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Zur Hydrographie der Ostküste von Afrika südlich von Zanzibar.
2. Von Kilwa Kiwinje bis Kilwa Kisiwani. Unmittelbar südlich
vom Mafia-Kanal setzt der Strom noch stark nach Westen, so dafs Vorsicht
geboten ist. Das Fahrzeug wurde senkrecht zur Kursrichtung nach WSW in
einer Stunde über 2 Sm versetzt, auf die in der Karte eingetragenen Flach-
wasserstellen zu.
3. Kilya Kisiwani.') Beim Ein- und Auslaufen ist’die Hauptaufmerksam-
keit auf das Südriff zu richten, da sich dieses nicht so gut markirt, als das
nördliche, Immerhin sind sie beide recht gut sichtbar. Das nördliche fällt fast
ganz, zum Theil hoch trocken bei Niedrigwasser. Trotzdem S. M. Kr. „Möwe“
die untergehende Sonne direkt im Gesicht hatte, so dafs die inneren Land-
marken, das Fort u. s. w., nicht zu sehen waren, war die Einfahrt ganz un-
bedenklich, da an beiden Seiten durch die Brecher die Riffe sich deutlich
kennzeichneten.
Beim Verlassen von Kilwa Kisiwani, ungefähr 2'/a Stunden vor Niedrig-
wasser, traf der Kreuzer auf dem in der Segelanweisung angegebenen Kurse
S0z0'!40, „die Südspitze des Sandes achteraus“, nachdem das Südriff passirt
war, bis 3m hohe, sehr wilde, theilweise stark brechende See bei dunkelgrüner
Wasserfärbung. Seegang und Wasserfärbung erstreckten sich bis zu der in
der Segelanweisung angegebenen Linie „Mangrovebusch und Kap Matuso
in Eins“,
Näher unter dem nördlichen Riff, dort, wo die geringeren Tiefen und
der äufsere Ankerplatz angegeben sind, schien zur gleichen Zeit das Wasser
ruhig und glatt zu sein. Auch am Tage vorher, beim Einlaufen, war unter
gleichen Strom- etc. Verhältnissen, nahe dem Nordriffe über die flachen Stellen
passirend, dort das Wasser ebenfalls ruhig gefunden.
4. Lindi?) Das Fort ist sehr schlecht zu erkennen. Es ist ein schwarz-
graues altes Gemäuer.
Die eine wahrscheinlich als Merkzeichen weiß gekalkte Wand desselben
ist mit jungen Palmen fast ganz zugewachsen,
Wegen der schlechten Sichtbarkeit des Forts ist man geneigt, ein links
davon liegendes weißes Steinhaus für dasselbe zu halten. Als sich durch
Peilungen von Bord des Kreuzers das Falsche dieser Annahme herausstellte,
hat es immer noch einiger Zeit und Mühe bedurft, das richtige Fort auszu-
machen,
Ein Customhouse und Flaggeostock bei Mwentengi war nicht zu sehen.
Nur in dem Gehöft des früheren Forts in Lindi stand ein Flaggenstock, an
welchem die Flagge des Sultans wehte. ‘
Ein Nachtheil des Hafens von Lindi, was den Verkehr mit dem Lande
betrifft, ist der starke Strom. Dafls das Wasser bei Lindi so süfßs sein soll,
dafs der Bodenansatz der Schiffe davon fortgeht, ist übertrieben, Das Fluls-
wasser war, so weit S. M. Kr. „Möwe“ kam, stark brack.
5. Mgau Mwania.?) Die Einfahrt ist bei nahezu Niedrigwasser und
guter Beleuchtung, Umstände, wie sie S. M. Kr. „Möwe“ fand, leicht, die Ein-
steuerungsmarke brauchbar und leicht kenntlich. Der Kreuzer lag etwas südlich
von dem südlichen Anker,
Der Creek wird oberhalb des Ortes Sudi sehr seicht, Der Flufs Mbuo,
welcher im Süden in einem Ende des Creeks mündet, wird bald sehr schmal
und bei Niedrigwasser flach, ist indessen bei Hochwasser über eine Meile weit
befahrbar und überschwemmt zu diesem Zeitpunkte nach beiden Seiten weite
Mangrovesümpfe.
Eine Stadt gleichen Namens liegt weiter oben ungefähr 1'/» Sm von der
Mündung des Flusses, doch ist hier der Fluß nicht mehr befahrbar. Das
Wasser blieb brack, so weit die Boote hinaufkommen konnten. Auch dieser
Fluß und das Ende des Creeks ist voll von Flulspferden.
6. Mikindani.*) Die Einsegelungsmarken sind herzlich schlecht uud
konnten zum Theil überhaupt nicht ausgemacht werden, wie z. B. der „Busch,
) „Africa Pilot“, Part III, 1884, S. 273.
) „Africa Pilot“, Part III, 1884, S. 264.
3) „Africa Pilot“, Part IlI, 1884, S. 263.
$ „Africa Pılot“, Part HI, 1884, S. 259,