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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
kühler oceanischer Luft überfluthet, denn wenn auch die Winde, welche am
26. und 27. N- bis W-Richtung hatten, am 28. und 29. in Deutschland südliche
Richtung annahmen, unter dem KEinflufe der Depression bei Schottland, so
stammte doch auch diese Luft, wie die Wetterkarte zeigt, von W, vom Ocean
her. Die Witterung war darum in Centraleuropa während der ganzen letzten
Woche des August herbstlich frisch.
. Bei einem Rückblick auf die Monate Juli und August zeigen uns
die Karten IV bis VIII, dafs nur in der Mitte des August sich tiefe bäro-
metrische Depressionen wiederum, wie im Juni, W von Grönland aufhielten,
in der übrigen Zeit aber der Druck daselbst, namentlich aber über Grönland
selbst, ziemlich hoch, und der Tummelplatz der Cyklonen in die Nähe von
Island und auf die Zugstrafse von Neufundland oder Labrador zu den Britischen
Inseln verlegt war. Die Karte der Monatsisobaren des August zeigt an der
Westküste Islands einen mittleren Druck, der etwa 5mm unter dem Normal-
werth für diesen Monat liegt, andererseits in Lappland einen solchen etwa
8 mm über normal. In Südsibirien wiederum war die normale sommerliche
Druckdepression mindestens so entwickelt, wie gewöhnlich. Dadurch lag Nord-
westeuropa während beider Monate im Gebiet eines Rückens hohen Luftdrucks
zwischen zwei grofsen Cyklonen und der Südwinde an der Westseite dieses
Rückens, und genofs so eine sommerlich warme Witterung mit ziemlich zahl-
reichen Gewittern, während, gleichzeitig der Osten und zum Theil auch das
Centrum von Nordamerika und noch mehr das europäische Russland bis weit
nach Sibirien hinein, sehr kühles Wetter hatten. In Bezug auf Westeuropa
und Island sehen wir also einen abnorm winterlichen Charakter der Druck-
vertheilung im August mit einem normal oder verstärkt sommerlichen Charakter
der Temperatur und der Niederschläge verbunden, während die Verstärkung
des sommerlichen hohen Luftdrucks bei den Azoren und vor dem Kanal im
Juni und wieder Ende August eine der Jahreszeit nicht angemessene kühle
Witterung zur Folge hatte. Wir würden also in Nordwesteuropa bessere
Sommer haben, wenn die winterliche Druckvertheilung auch über diese Monate
sich ausdehnen würde — ein Satz, der freilich schon aus dem Studium unserer
thermischen ete. Windrosen hervorgeht und hier nur eine neue Bestätigung
findet, Im Sommer wie im Winter scheint dabei in Bezug auf die Ruhe der
Atmosphäre ein Kompensationsverhältnifs zwischen Europa und der Mitte des
Oceans zu bestehen, welches durch das abwechselnde Lagern barometrischer
Maxima und Minima auf dem einen oder dem anderen Gebiet gleichfalls seine
naheliegende Erklärung findet.
I. Anwendung der Kenntnifs der Wetterlage in der Navigirung.
Verlauf der Segelschiffsreisen im Nordatlantischen Ocean.
1. Reisen von Ost nach West.
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10° W-Lr
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Datum | N ,
Schiff
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Tage
Tage
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„Diamant“
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61 „Ariadne“ - nn 1°
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99 „Magdalene“ „9
67 „Salisbury“ „ 2l
(02 „Maryland“ ‘ | „2%
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124 „Anna“ . „ %
123 | „Olbers“ 1
Juni 14
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4850) 19 Tui 4
48° | 15
449 | 38
(Juli 5
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| 44°
41° |
15
12
| Juli 20
_ 99
40°
N
60°] 51] » 17
59° | 11 | „ 26
60° | 9 | „ 24
38°] 7] „ 26
379 | 7 | „ 28
599° | 9 [Aug. 2
9°] 20 | „ 29
48° | 11 | » 28
50° | 10 | % 24
52° | 13 „ 30
50° | 18 lAug. 18
49°|127 „ 5
56° | 26: „ 21
40017 „ 9
50° | 16 „ 18
28° | ?? (Sept. 10
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423° 9 15
40°
99
39
99
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50
als
Zn
ge
Dauer der ganzen Reise
= Tage
Lizard—New-York 43
Lizard—New-York 41
Fair Isl.-—Philadelphia 33
Fair Island—New-York 46
Fair Isl.—Philadelphia 39
Fair Isl—Philadelphia 38
Gibraltar—New-York 32
Fair Island—Baltimore 39
Tuskar—Wilmington 60
Lizard—New-York 44
Lizard— Philadelphia 39