Aus dem’ Reiseberichte der deutschen Bark „Van den Bergh“.
9231
Am 21. Juli 1886 um 2 Uhr Nachmittags, in 4,3° N-Br und 152,9° O-Lpg,
sahen wir ebenfalls in einem gröfseren Abstande eine Wasserhose und beob-
achteten zu gleicher Zeit in geringer Entfernung vom Schiff die Entstehung
einer solchen. Wir segelten mit schwachem SE-Winde, während sich uns aus
NW eine dunkle schwarze Nimbuswolke mit frischer Briese aus dieser Richtung
näherte. An der Grenze beider Winde gewahrten wir plötzlich auf einer Fläche
von etwa 12m (40 Fufs) im Durchmesser stark kabbelndes Wasser, welches wie
hüpfend 2 bis 3 Fufs von der Oberfläche des Wassers emporschnellte und wieder
herunter fiel. Das Ganze hatte einigermaßen Aehnlichkeit mit einer Heerde
sich tummelnder Schweinfische (Delphine), wofür wir es auch Anfangs hielten.
Bald stieg es aber nebelartig von der Peripherie dieser Fläche empor, wurde
höher und höher, bis die Verbindung mit der genannten Wolke durch einen
dünnen Schlauch und so die Form ciner Wasserhose hergestellt war. Dieser
von der Wolke ausgehende, länger und länger werdende Schlauch hatte das
Aussehen eines kegelartig abgestumpften Armes. Mit dem anscheinend nach
SW fortschreitenden Phänomen schien die kabbelnde Wasserbewegung im Innern
desselben zu verschwinden. Eine Drehung um die Achse konnte bei der Wasser-
hose nicht beobachtet werden, Unsere Beobachtung mufste sich übrigens auf
einige Minuten beschränken, da es bald dick von Regen wurde und der obere
Theil der Wasserhose kaum noch wahrgenommen werden konnte,
Die Ausegelung von Nusa nördlich von Neu-Mecklenburg. Von
Matupi versegelten wir am 10, Juni 1886 nach dem ungefähr 7 Sm entfernten
Küstenplatz Ralem, um dort noch eine Quantität Kopra einzunehmen, und
wurden von hier für den Rest der Ladung am 21. Juni nach Nwsa beordert.
Mit leichtem, gröfstentheils aus nordöstlicher Richtung wehendem Winde, der
häufig von Stillen unterbrochen wurde, vollendeten wir am 26. Juni unsere
Reise. Wir benutzten die Steffen-Strafse und segelten mit günstigem Winde
durch Nusa-Fahrwasser, geleitet durch die vortreffliche Karte nach der Auf-
nahme von S.M.S. „Albatro/fs“, Kommandant Kapt.-Lieut. Graf v. Baudissin,
von welcher Letzterer die Güte hatte, mir eine Abzeichnung zu überlassen. Da
dieses Fahrwasser unrein ist, auch mitunter starke unregelmäfsige Strömungen
vorkommen, so ist grofse Vorsicht und guter Ausguck von den Wanten er-
forderlich. Sollte man durch die Sonnenstrahlen am sichern Ausguck verhindert
werden, so mufs man auf dem ersten Ankerplatz: innerhalb Delolawau- oder
Delolawail-Insel ankern. Man segle überhaupt nicht früher in die Stefen-Strafse
hinein, bis man sich vergewissert hat, dafs der draufsen herrschende günstige
Wind auch innerhalb der Strafse frisch durchsteht; denn wird man innerhalb
Kap Jeschke und ohne den oben erwähnten Ankerplatz bei der Insel Delolawar
— auf der Südostecke dieser Insel ist eine Nebenstation der Hernsheim’schen
Faktorei von Nusa — erreicht zu haben, von Windstille überfallen, so läuft
man Gefahr, durch die Strömung auf eine der Korallenbänke geworfen zu
werden. Aufser dem Nusa-Fahrwasser führt noch eine andere, weniger gefahr-
volle Passage auf einem geraden Kurse durch die Stefen-Strafse, vorbei an der
Insel Selemmus, auf welcher man dann von Norden in den Hafen von Nwusa
einläuft. Man ankere, wenn man diese wählt, auch zunächst, sobald die Nord-
spitze der Insel Nusa ungefähr OzN' peilt und man geschützten Grund hat.
Weiter südlich, näher der Station, ist das Fahrwasser sehr unrein. Wählt man
im SE-Monsun. seinen Weg um. Neu- Hannover herum, so entsteht. die Gefahr,
bei den schwachen Winden und Stillen durch den zu Zeiten stark nach Westen
setzenden Strom vertrieben zu werden. Ueberhaupt dürfte das Aufkreuzen
daselbst sehr schwierig sein, und man hätte bis über den Aequator hinweg zu
stehen, um im Stillengürtel die nöthige Länge zu gewinnen. In der Absicht,
Nusa-Fahrwasser einzulaufen, wird es das Beste sein, südlich von Delolawau-
Insel, ungefähr in der Mitte derselben, wo das seichteste Wasser ist, zu ankern
und die Flagge zu heifsen, worauf der daselbst stationirte Handelsagent an
Bord kommen wird, um Anweisungen zu ertheilen. Als Lootse konnte der bei
meiner Anwesenheit dort ansässige indefs nicht dienen.
Namu (Naura) oder Pleasant-Insel. Am 10. August 1886 um 12 Uhr
Mittags passirten wir auf unserer Reise von Nusa nach Cadımx diese Insel in
einer geringen Entfernung an der Ostseite. In mäfßsiger Höhe und von ungefähr
kreisrunder Form, mag sie einen Umfang von 10 bis 15 Sm haben. Am Strande