Der Einflufs der Sonne und des. Mondes auf den Erdmagnetismns etc. 911
liches Funkeln der Sterne nur dann beobachtet, wenn ein Nordlicht sichtbar
ist. Montigny bestätigt diese Beobachtung und fügt noch hinzu, dafs auch
magnetische Störungen die Scintillation plötzlich steigern. Derselbe Gelehrte
fand. ferner aus langjährigen Beobachtungen, dafs beim Herannahen einer jeden
Depression das Funkeln der Sterne zunimmt, und dafs. sein zur Messung der
Stärke der Seintillation erfundenes Instrument, das Scintillometer, eine heran-
nahende Cyklone schon anzeigt, wenn das Centrum noch 900—1000 km vom
Beobachtungsorte entfernt ist und das Barometer noch nichts von derselben
andeutet. Als am 8. Dezember 1886 2% p.m. das Centrum einer tiefen De-
pression über‘ der Insel Man lag, beobachtete Montigny in Brüssel eine aufßer-
gewöhnliche Intensität der Scintillation, wie er solche seit 1870 nicht beobachtet
hatte, und. selbst als am 10. Dezember das Centrum über Südnorwegen lag,
also in einer Entfernung von mehr als 1000 km von Brüssel, war das Funkeln
immer noch sehr stark.. In allen eben angeführten Fällen führen. aber die
höheren Luftschichten zahlreiche Eisnadeln, und es fällt stets die gröfste In-
tensität der Scintillation mit der gröfsten Menge der in den höheren Luft-
schichten schwebenden Eiskrystalle zusammen; daraus muls man aber auf einen
inneren Zusammenhang beider Erscheinungen schliefsen, Dann sei auch noch
darauf hingewiesen, daß die mit dem massenhaften Auftreten von Eisnadeln
verbundene Elektricitätsentwickelung . auch eine stärkere Phosphorescenz der
Luft zur Folge hat, die zur Verstärkung des Glanzes der Sterne beitragen
wird. Man bemerkt deshalb auch an heiteren und kalten Winternächten, an
denen ein gewisser Grad von Phosphorescenz fast stets vorhanden ist, dafs die
Sterne viel heller und glänzender erscheinen als an anderen Abenden, -
"Wir haben vorhin die tägliche Periode der erdmagunetischen Elemente,
des Luftdruckes und der Luftelektricität auf eine gemeinschaftliche Haupt-
ursache, die Wirkung der Sonnenstrahlung, zurückgeführt und uns dabei der
Forschungsmethode a posteriori bedient. Jede Erscheinung ist in jedem ge-
gebenen Moment das Resultat der Summe oder der Superposition aller auf sie
einwirkenden Kräfte, und es müssen sich die einzelnen Perioden aller einzelnen
Kräfte in den erzeugten Wirkungen, d. h..in dem Gange der fraglichen Er-
scheinung, wiederfinden lassen. Wenn also zwei oder mehrere Erscheinungen,
die im ersten Augenblicke noch so unähnlich erscheinen mögen, genau die-
selbe Periode befolgen, so müssen sie auf eine und dieselbe Haupt-
ursache zurückgeführt werden. .
Als ein passendes Beispiel der Anwendung dieses Satzes kann man die
Flutherscheinung betrachten, Die Abhängigkeit des Fluthphänomens vom Orte
des Mondes ist so evident, dafs ein Zusammenhang zwischen der Fluth und dem
Monde nicht abzuweisen ist. In unserem Falle haben wir es sogar mit drei
Erscheinungen zu thun, die alle denselben täglichen Gang zeigen. Alle drei
weisen je zwei Maxima und zwei Minima an jedem Tage zur selben Zeit auf;
ferner verschieben sich diese Zeiten der Maxima und Minima im Laufe eines
jeden Jahres regelmäfsig, und zwar so, dafs sie der Zeit des Auf- und Unter-
ganges der Sonne stetig folgen; wir müssen also alle drei Phänomene als vom
Orte der Sonne abhängig betrachten. Eine weitere Frage ist nun die, auf
welche Kräfte der Sonne diese Wirkung zurückzuführen ist. Wir haben aber auf
Grund einer Reihe von physikalischen Sätzen gefunden, dafs es die Sonnenstrahlen
sind, die durch ihre direkte Wirkung auf die Erdatmosphäre und den Erdboden
den periodischen Gang aller drei Phänomene erzeugen. Es wurde auch schon
hervorgehoben, dafs eine direkte magnetische Wirkung hier nicht in Betracht
kommen kann. Man kann ferner auf mathematischem Wege (nach Poisson)
nachweisen, dafß die freie elektrische Spannung an der Oberfläche der Sonne
so gering sein mufs, dafs die hieraus für die Erdoberfläche sich ergebenden
Influenzwirkungen gegenüber den Amplituden der periodischen Variationen der
Luftelektricität verschwinden; daraus mufs man schliefsen, dafs bei dem, dem-
jenigen der Luftelektricität durchaus ähnlichen, doppelt periodischen Gange der
erdmagnetischen Elemente und des Luftdruckes die freie elektrische Spannung
an der Sonnenoberfläche auch nicht betheiligt sein kann.
Obgleich die 26tägige Periode der erdmagnetischen Elemente, die mit der
Sonnenrotation im Zusammpgnhange steht, auf einen direkten elektrischen Einflufs
der Sonne auf unsere Erde hinweist, so möchte es doch wohl unmöglich
Ann. d. Hydr. ete., 1888, Heft V.