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Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „J. F. Pust“.
von 1875 bis 1884 1661,2 mm, dagegen auf mehreren Plantagen der Colonial
Company, im Süden des Hügels Naparima und 23 Sm südlich der Savannah, in
demselben Zeitraum 1817,9 mm. Das Jahr 1885 war ein trockenes; man hatte
in Port of Spain 1000,8, in El Socorro 1052,8 und auf den Plantagen 1179,8 mm
Regenhöhe.
Im Allgemeinen sind die meteorologischen Verhältnisse von Trinidad
ziemlich einfacher Art, denn die Insel liegt in der Region des Nordostpassats
und aufserhalb der gewöhnlichen Zugstrafse der Orkane. Der Passatwind weht
am Tage über dem Lande und auf dem Golf von Paria frisch, er wird am
Abend flau und nimmt gegen 12 Uhr Nachts zur Windstille ab; indefs herrschen,
besonders in der Nordostecke des Golfs, auch manchmal Tags Windstillen bei
drückender, schwüler Luft. In der Regenzeit sind Westwinde und Böen, die
freilich in allen Monaten und meistens in den Nachmittagsstunden auftreten,
häufig. Die Witterungs- und Windverhältnisse weichen an einzelnen Küsten-
punkten aber manchmal von der allgemeinen Regel ab. Auf der Rhede von
St. Fernando, wo wir unsere Kohlenladung löschten und von Ende März bis
zum 20, April 1887 lagen, hatten wir vorwiegend östliche Winde, die am Nach-
mittag am frischesten waren, zwischendurch von 3 oder 4 Uhr bis 5 Uhr Nach-
mittags aber auch Westwinde mit Böen, welche dann wieder durch frische öst-
liche Winde verdrängt wurden. Letztere begannen zuerst dicht unter Land,
verbreiteten sich weiter seewärts und schienen die westlichen Winde vor sich
herzuschieben, welche ihrerseits in entsprechender Weise zuerst auf See auf-
traten und die östlichen Winde nach dem Lande hin zurückdrängten. Zwischen
beiden blieb ein windstiller Raum von !% Sm oder weniger Breite, zu welchem
hin gleichzeitig die Winde aus ganz entgegengesetzten Richtungen bei frischer
Stärke wehten.
Am 21. April versegelten wir nach dem Asphaltladeplatz La Brea, etwa
88m WzS von St. Fernando. Hier wehte der Ostwind bis 10* p.m. steif,
während er am letztgenannten Platze zwischen 6 und 7 Uhr Abends am
frischesten und um 8 Uhr oft schon flan war. Wenn in St. Fernando der
Westwind sich am Nachmittage nicht einstellte, so erlangte der Passatwind
schon zwischen 3 und 4 Uhr seine gröfste Stärke. Von einem deutschen
Kapitän, der bei meiner Ankunft in La Brea schon 14 Tage dort gewesen war,
erfuhr ich, dafs während der ganzen Zeit der Passatwind sich ebenso verhalten
habe und immer spät am Abend am frischesten gewesen sei. Der Westwind,
welcher hier früher, mitunter schon um Mittag, einsetzte, war von längerer
Dauer als in St. Fernando, und der Wechsel zwischen den östlichen und
westlichen Winden ging nicht in so schroffer Weise vor sich. Dabei war der
Regen häufiger geworden; es regnete fast täglich, oft nur in Schauern, doch
zogen das Ende unseres Aufenthalts hatten wir ganz ansehnliche Regengüsse,
die bei südöstlichen Winden oft längere Zeit anhielten, was also wohl als ein
frühes Auftreten der Regenzeit in diesem Jahre angesehen werden darf, In
der Trockenzeit, namentlich von Dezember bis Februar, sollen mitunter steife
nördliche Winde auftreten, die den Leichterfahrzeugen auf den Ankerplätzen
bei La Brea und vor allen bei Cedros, welches weiter südwärts auf der Land-
zunge liegt, gefährlich werden können, wenngleich die Seeschiffe wegen des
überall gut haltenden Ankergrundes nichts zu befürchten haben.
Auf der Rhede von St. Fernanda war fast keine Strömung bemerkbar,
während bei La Brea regelmäfsig Fluth und Ebbe mit einander abwechselten.
Letztere erlangte, verstärkt durch die Aequatorialströmung, welche, wie schon
erwähnt, zum Theil ihren Weg durch die Schlangenmündung nimmt, zur Spring-
zeit eine solche Geschwindigkeit, dafs selbst leere Schiffe quer gegen frischen
Ostwind aufschwaiten. Unweit von Port of Spain tritt beim Mondwechsel das
Hochwasser um 4 30" ein, bei der Boca de Navios 46 Minuten früher, bei
La Brea 8 Minuten später, an der Ostküste bei Mayaro Point 45 Minuten und
an der Südwestspitze von Trinidad, bei Icacos Point, 22 Minuten früher. Der
Hut des Wassers beträgt bei tauber Gezeit 0,8 m (2,5 Fufßs), bei der Spring-
zeit 1,2 m (4 Fuls).
Seegang und Dünung, welche durch die Drachenmündung einliefen,
wurden bei La Brea oft unangenehm für das Laden. Auf der Rhede von
St, Fernando war Dünung kaum fühlbar,