212 Der Einflufs der Sonne und des Mondes auf den Erdmagnetismus etc.
erscheinen, obige drei Erscheinungen mit ihrem täglichen, doppelt periodischen
Gange in einen Kausalnexus mit diesem Einflufs zu bringen, der seiner Natur
nach an den einzelnen Tagen sehr verschieden an Intensität und Dauer ist.
Bei unserer Annahme erklärt sich aber dieser regelmäfsige periodische Gang
aller drei Phänomene sehr einfach.!)
Betrachten wir jetzt noch den Einflufs des Mondes auf den Erdmagnetismus,
um zu sehen, worauf derselbe zurückzuführen ist. Der erste Gelehrte, der aus
seinen Beobachtungen einen Einflufs des Mondes auf die magnetische De-
klination und Intensität der Erde abgeleitet hat, war Kreil; nach ihm fand
Broun, dafs dieser Einflufs in den verschiedenen Jahreszeiten verschieden
ist. Auch Airy erörterte diese Frage und gelangte zu Werthen, die während
eines Mondumlaufes Zu- und Abnahmen zeigen. Sabine?) hat aber zuerst die
Beobachtungen verschiedener Stationen in verschiedenen Jahren mit einander
verglichen und jedesmal dasselbe Gesetz gefunden. Die stündlichen Beob-
achtungen von Toronto wurden in mehrere Perioden eingetheilt und dann aus
jeder Periode der Einflufls des Mondes abgeleitet. Die einzelnen Perioden er-
gaben übereinstimmend die folgenden Resultate:
1. Der Mondeinflufs offenbart sich in den Variationen aller magnetischen
Elemente und kann in der Deklination, der Inklination und der Intensität ent-
schieden nachgewiesen werden.
2. Der Mondeinflufs besteht in einer regelmäßigen Periode mit doppel-
tem Maximum und doppeltem Minimum, und zwar treffen die Maxima ein
bei der Deklination 6 und 18 Stunden, bei der Inklination 3 und 14 Stunden
and bei der Intensität um 3 und 16 Stunden nach der oberen Kulmination; die
Gröfse der Perioden (Differenz zwischen Maximum und Minimum) beträgt bei
der Deklination 0,64‘, bei der Inklination 0,07‘, bei der Totalintensität 0,000012.
3. Diese Bewegungen lassen sich einfach erklären mittelst der Hypothese,
dafs durch die Erde im Monde Magnetismus inducirt wird,
4. Im Mondeinflußs zeigt sich keine Spur einer zehnjährigen (richtiger
eilfjährigen) Periode.
In einer zweiten Abhandlung?) legt Sabine die photographisch registrirten
Beobachtungen von Kew zu Grunde und findet eine regelınäfsige tägliche Periode
mit zwei Maxima und zwei Minima (analog der Ebbe und Fluth), Die Zahlen-
werthe der einzelnen Jahrgänge zeigen eine überraschende Uebereinstimmung;
aufserdem ergiebt sich aus dem Vergleiche der Werthe in Kew mit denen in
Hobarton (Australien) eine genaue Korrespondenz unter Berücksichtigung des
Umstandes, dafs auf der nördlichen Erdhälfte das Nordende der Nadel sich
ebenso bewegt, wie das Südende auf der südlichen Erdhälfte,
Eine ähnliche Untersuchung wie Sabine stellte Lloyd*) im Jahre 1858
an. Er geht dabei von der Voraussetzung aus, dafs Sonne und Mond selbst
magnetisch seien, und kommt zu dem Resultate, dafs die täglichen Variationen
des Erdmagnetismus durch die direkte magnetische Wirkung dieser beiden
Gestirne nicht erklärt werden können, indem besonders die durch den Mond
hervorgerufenen beiden Maxima und Mivima von nahe gleicher Gröfse inner-
halb 24 Mondstunden und das gleiche Zeichen ihrer Werthe in den gleich-
namigen Stunden dieser Annahme widersprechen. Der Einfiufs dos Mondes läfst
sich aber folgendermaßen erklären.
Langley bat durch seine bekannten Experimente bewiesen, dafs ein dem
vollen Sonnenschein ausgesetztes Thermometer nur einen Temperaturüberschufs
von etwa 48° €. über die Temperatur des Weltraumes zeigt, und dafs, wenn die
2) Uebrigens hat W. Thomson sehon im Jahre 1860 in den „Proceedings of the Royal
Instit.“ die Ansicht von der positiven Elektrisirung der oberen Schichten der Atmosphäre zur Er-
klärung der Erscheinungen der atmosphärischen Elektricität aufgestellt, gab aber diese Ansicht 1874,
wohl mit Unrecht, zu Gunsten einer anderen, wonach die negative Ladung der Erde die atmo-
sphärische Elektricität ausreichend erkläre, auf.
% Proceedings of the Royal Society, VIIT, 314 (1857) und Philos. Transact. 1857, p. 1—9.
3) Proceedings of the Royal Society, XI, 73—80; Philos. Magazine (1861), XXIT, 479-—485.
4) Philos. Magazine, Vol. XV, 192—196 (1858).