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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Oberflächenströmungen im südwestlichen Theile der Ostsee. 
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Diesem zufolge ist der für die Winde aus den verschiedenen Quadranten 
hinsichtlich der Stromstärke sich ergebende Unterschied nur gering und, wo 
er vorhanden, auch wohl hauptsächlich auf die in manchen Fällen ungenügende 
Anzahl der Beobachtungen zurückzuführen. Das Einzige, was mit einiger 
Wahrscheinlichkeit vielleicht daraus zu folgern, ist, dafs bei ganz leichten Winden 
aus den östlichen Quadranten der Strom schwächer als bei solchen aus den 
westlichen Quadranten ist. 
Der Parallelismus zwischen dem Gange der Windstärke und dem der 
Stromgeschwindigkeit, welcher in den Mittelwerthen hervortritt, zeigt sich oft 
auch in den einzelnen Beobachtungen, insbesondere, wenn der Wind längere 
Zeit aus derselben Richtung weht. Jede Zunahme oder Abnahme der Wind- 
stärke ist dann oft von der entsprechenden Aenderung der Stromgeschwindigkeit 
begleitet. Beispiele solch gleichmäfsigen Ganges liefern die Aufzeichnungen 
vom 20. bis 26. September, vom 1. bis 10. Oktober, vom 27. Dezember 1885 
bis zum 6. Januar 1886 und vom 17. bis 24, April 1886. 
Im Ganzen schwankt indessen‘ die Stromgeschwindigkeit auch bei Winden 
yon derselben Stärke zwischen weiten Grenzen. Es kommt vor, dafs auch bei 
ganz leichten Winden ein ziemlich starker Strom läuft, und umgekehrt, dafs bei 
starken Winden ein nur schwacher Strom gefunden wird. Die nachstehende 
kleine Tabelle zeigt die diesbezüglichen Ergebnisse aus der vorliegenden 
Beobachtungsreihe. 
Bei der Windstärke 
0 bis 2 schwankte die Stromdistanz zwischen 
25 „4 ® » 
45 „ 5 ” » 
55 7 ” 9 
715 „9 » in 
200 und 11 470 m, 
2 250 „ 13300 
" 1080 „ 15200 „ 
» 2600 „ 21200 
11500 „ 30000 „ 
Besonders grofs sind die Schwankungen bei Winden von geringer 
Stärke. Der Grund dieser Unregelmäfsigkeiten ist nicht mit Sicherheit zu er- 
kennen. Mitunter scheint die Ursache ein Aufstauen des Wassers zu sein, 
welches bewirkt, dafs bei abnehmender Stärke des Windes, nachdem dieser 
längere Zeit aus derselben Richtung geweht hat, die Stromgeschwindigkeit in 
ungewöhnlichem Mafse abnimmt und andererseits bei eintretender Richtungs- 
änderung der neue Wind eine unverhältni(smälßsig starke Strömung hervorruft. 
Beispiele für den ersten Fall sind die Beobachtungen vom 22. und 27. De- 
zember 1885 und vom 23. und 24, April 1886, solche vom zweiten die Beob- 
achtungen vom 27. Juli, 19, und 20. August und 16. November 1885. Indessen 
jest ein derartiges Verhalten keineswegs die feste Regel. Oft kommt es auch 
vor, dafs der Strom, obschon die Windstärke bedeutend abnimmt, doch mit 
unverminderter Geschwindigkeit nach derselben Richtung weiter läuft, gleichsam 
als bestände eine Nachwirkung des vorher gegebenen stärkeren Antriebes; ja 
mitunter beginnt er nach vorhergegangener Richtungsänderung des Windes’ erst 
schwach und erreicht seine volle Geschwindigkeit, ohne dafs eine Zunahme der 
Windstärke eingetreten ist, erst am zweiten oder dritten Tage. Von erheb- 
lichem Einflufs auf die Stromgeschwindigkeit dürfte auch der Zustand der See 
sein, und zwar in der Weise, dafs derselbe Wind bei vorhandener Wellenbe- 
wegung eine stärkere Strömung hervorruft, als wenn das Wasser ruhig und die 
Oberfläche glatt ist. So sehr nun aber auch diese und sonstige Nebeneinflüsse 
in den Einzelfällen sich bemerkbar machen können, wird doch natürlich das in 
den Mittelwerthen sich klar ausdrückende Gesetz dadurch nicht aufgehoben, 
welches dahin lautet, dafs die Geschwindigkeit der Strömung in erster 
Linie von der Stärke des Windes abhängig ist. 
Aus der nachstehenden Uebersicht, zu welcher das ganze Material der 
293 Tage umfassenden Beobachtungszeit herangezogen worden. ist, kann man 
ein Urtheil gewinnen, was für Strömungen in der Gegend des Adler Grundes 
vorkommen.
	        
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