Aus dem Reiseberichte der. deutschen Bark „dJ. F. Pust“,
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Die Ansegelung von Trinidad bietet keinerlei Schwierigkeiten; es ist
jedoch zu empfehlen, den Parallel des Kanals zwischen den Inseln Tabago und
Trinidad rechtzeitig zu gewinnen und auf diesem nach Westen zu segeln, Dio
Inseln. sind frei von Untiefen und selbst zur Nachtzeit . zeitig genug auszu-
machen, wenn das Wetter einigermafsen sichtig ist. Wir fanden gegen Ende
März 1887 im Gebiet. des Passats fast gar.keine westliche Strömung, bei der
Annäherung an Tabago setzte sie stark nach NNW und im Kanal zwischen
Tabago und Trinidad in 4 Stunden 7 Sm nach WzN.
Die Einfahrt in den Golf von Paria von Norden bilden, wie: schon
erwähnt, die Drachenmündungen (Bocas del Drago), welche, von Osten nach
Westen gerechnet, die Namen Boca de Mona, Boca de Huevos, Boca de Navios
und Boca Grande führen. Die ersten drei sind enge Kanäle von etwa 1 Sın
Breite, mit unregelmäfsigen Strömungen, unbeständigen .Winden und grofsen
Wassertiefen, weshalb sie selten von Segelschiffen benutzt werden, Auch in
der: Boca Grande finden sich keine anderen Aukerplätze, als dicht unter der
Insel Chacachacara und der Landzunge Paria an der Küste von Venezuela, doch
hat man hier. Platz genug zum Treiben. Etwa !/2 Sm von der Südwestspitze
der Insel Chacachacara entfernt liegt der Diamantfelsen; westlich von diesem
ist eine Glockenboje: verankert, deren Läuten wir hörten, als wir sie um Mitter-
nacht beim Einsegeln passirten. Fluth und Ebbe wechseln hier regelmäfsig
miteinander ab, doch ist nur Letztere, welche eine Geschwindigkeit von 2 bis
3 Sm erreicht, von Bedeutung, während. erstere nur mit einer Geschwindigkeit
von !/a Sm die Stunde auftritt. Die Ebbe wird, wie’schon erwähnt, durch den
Arm der Acquatorialströmung, der durch den .Golf von Paria fliefst und dessen
Einflufs in den Monaten Juli bis Oktober am gröfsten ist, verstärkt. Da man
nun von der Boca Grande nach Port of Spain gegen die herrschenden öst-
lichen Winde aufzukreuzen hat, so thut man wohl, etwas in die Mitte des Golfs
hinein zu stehen, woselbst der Gegenstrom weniger. empfunden wird, als in der
Nähe der Mündungen, und dann danach zu trachten, baldmöglichst Ankergrund
zu erreichen. Bei der Annäherung an Port of Spain und auch schon früher
kommen Stauer an Bord, die sich als Lootsen anbieten; der Dienste eines
solchen ist man aber nicht benöthigt und mit der Annahme eines Stauers hat
es auch keine Eile. Man wird finden, dafs man ganz gut ohne den letzteren
Tordi8 werden kann und Arbeitsleute sind in den meisten Lösch- und Ladeplätzen
zu haben,
In Port of Spain und St. Fernando sind die Zollämter, . bei denen die
von fremden Häfen einkommenden Schiffe einklariren müssen. Bei der An-
segelung hat man die Nationalflagge von der Gaffel zu zeigen, worauf alsbald,
noch vor dem Ankern, der Hafenmeister und die Zollbeamten an Bord kommen,
in der Regel sehr freundliche Leute, die ihren Besuch möglichst schnell ab-
machen. Für gewöhnlich besorgt der Hafenmeister auch die Quarantäne-
geschäfte. Die während unserer Anwesenheit hier von Buenos Ayres, woselbst
die Cholera geherrscht hatte, einkommenden Schiffe mufsten selbst bei voll-
ständig gesunder Mannschaft und ohne daß ein Sterbefall während der Reise
stattgefunden . hatte, fünf Tage in Quarantäne liegen. Der Quarantäneplatz
befindet sich 1 Sm nördlich von der eigentlichen Rhede von Port of Spain und
ist durch eine Boje bezeichnet. Unter der Küste und in der Nähe von Port
of Spain liegen noch mehrere Bojen, die aber kaum nothwendig sind, da man
sich wegen der geringen und regelmäfsigen Wassertiefen leicht durch das Loth
orientiren kann. Das Leuchtfeuer, welches auf der Kaje am Hafenamt an-
gebracht ist, ist von den Ankerlaternen nicht zu unterscheiden; das rothe Licht
auf dem Kohlenhulk gewahrten wir, von La Brea kommend, nicht eher, als bis
wir uns in der Nähe der’ auf. der Rhede von Port of Spain ankernden Schiffe
befanden. © Schiffe, die an einem der andern Küstenplätze löschen oder laden
sollen, bedürfen eines sogenannten Drogherpasses (Drogher werden die Leichter-
fahrzeuge genannt) und haben am Tage eine blaue Flagge mit weilsem Kreus
vom Vortopp zu zeigen. Bei der Ankunft auf einer Rhede sowie .auch wenn
nach eingenommener Ladung Port of Spain zwecks. Ausklarirung wieder: an-
gelaufen wird, haben die Schiffe die Nationalflagge am Vortopp .zu heißen.
Wenn keine Waaren aus der Zollniederlage an Bord gelangen, deren wirkliche
Ausfuhr festgestellt werden mufs, so erhält das Schiff keine Zollwache.