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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

208 Der Einflufs der Sonne und des Mondes auf den Erdmagnetismus etc, 
Leiter der Elektricität an. Er sagt: „Schon sein Gewebe scheint seine be- 
sonderen Wirkungen anzudeuten. Die langen parallelen und erhabenen Striche 
gleichen wahrscheinlich die Elektricität grofser, sehr weit von einander ent- 
fernter Luftmassen aus; .. . . wahrscheinlich hört ein Cirrus, wenn er nicht 
mehr leitet, auf ein Cirrus zu sein und verdunstet entweder oder geht in andere 
Abänderungen über,“ Ferner: „Wenn der Cirrus aufhört zu leiten, so wird er 
wahrscheinlich entweder positiv oder negativ elektrisch, und seine Verwandlung 
in den Cirro-cumulus scheint anzuzeigen, dafs er sehr positiv elektrisch geworden“ 
(siehe oben die Beobachtung Lephay’s). 
Indessen hängt der elektrische Zustand der Atmosphäre nicht ausschliefs- 
lich von der Wirkung des elektrischen Potentials der Höhe ab; am vollkommen- 
sten und reinsten kommt dessen Wirkung zur Geltung bei kaltem und klarem 
Wetter, d. h. bei Sonnenschein und minimalem Wasserdampfgehalt der Luft. 
Die Wolken, der Wasserdampf, sowie die Regentropfen sind fast stets negativ 
elektrisch; dadurch wird aber die gewöhnliche positive Elektrieität der Luft 
theilweise gebunden, so dafs diese in solchen Fällen weniger positiv elektrisch 
erscheint, ja zuweilen negativ elektrisch werden kann; zudem spielt auch die 
Temperatur der Luft eine Rolle. Temperatur und Elektrisirung der Luft stehen 
in einem Reciprocitätsverhältnisse, so dafs hohe Temperatur schwache KElektri- 
sirung bedingt und umgekehrt niedrige Temperatur starke Elektrisirung. 
Auf diese Weise wäre also der tägliche Gang der Luftelektricität erklärt. 
Wir müssen aber noch die Frage über den Zusammenhang zwischen den 
elektrischen Strömen in der Atmosphäre und jenen innerhalb der Erdrinde näher 
erörtern, Die Erscheinungen des Erdmagnetismus beruhen auf galvanischen und 
ihermoelektrischen Strömen innerhalb der festen Erdkruste. Die Erde ist also 
in Bezug auf die in ihrem Innern cirkulirenden Ströme als ein Solenoid zu 
betrachten, das in der Richtung von Ost nach West von diesen Strömen um- 
kreist wird, Die um dieses Solenoid in der Höhe der Atmosphäre laufenden 
Ströme müssen also nach den bekannten Gesetzen über die aufeinander wirken- 
den elektrischen Ströme auf die Erdströme einwirken; jede Stromschwankung 
in der Höhe bedingt auch eine Schwankung in den Erdströmen, Wir haben 
aber gesehen, dafs durch den Wechsel von Tag und Nacht regelmäfsig inner- 
halb 24 Stunden eine zweimalige Stromverstärkung und eine zweimalige Strom- 
schwächung in der Höhe stattfinden mufs; also müssen sich auch die Strom- 
schwankungen der Höhe in denjenigen der Tiefe wiederspiegeln. Es wurde 
auch schon hervorgehoben, dafs dies der Fall ist, sowie dafs der periodische 
Gang der Luftelektricität derselbe ist, wie jener der Erdströme. Ks kommen 
aber auch scheinbare Widersprüche vor. Wir wissen z. B., dafs die täglichen 
Schwankungen der Deklination mit der geographischen Breite wachsen, während 
dies mit der Luftelektrieität nicht in dem Mafse der Fall ist. Die Erklärung 
dieses Umstandes ist einfach; derjenige Theil der magnetischen Kraft, der auf 
die horizontale Nadel wirkt, vermindert sich vom Aequator nach den Polen hin 
stetig, somit mufs die die tägliche Bewegung der Deklinationsnadel hewirkende 
Kraft in höheren Breiten gröfsere Ablenkungen hervorrufen, als in niedrigen, 
wo die Nadel eine gröfßsere Richtkraft besitzt. Dies zeigt sich auch bei den 
Polarlichtern, deren mächtige Wirkung auf die Erdströme schon früher hervor- 
gehoben wurde. Wir sehen ferner, dafs die gröfste tägliche Schwankung der 
Magnotnadel im Sommer eintritt, während die Luftelektriecität im Winter stärker 
ist als im Sommer. Es ist aber zu berücksichtigen, dafs einerseits die elektri- 
schen Ströme der Höhe in ihrer Intensität vom Stande der Sonne abhäugig 
sind, also im Sommer mit der Sonne mehr nach Norden sich verschieben, im 
Winter mehr nach Süden, und dafs anderseits die Luftelektrieität im Winter 
stärker sein muß als im Sommer, weil die Region der Eisnadeln sich senkt 
und daher das elektroatmosphärische Potential im Winter mehr nach der Tiefe 
wirkt als im Sommer, in welcher Jahreszeit dazu die gröfsere Wärme, der 
Elektrisirung entgegenwirkt. Ferner ist zu beachten, dals die atmosphärische 
Elektrieität der unteren Schichten sehr schwankender Natur ist und keine ge- 
schlossenen Ströme bildet, wie in den höchsten Schichten der Atmosphäre, daher 
auch auf die Erdströme keine regelmäfsigen Wirkungen ausüben kann, Der 
Gang beider Erscheinungen kann also in Anbetracht der verschiedenen sie 
beeinflussenden Umstände nicht in allen Dingen übereinstimmen, wodurch auch
	        
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