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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
Vierteljahrs - Wetter - Rundschau der Deutschen Seewarte
an der Hand der täglichen synoptischen Wetterkarten für den
Nordatlantischen Ocean. i
Sommer 1884.
(Mit 4 Karten, Tafel 6 und 7.)
I. Allgemeine Untersuchungen über die Wetterlage
auf dem Nordatlantischen Ocean,
Die dieser Rundschau beiliegenden Karten sind nach ganz denselben
Grundsätzen entworfen, wie die bereits erschienenen 25 Karten, so dafs zu
deren Verständnifs einfach auf das in den beiden ersten Quartalen der Rund-
schau Gesagte verwiesen werden kann. Eine Erklärung der angewandten
Zeichen findet man auf jeder Karte. Möglichste Klarheit und Einfachheit wurde
durchweg angestrebt. Die dargestellten Momente sind kurz folgende:
1. Die glatt ausgezogenen, stellenweise mit Pfeilhäkchen versehenen
Kurven stellen sämmtlich Bahnen der barometrischen Minima (Cyklonen)
dar; deren Morgenpositionen sind durchgängig, und zwar mit Bezeichnung der
Tiefe, angegeben, Positionen zu anderen Tageszeiten nur nach Möglichkeit und
Bedarf zur Feststellung der Kontinuität der Erscheinung. Durch die verschiedene
Dicke der Bahnlinien soll das Auge auf die intensiveren Wirbel hingeleitet
werden. Die gestrichelten Kurven geben die Verlängerungen der Bahnen vor-
und rückwärts über den Zeitraum der Karte hinaus behufs zusammenhängender
Betrachtung; die Punkte an ihnen sind ausschliefslich Morgenpositionen.
2. Die Lage und Ortsveränderung der Hochdruck-Gebiete
(Anticyklonen) sind für die wandernden durch Schrift längs der Bahn und ge-
wellten Pfeil, für die stationären durch blofse Bedeckung des Schwankungs-
Gebietes ihres Mittelpunktes mit der Aufschrift angegeben.
8. Die mittlere Lage der Isobare 765 während der einzelnen, dem
Texte zu Grunde gelegten Zeitabschnitte, unter ev. Fortlassung der Uebergangs-
tage. Die Zacken an diesen auf graphischem Wege aus den Einzelkarten ab-
geleiteten Kurven bezeichnen die Seite des höheren Luftdrucks. ,
Im ersten Zeitabschnitt dieses Vierteljahres, jenem vom 1. bis 9. Juni
(s. Karte I), dauerte im Gefolge von Depressionen, welche in den letzten Tagen
des Mai dorthin fortgeschritten waren, niedriger Druck über der Baffinsbai,
über ganz Europa, mit Ausnahme von Spanien, und über der Mitte des Oceans
westlich von den Azoren fort. Das Zusammenwirken der beiden letzteren
Niederdruck-Gebiete mit dem barometrischen Maximum, welches sich von Grön-
Jand in den letzten Maitagen südwärts nach dem 50. Breitengrad verschoben
hatte, bewirkte an den ersten drei Tagen des Juni ein so allgemeines Vor-
walten nördlicher (im Osten) und östlicher (im Westen) Winde auf dem ganzen
Dampferwege zwischen Europa und Nordamerika, wie es sich nur selten ein-
stellt. Zwar verschwanden die betreffenden barometrischen Minima rasch, aber
neue traten an ihre Stelle, die theils in deß betreffenden Gegenden neu ent-
wickelt, theils von Westen dorthin zugewandert sich erweisen. In den Um-
gebungen der Ost- und Nordsee zeigen diese Minima ausgesprochene Tendenz
zu jenem interessanten Kreisen um gemeinsamen Schwerpunkt, welches diesseits
schon oft hervorgehoben worden ist. Dieser Schwerpunkt lag diesmal in der
Nähe von Hamburg; über die Britischen Iaseln bewegten sich zwei Minima
züdwärts, über das südliche Deutschland zwei Minima ostwärts, die in der
Breite von Hamburg sich nordwärts wandten; parallel damit zog ein drittes
ostwärts im Mittelmeergebiet; endlich wanderten im Streifen Riga-Schott-
land zwei Minima westwärts. Wie gewöhnlich, hatte das umkreiste Gebiet
in dieser ganzen Zeit nicht blofs relativ niedrigen Luftdruck, sondern auch
ziemlich: niedrige Temperatur. Man könnte diesen Kreislauf noch etwas
vervollständigen, indem man die schwachen Minima, welche am 8. und 9. über
der Nordsee lagen, entweder, wie in der „Monatlichen Uebersicht“ geschehen