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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark '„J. F. Pust“. 
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Hügelspitzen — die Dreifaltigkeits-Insel oder Trinidad genannt. Die Urein- 
wohner, Arouncks- und Chaimasindianer, nannten die Insel „Jore“ oder das 
Land der summenden Vögel (Kolibris), welche von diesen Naturkindern in 
grofser Verehrung gehalten wurden und nicht geschädigt oder vernichtet 
werden durften. ; 
Etwa 90 Jahre nach seiner Entdeckung wurde 77inidad von den Spaniern 
kolonisirt und die Hauptstadt St. Joseph, etwas landeinwärts von der jetzigen 
Hauptstadt Port of Spain, angelegt. Hier wie überall in den von Spaniern 
in Besitz genommenen Ländern wurden die Eingeborenen auf das Härteste 
bedrückt. Nach einer Tradition brachte. ein indianisches Fest im Innern des 
Landes, welches auch von den Spitzen der Behörden und der Geistlichkeit 
besucht wurde, den angesammelten Zündstoff der Unzufriedenheit zum Ausbruch; 
ein Kriegatanz der Indianer ging in einen Vernichtungskampf gegen ihre Unter- 
drücker über, und wer sich nicht durch schleunige Flucht zu retten vermochte, 
wurde getödtet, darunter der Gouverneur, sämmtliche anwesende Priester und 
die Mehrzahl der Mitglieder des Cabildo (gesetzgebende Versammlung). Der- 
artige Vorfälle werden die Ausrottung der Indianer nur beschleunigt haben, 
weshalb letztere schon seit längerer Zeit nicht mehr als ein eigener Volkestamm 
zu erkennen gewesen sind, 
Die Kolonisation der Insel machte nur geringen Fortschritt. Eine im 
Jahre 1733 zwecks Steuererhebung angestellte Art von Volkszählung ergab 
außer den Indianern und Negersklaven, die als nicht steuerfähig ungezählt 
blieben, 162 Erwachsene männlichen Geschlechts, unter denen nur 28 Weißse 
waren. Im Jahre 1783 wurden durch einen Gesetzentwurf den neuen Ansiedlern 
besondere Vergünstigungen gewährt. Veranlalsg wurde. dieses Gesetz durch 
einen Franzosen Namens M. de St. Laurent, welcher, in Granada wohnhaft, 
Trinidad bereiste und die Ertragsfähigkeit des jungfräulichen Bodens erkannte. 
Die meisten Einwanderer waren Franzosen und Kreolen von den benachbarten 
Inseln; durch den Zuzug stieg im Verlaufe weniger Jahre die Einwohnerzahl 
Trinidads von 1000 auf 12000, die sich während der Revolutions- und Schreckens- 
zeit in Frankreich noch bedeutend vermehrte. . Diese Einwanderung drückte 
der Berölkerung zwar nicht den Stempel einer bestimmten Nationalität auf, gab 
ihr aber manche Eigenthümlichkeiten, die noch vorhanden sind. Hervorzuheben 
sind von diesen die Ehelosigkeit der arbeitenden Klassen, die durch mannig- 
fache kirchliche Einflüsse bis jetzt noch nicht hat gehoben werden können, und 
die Sprache, welche heute noch ein französisches Patois ist, das die Neger und 
Mischlinge unter sich lieber als das Englische reden, wenngleich sie letzteres 
auch meistens verstehen. 
Im Jahre 1797 wurden die Engländer Herren der Insel, deren Bevölke- 
rungsziffer zur damaligen Zeit auf 17718 angegeben wurde. Im Jahre 1834 
felen auch hier, wie in allen Kolonien des britischen Reiches, die Ketten der 
Sklaverei, und da auf die Arbeitskraft der befreiten Neger wenig mehr zu 
rechnen. war,. so folgte darauf die. Zuführung der Völker Asiens, Chinesen und 
Hindus, der sogenannten Kulis, die mit ihren Nachkommen gegenwärtig ein 
Drittel der ganzen Bevölkerung von Trinidad ausmachen mögen. Die Volks- 
zählung von 1838 ergab 39328 Einwohner, diejenige von 1881 schon 153 128 
— etwa 85 auf eine englische Quadratmeile —, .von denen 83 716 männlichen 
und 69 412 weiblichen Geschlechts waren. Der grofse Unterschied der beiden Ge- 
schlechter ist eine Folge. der Kuli-Einwanderung, bei der stets mehr Männer 
als Frauen ankamen. Die Regierung nimmt diese Ausiedler unter ihren Schutz; 
mehrere wohlthuende Gesetze sind betreffs der Wohnungen, der Verpflegung 
und besonders der Behandlung der. Kulis in. Krankheitsfällen erlassen worden, 
Die nördlich von Zrinidad gelegenen Inseln, besonders Barbados, liefern noch 
fortwährend Arbeiter nach. hier, wo sie höheren Lohn finden als in ihrer 
Heimath. 
. Die ganze Oberfläche Trinidads wird zu 1123000 Acres (2'/s Acres sind 
nahezu == I Hektar) angegeben, wovon zur Zeit etwa 350000 in Kultur sind, 
Zucker und Kakao. bilden die Hauptprodukte der Insel, doch werden. grofse 
Anstrengungen gemacht, auch andere Früchte, namentlich Reis und Mais, zum 
Anbau zu bringen. In den Jahren 1839 bis 1841 betrug die durchschnittliche 
Ausfuhr eines Jahres 26 856 600 Pfund Zucker, von 1879 bis 1881 aber schon 
Ann. d Hrdr_ ete.. 18988 Haft V_
	        
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