Vierteljahrs-Weiter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
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jst, mit dem am Abende des 7, in Belgien liegenden, oder, wie es nach den
vervollständigten Karten fast noch wahrscheinlicher ist, mit dem am Abende
des 7. bei Christiania liegenden Minimum genetisch verknüpfte; allein das
Material reicht zu einer sicheren Entscheidung hier nicht aus; auch die genaue
Entscheidung der anderen Detailfrage, ob das am 3. bei Metz liegende Minimum
vom Kanal, wie Karto I darstellt, oder von Ostspanien, wie es in der „Monatl,
Uebers.“ angegeben, gekommen war, liegt aulser dem Plan und der Möglichkeit
bei der vorliegenden Publikation, welche auf die Feststellung der größeren
Züge des Witterungsganges ihr Augenmerk zu richten hat. Ueber die den
zeitlichen Abschlufs dieses Kreislaufes bildende Bewegung einer Depression am
8.—10. Juni von der Adria über Schlesien nach Hamburg und über den Wolken-
zug auf deren Vorderseite findet man nähere Angaben in der „Uebersicht der
Witterung“ von diesem Monat, S. 2—3.
Der Uebergang zur Wetterlage der zweiten Dokade des Juni (vgl.
Karte II) vollzog sich im Grofsen durch das Vordringen der Depression von
dor Baffinsbai, unter südlicher Umbiegung von Grönland, nach Island und dem
Norwegischen Meere, Diese Dekade zerfällt jedoch nach den Druckverhältnissen
über: Island und den Britischen Inseln in zwei Zeitabschnitte. Jener vom
10.—13. Juni ist gekennzeichnet durch die kräftige Entwickelung und das
Fortschreiten der eben erwähnten Depression, während das Hauptmaximunm
zwischen dem Kanal und den Azoren lag; ein geringeres Maximum schritt vor
der Depression einher über Skandinavien nach Russland, hier starke Abkühlung
vor sich her erzeugend. Seit dem 11. nahm jedoch die Tiefe der Depression
wieder ab bis zum Abend des 12., worauf sie zum folgenden Morgen eine
vorübergehende Verstärkung erfuhr.
Am 14.—15. Juni passirte diese Depression das Nordostende des Hoch-
druck-Gebietes, das westlich vor dem Kanal lag, und schlug nun, angesichts
des niedrigen Druckes über Russland, eine nach SE und S gerichtete Bahn
nach Polen ein, während gleichzeitig sich dieses Nordostende des atlantischen
Maximums an die Westküste Irlands verschob (ohne merkliche TVTemperatur-
abnahme auf den Britischen Inseln) und abschnürte, so dafs vor dem Kanal
Ostwinde sich einstellten. Diese Wetterlage charakterisirte den Zeitabschnitt
vom 14.—20. Juni, bis zu dessen Ende auch die Ostwinde vor dem Kanal
anhielten, obwohl das Maximum über Irland mit der Entfernung des tiefen
Minimums’ in Grönland und der Annäherung neuer intensiverer Maxima aus dem
Westen vom 15. ab an Höhe verlor. Kleine kurzlebige Depressionen bewegten
sich während dieser ganzen Dekade im Süden Europas,
Gogen Schlufs dieses Zeitabschnittes zeigte sich eine otwas intensivere
Depression über Galizien; ob dieselbe, wie Karte II es darstellt, die Fort-
setzung des von der Baffinsbai gekommenen Wirbels war, mit dem wir uns
schon oben beschäftigten, oder ob der Kern derselben, von Westen herkommend,
sich it den Resten jenes Wirbels vereinigt: hatte, ist eine Frage, die das
Wesen der Sache offenbar weniger berührt, als es nach der unvermeidlich ein-
scitigen Darstellung auf Karten dieser Art den Anschein hat, welche ja nur die
Drehungscentren, nicht die ganzen verwickelten Phänomene selbst vorführen
können. Während bei der raschen Südwärts-Bowegung des erwähnten Wirbels
am 15.—17. Juni der Druckunterschied zwischen dem Maximum bei Irland und
dem niedrigen Luftdruck in Russland wirksam war, ist vom 18, an dieser Druck-
unterschied durch Steigen des Barometers in Russland verringert und macht
sich bei der nun folgenden, übrigens langsamen und schwankenden Rückwärts-
Bewegung der Depression der bedeutende Wärmeüberschufs des Ostens gegen
den Westen ebenso geltend, wie bei der analogen Bewegung am 5. und
9.—10. Juni. Deutschland hatte während dieser Zeit das unfreundliche kalte
Wetter, welches der linken Seite solcher Depressionen im Sommer eigen ist;
das ungewöhnlich niedrige Temperatur-Minimum des Monats wurde .an den
meisteu Orten Centraleuropas in den Tagen vom 17.—19, Juni erreicht, an
welchen in den mitteldeutschen Gebirgen vielfach Schnee fiel.
Diese kühle Witterung dauerte in Deutschland auch während des folgen-
den Zeitabschnittes vom 21.—27. Juni (vgl. Karte IIl) fort, dessen ersten
Tage durch gewaltige Regenmengen in Sachsen, die folgenden aber durch eine
Verstärkung der Depressionen bei Island und auf der Baffinsbai gekennzeichnet
Ann, d, Hydr. etec., 1888, Heft Y.