214 Der Einflufs der Sonne und des Mondes auf den Erdmagnetismus etc.
den Mond hervorgerufenen Variationen des Erdmagnetismus innerhalb eines
Jahres sich zeigen mufß. Diese haben auch Broun und Airy gefunden.
Strenge genommen mufs sich sogar eine tägliche Ungleichheit als Folge
des Mondeinflusses in den täglichen Variationen des Erdmagnetismus nachweisen
lassen, da jeder Punkt der Erdoberfläche infolge der Umdrehung der Erde nach
je 12 Stunden eine andere Stellung zum Monde einnimmt, Diese Ungleichheit
hat Prof. Neumayer') aus den Beobachtungen der Deklination zu Melbourne
(1858 —1873) nachgewiesen.
Er stellt den Einflufs des Mondes graphisch dar und theilt die so aus
den Beobachtungen abgeleiteten Kurven in drei Hauptgruppen mit je drei
Unterabtheilungen, d, h. er beobachtet den Einflufs des Mondes mit Rücksicht
auf seine verschiedenen Stellungen zur Sonne, wobei er einmal die Deklination
der Sonne und des Mondes unberücksichtigt läfst, dann die sämmtlichen Kom-
binationen bildet, die in Bezug auf die nördliche und südliche Deklination der
Sonne und des Mondes möglich sind.
Indem er für die betreffenden Zeiträume die Resultate graphisch dar-
stellt, gelangt er zu folgenden Resultaten. Bei allen Stellungen zeigt sich
während eines’ Mondtages ein periodischer Gang des Mondeinflusses mit zwei
Maxima und zwei Minima; die Maxima treten immer einige Zeit nach der oberen
oder unteren Kulmination des Mondes ein, die Minima 6—7 Stunden später;
die gröfste Amplitude (Differenz zwischen Maximum und Minimum) tritt ein bei
südlicher Deklination der Sonne und des Mondes (also im Sommerhalbjahre,
die Beobachtungen wurden zu Melbourne angestellt) und bei südlicher De-
klination der Sonne und nördlicher des Mondes und beträgt 42,2‘ resp. 44,4“.
Bei einigen der fraglichen Kombinationen sind die Maxima und Minima
nicht so scharf ausgesprochen, weil sich die kombinirte Wirkung von Sonne und
Mond nicht so scharf trennen läfst; in jedem Falle tritt aber der Einflufs des
Mondes während des Sommerhalbjahres entschiedener auf, als während des
Winterhalbjahres.
Auf diese Weise wären die Resultate der Untersuchungen von Sabine,
Broun, Airy und Neumayer auf eine gemeinschaftliche Ursache, die allen
vis jetzt beobachteten Erscheinungen Rechnung trägt, zurückgeführt. Fernere
auf diese Punkte gerichtete Untersuchungen würden zu vollständigerer Erhärtung
der iheoretisch abgeleiteten Folgerungen dienen. Wenn auch zukünftige Unter-
suchungen keine Spur einer eilfjährigen Periode des Mondeinflusses erkennen
lassen sollten, so dürfte dies kaum befremden; denn diese eilfjährige Sonnen-
periode macht sich in ihrer Wirkung auf die Erde in nur schwacher Weise
geltend, kann also auch auf den Mond nur eine schwache Wirkung ausüben,
die in ihrer Rückwirkung auf die Erde unter den zahlreichen störenden Ein-
Aüssen wohl gar nicht mehr zu erkennen ist.
Lamont, gewiß einer der kompetentesten Beurtheiler in allen Fragen
über kosmische und terrestrische Physik, sagt:
„Ich habe bei verschiedenen Gelegenheiten auf die Nothwendigkeit hin-
yewiesen, neben der Gravitation die Elektricität als eine allen Himmels-
körpern zukommende und überall im Weltraume wirkende Kraft anzunehmen
and zur Unterstützung dieser Hypothese aufser den Erscheinungen der Kometen,
des Nordlichts, des Zodiakallichts, auch die tägliche Oscillation des Baro-
meters angeführt.“
In ganz ähnlicher Weise spricht sich Prof, Clausius aus:
„Wenn die Fortpflanzung der strahlenden Wärme und des Lichts aus
alektrischen Kräften erklärt werden soll, so mufs man sich den Weltraum mit
Elektrieität erfüllt denken und mufs daher annehmen, dafs derjenige im ganzen
Weltraume und selbst im Innern aller Körper vorhandene Stoff, welchen man
bisher Aether nannte, nichts anderes ist als Elektricität. Wie man sich das
Verhalten dieses Stoffes zu denken und die verschiedenen von ihm ausgeübten
and auf ihn wirkenden Kräfte zu erklären hat, das bedarf noch weiter fort-
gesetzter Untersuchungen,“
4) Neumayer, on the Lunar-diurnal Variation of the Magnetic Declination, with special
regard to the Moon’s Declination. 1867.