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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Aus dem Reiseberichte der deutschen Brigg „Albert Reimann“. 92927 
7, Juni peilte Kap Bangko (Lombok) NzW'/aW und Pandita-Insel NW; wir 
standen somit nahe vor dem südlichen Eingange der genannten Strafse, Bei 
leichtem Ostwinde wurde nordwärts gesteuert. Als gegen 8 Uhr Abends Wind- 
stille eintrat, befanden wir uns in einer starken Stromkabbelung, in der das 
Schiff nach WSW versetzt wurde. 
Von 12 Uhr bis 4 Uhr Morgens den 8. Juni setzte uns die Strömung 
bei Windstille nach NW, worauf um 6 Uhr leichter südlicher Zug durchkam, 
mit. dem zugleich die Strömung eine südliche Richtung annahm. In kurzen 
Zeiträumen folgten furchtbare Stromwirbel aufeinander. Um 8 Uhr Morgens 
peilte der Berg Agong auf Bali NNW und Kap Bangko Ost. Während des 
Vormittags wehten leichte S- bis SW-Winde; der Strom liefs nach und nach 
ab und nahm dann eine nordnordöstliche Richtung an. Kap Bangko peilte um 
Mittag O0zS. Nachmittags verloren wir indessen, infolge des starken südlichen 
Stromes, in dem starke Stromkabbelungen auftraten, wieder Grund, und zwar 
so, dafs um 6 Uhr Kap Bangko wieder NO und die Südspitze der Insel Pandita 
NW’'LW peilte. Von 6'% Uhr steuerten wir bei auffrischender südlicher Briese 
nach Lombok hinüber, wobei kein wesentlicher Strom beobachtet wurde. Als 
wir um 12 Uhr Nachts etwa 4 Sm südwestlich vom Kap Bangko standen, flaute 
der Wind zur Windstille ab. 
Um 1'/ Uhr Morgens den 9. Juni kenterte die Strömung nordwärts, 
worauf sich alsbald eine furchtbar hohe Stromraselung erhob, wodurch die 
ganze Wasserfläche mit Schaum bedeckt wurde. Das Schiff wurde mit fliegen- 
der Fahrt 3—4 Mal durch alle Striche des Kompasses hin und her geschleudert 
ünd war trotz des um 2 Uhr einsetzenden leichten Südwindes nicht zu steuern. 
Mit Hülfe des nördlichen Stromes gelang es uns indessen, so weit vorzurücken, 
dafs um 4 Uhr Kap Bangko SzO peilte. Allein von 5 Uhr an lief wieder süd- 
licher Strom, und da gleichzeitig der südliche Wind sehr flau war, wurden wir 
in der folgenden Zeit wieder ganz aus der Strafe hinausgetrieben, derart, dafs 
um 12 Uhr Mittags Kap Bangko in einem Abstande von 10 Sm NOzN peilte. 
Die Windstille hielt auch während des Nachmittags an, und das Schiff entfernte 
sich immer weiter südwärts von der Strafse, bis um 3 Uhr Nachmittags das 
genannte Kap bereits in der Richtung NNO!4AO 15 Sm entfernt war. Nach- 
mittags und Abends wechselten Windstillen und Mallungen aus allen Richtungen, 
begleitet von Regenböen und Gewittern; nur für wenig Stunden hatten wir 
leichte Briese aus ESE. 
Am Morgen des 10. Juni segelten wir bei leichter östlicher Briese von 
Neuem nordwärts, wobei indefs fast nichts gewonnen wurde. Auch während 
dieses Tages waren die Verhältnisse sehr ungünstig. Leichte Winde und Stillen 
wechselten mit einander ab, und um 8* p. m. stand das Schiff noch 8 Sm südlich 
von Kap Bangko, ungefähr auf demselben Platze, auf dem es drei Tage früher, 
am Abend des 7. Juni, sich befunden hatte. Auf der Wache von 8—12® p. m. 
konnte bei leichter nordöstlicher bis ostnordöstlicher Briese, mit der wir nord- 
wärts anlagen, eben der südliche Strom gestoppt werden. 
Auch am 11. und 12, Juni liefsen die Verhältnisse kein Vorwärtskommen 
zu. Um 12 Uhr Mittags den 13. Juni stand das Schiff 7 Sm südlich der Linie 
„Kap Bangko—Insel Pandita“, und um 3* p. m. befanden wir uns recht zwischen 
diesen beiden Punkten. Der Strom setzte hier mit grofser Geschwindigkeit auf 
das Kap zu, so dafs wir, trotzdem ein nordwestlicher Kurs gesteuert wurde, 
in gefährliche Nähe des Landes kamen. Der Strom war so stark und wirbelte 
derart, dafs das Schiff kaum zu steuern war. Nachdem Kap Bangko in eine 
Richtung südlich von Ost gebracht war, kenterte der Strom und trieb das 
Schiff mit grofser Geschwindigkeit längs dem Lande, das ungefähr !/2 Sm ent- 
fernt war, nordwärts, Die Richtung des Windes war zwischen S und SW. In 
der folgenden Nacht, als wir mit leichten südlichen Winden dem nördlichen 
Ausgange der Strafse zusteuerten, hatten wir keine besonders starke Strömung 
und konnten deshalb auch jetzt noch einigermafsen Fortschritt machen. Um 
4 Uhr Morgens den 14. Juni peilte Kap Manok WSW'/2W, 12 Sın entfernt, 
and um 8 Uhr Morgens Bali-Spitze SWzW und der Pik von Lombok SOz0'0. 
Somit waren wir endlich außerhalb der Lombok-Strafse. Die eigentliche Durch- 
segelung derselben hatte nur 12 Stunden gedauert, aber vor und in dem süd- 
lichen Eingange der Strafse waren wir volle sechs Tago aufgehalten worden. 
Ann. d. Hydr. etc... 1888 Heft Y.
	        
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