Meteorologische Beobachtungen im Cumberland-Sunde,,
959
16. Dezember 1883 und am 4. Januar 1884, ohne dafs die letzteren an der
Westküste bemerkbar gewesen wären. Oft aber erstrecken sie sich nicht einmal
bis ‘ Kekerten, sondern ersterben schon in der trichterförmigen Oeffnung des
Fjordes ‚Kignait. Am 12., 13. und 14. April 1884 befand ich mich am
oberen Ende des Fjordes, um Vorbereitungen für eine gröfsere Reise zu treffen.
Es wüthete damals daselbst ein furchtbarer Nordoststurm, welcher am 13. so
stark war, dafs wir nicht im Stande waren, gegen denselben anzugehen, Ich
finde in meinem Tagebuche folgende Notiz über diese Tage: „Als wir in den
oberer, engen Theil des Fjordes gelangten, brach ein heftiger Sturm los, ähnlich
dem, welchen wir am 4. Februar hier erlebten. Das Eis zeigt deutliche An-
zeichen vom Vorherrschen dieser Stürme während des ganzen Winters, Es ist
überall von kleinen Steinen besäet, die vom Lande fortgerollt sind, und für
einen Fjord merkwürdig uneben. Ferner ist gar keine Schneedecke vorhanden.
Die Felsen und Hänge der Berge sind vollkommen kahl und frei von Schnee,
Während im Golfe bei derartigem Sturme ein alles verhüllender Schneesturm
herrschen würde, ist hier so wenig Schnee vorhanden, dafs die Luft vollständig
klar bleibt und nicht einmal das zischende Geräusch des treibenden Schnees
zu hören ist. Je weiter wir den Fjord aufwärts gingen, um so heftiger wurde
der Sturm, bis wir schliefslich an der engen Schlucht Kitingujang nicht im
Stande waren, weiter zu kommen. Hier ergiefst sich ein Bach in den Fjord.
Derselbe ist vollständig schneefrei und so glatt, dafs die Hunde nicht die
Schlitten gegen die Wucht des Windes halten konnten, sondern hülflos zurück-
trieben.“
Von Kekerten aus kann. man häufig die Wirkung der Winde auf der
etwa 700m hohen Insel Kekertukdjuak beobachten. Dieselbe liegt mitten im
Eingange des Fjordes Kignait, steigt auf allen Seiten, aufser im Süden, steil
aus dem Meere auf und hat einen flach gerundeten Gipfel. Häufig sieht man
eine fahnenartige Wolke an der steilen Wand im.Westen der Insel hängen,
Die auf dem oberen Plateau liegenden Schneemassen werden in dichter Schnee-
drift von der Insel fortgetrieben und erscheinen so als Wolken an deren West-
und Südwestrande. Sie fallen dann gewöhnlich nördlich der Kekerten-Gruppe
zu Boden. Während dieses Vorganges ist oft vollständige Windstille in
Kekerten. In manchen Fällen wird sogar der Schnee ‚durch die Stürme von
den Hängen des ca 1800 m hohen Angiukak geweht.
Auf meinen Reisen konnte ich aus Mangel an Instrumenten keine Tem-
peratur- und Barometerbeobachtungen anstellen, einige Angaben über Winde
kann ich aber nach meinen Notizen hinzufügen. Ich wähle die Bemerkungen
aus, welche gleichzeitig mit den schweren Stürmen in Kekerten und Umanaktuak
waren. Am 15. Dezember, als in Kekerten heftiger Nordoststurm herrschte,
war bei Sednirun (Quickstep Hrb.) Windstille und dichtes Schneegestöber, Es
war so warm, daß das Schneehaus über Nacht zum Theil zusammenbrach, am
16, war schwacher Nordwestwind und klares Wetter. Am 4. Januar herrschte
am Fjorde Kaggilortung dichtes Schneewetter und mäfsiger NW-Wind, es klärte
sich am 5. aber schon wieder auf. Am 24. war zwischen /migen und Anar-
nitung Windstille und dichter Nebel. Am 26. Januar herrschte östlich von
Anarnitung dichter Nebel und mäfsiger Nordwestwind; dasselbe Wetter war
am 27. Am 28. war es nebelig und Schneetreiben von Nordwesten; am 29.
war in Kaggilortung wieder Nebel und starker Schneefall. Am 4, Februar
herrschte für einige Stunden im unteren Theile des Fjords Kıgnait starker
Nordostwind, dem später südliche bis südöstliche Winde folgten. Am 13. Februar
war bei Anarnitung wieder dichter Nebel. Vom 16. bis 18, Februar herrschte
daselbst starker Nordwestwind, der am 17. sich zu einem tüchtigen Sturme
steigerte. Am 19. war es klar, doch starker Nordwestwind mit Schneetreiben (6).
Westlich von /migen, wo ich mich Nachmittags befand, war es windstill- Am
20., als ich von Nichemiarbing nach Kekerten fuhr, herrschte starker NW-Wind;
doch sah man von den Gipfeln des Hochlandes an der Ostküste Schneewolken
vom Südostwinde nach dem Sunde zu treiben und allmählich ein etwa 20m
mächtiges Schneetreiben nordwestwärts ziehen, welches uns Nachmittags auf
der Mitte des Sundes erreichte, Am 5. März herrschte nebliges Wetter mit
mäfsigem NW-Winde zwischen Umanaktuak und Nuvujen. Am 19. März erhob
sich bei Udlimauliteling an der Südostküste der Cumberland - Halbinsel ein
246