accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Aus dem Reiseberichte der. deutschen Bark „dJ. F. Pust“, 
223 
Die Ansegelung von Trinidad bietet keinerlei Schwierigkeiten; es ist 
jedoch zu empfehlen, den Parallel des Kanals zwischen den Inseln Tabago und 
Trinidad rechtzeitig zu gewinnen und auf diesem nach Westen zu segeln, Dio 
Inseln. sind frei von Untiefen und selbst zur Nachtzeit . zeitig genug auszu- 
machen, wenn das Wetter einigermafsen sichtig ist. Wir fanden gegen Ende 
März 1887 im Gebiet. des Passats fast gar.keine westliche Strömung, bei der 
Annäherung an Tabago setzte sie stark nach NNW und im Kanal zwischen 
Tabago und Trinidad in 4 Stunden 7 Sm nach WzN. 
Die Einfahrt in den Golf von Paria von Norden bilden, wie: schon 
erwähnt, die Drachenmündungen (Bocas del Drago), welche, von Osten nach 
Westen gerechnet, die Namen Boca de Mona, Boca de Huevos, Boca de Navios 
und Boca Grande führen. Die ersten drei sind enge Kanäle von etwa 1 Sın 
Breite, mit unregelmäfsigen Strömungen, unbeständigen .Winden und grofsen 
Wassertiefen, weshalb sie selten von Segelschiffen benutzt werden, Auch in 
der: Boca Grande finden sich keine anderen Aukerplätze, als dicht unter der 
Insel Chacachacara und der Landzunge Paria an der Küste von Venezuela, doch 
hat man hier. Platz genug zum Treiben. Etwa !/2 Sm von der Südwestspitze 
der Insel Chacachacara entfernt liegt der Diamantfelsen; westlich von diesem 
ist eine Glockenboje: verankert, deren Läuten wir hörten, als wir sie um Mitter- 
nacht beim Einsegeln passirten. Fluth und Ebbe wechseln hier regelmäfsig 
miteinander ab, doch ist nur Letztere, welche eine Geschwindigkeit von 2 bis 
3 Sm erreicht, von Bedeutung, während. erstere nur mit einer Geschwindigkeit 
von !/a Sm die Stunde auftritt. Die Ebbe wird, wie’schon erwähnt, durch den 
Arm der Acquatorialströmung, der durch den .Golf von Paria fliefst und dessen 
Einflufs in den Monaten Juli bis Oktober am gröfsten ist, verstärkt. Da man 
nun von der Boca Grande nach Port of Spain gegen die herrschenden öst- 
lichen Winde aufzukreuzen hat, so thut man wohl, etwas in die Mitte des Golfs 
hinein zu stehen, woselbst der Gegenstrom weniger. empfunden wird, als in der 
Nähe der Mündungen, und dann danach zu trachten, baldmöglichst Ankergrund 
zu erreichen. Bei der Annäherung an Port of Spain und auch schon früher 
kommen Stauer an Bord, die sich als Lootsen anbieten; der Dienste eines 
solchen ist man aber nicht benöthigt und mit der Annahme eines Stauers hat 
es auch keine Eile. Man wird finden, dafs man ganz gut ohne den letzteren 
Tordi8 werden kann und Arbeitsleute sind in den meisten Lösch- und Ladeplätzen 
zu haben, 
In Port of Spain und St. Fernando sind die Zollämter, . bei denen die 
von fremden Häfen einkommenden Schiffe einklariren müssen. Bei der An- 
segelung hat man die Nationalflagge von der Gaffel zu zeigen, worauf alsbald, 
noch vor dem Ankern, der Hafenmeister und die Zollbeamten an Bord kommen, 
in der Regel sehr freundliche Leute, die ihren Besuch möglichst schnell ab- 
machen. Für gewöhnlich besorgt der Hafenmeister auch die Quarantäne- 
geschäfte. Die während unserer Anwesenheit hier von Buenos Ayres, woselbst 
die Cholera geherrscht hatte, einkommenden Schiffe mufsten selbst bei voll- 
ständig gesunder Mannschaft und ohne daß ein Sterbefall während der Reise 
stattgefunden . hatte, fünf Tage in Quarantäne liegen. Der Quarantäneplatz 
befindet sich 1 Sm nördlich von der eigentlichen Rhede von Port of Spain und 
ist durch eine Boje bezeichnet. Unter der Küste und in der Nähe von Port 
of Spain liegen noch mehrere Bojen, die aber kaum nothwendig sind, da man 
sich wegen der geringen und regelmäfsigen Wassertiefen leicht durch das Loth 
orientiren kann. Das Leuchtfeuer, welches auf der Kaje am Hafenamt an- 
gebracht ist, ist von den Ankerlaternen nicht zu unterscheiden; das rothe Licht 
auf dem Kohlenhulk gewahrten wir, von La Brea kommend, nicht eher, als bis 
wir uns in der Nähe der’ auf. der Rhede von Port of Spain ankernden Schiffe 
befanden. © Schiffe, die an einem der andern Küstenplätze löschen oder laden 
sollen, bedürfen eines sogenannten Drogherpasses (Drogher werden die Leichter- 
fahrzeuge genannt) und haben am Tage eine blaue Flagge mit weilsem Kreus 
vom Vortopp zu zeigen. Bei der Ankunft auf einer Rhede sowie .auch wenn 
nach eingenommener Ladung Port of Spain zwecks. Ausklarirung wieder: an- 
gelaufen wird, haben die Schiffe die Nationalflagge am Vortopp .zu heißen. 
Wenn keine Waaren aus der Zollniederlage an Bord gelangen, deren wirkliche 
Ausfuhr festgestellt werden mufs, so erhält das Schiff keine Zollwache.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.