weit ausgedehntes. Depressionsfeld, 
dessen Wirkungen „sich bis. in‘ die Nordsee erstreckten. Die dort angetroffenen 
leichten. südlichen und westlichen, bei verhältnifsmäfsig niedrigem Luftdrucke 
wehenden Winde, bewogen die Kapitäne mit Recht, gleich einen nordwestlichen
	        
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