Ann. d. Hydr. usw., XXXIV. Jahrg. (1906), Heft XI.
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Die Forschungsreise $. M. S. „Planet“.
XXI. Die Erforschung der höheren Schichten der Atmosphäre an Bord S.M.S. „Planet“.
Bearbeitet durch Oberleutnant zur See Schweppe.
Die Ausrüstung. Praktische Durchführung der Aufstiege.
Als im Frühjahr 1905 die Deutsche Seewarte von der Nautischen Abteilung des
Reichs-Marine-Amts den Auftrag erhielt, einen Vorschlag einzureichen, wie das neue
Vermessungsschiff auszurüsten sei, um auf der Ausreise die höheren Schichten
der Atmosphäre über den Ozeanen zu erforschen, wurde zunächst nur eine
Drachenausrüstung in Vorschlag gebracht. Die Erfolge, die gerade zu dieser
Zeit die Versuche Seiner Hoheit des Fürsten von Monaco mit Ballon-sonde-
Aufstiegen im Mittelmeer und später im NO-Passat unter Leitung von Professor
Hergesell erzielten, legten den Gedanken nahe, auch die Ausrüstung des neuen
Vermessungsschiffes für Ballonaufstiege zu vervollständigen. Ein diesbezüg-
licher Antrag der Seewarte. beim Reichs-Marine-Amt wurde genehmigt, die Aus-
rüstung demgemäß ergänzt, Ü
Im folgenden wird eine kurze Beschreibung der Ausrüstung gegeben:
a. Drachenausrüstung, x m
Die Drachenwinde ist nach Angaben von Herrn Professor Koeppen in
der Eimsbütteler Maschinenfabrik (Hamburg) gebaut. Eine gußstählerne Trommel
nimmt den Draht auf. Auf der Trommelachse sitzt aufgekeilt ein Friktionsrad,
die Trommelachsenlager. können durch einen Hebel in Kulissen auf und nieder
bewegt werden. Bei der Stellung »Achse unten« ruht die genannte Friktions-
scheibe in einem Pockholzbremsschuh — Bremsstellung —, bei der Stellung »oben«
ist durch eine zweite Friktionsscheibe und Zahnradübertragung die Verbindung
der Trommel mit dem Elektromotor hergestellt. Der Spielraum zwischen oöberem
Friktionsrad und Bremsschuh erlaubt durch verschiedene Hebel- und somit
Trommelstellung ein gutes Regulieren in der Bremsung der Trommel. Der
Draht nimmt von der Trommel seinen Weg durch den Verteiler und Spannungs-
messer über die nach allen Azimuten drehbare Abgangsrolle mit Umdrehungs-
zähler ins Freie,
Die Winde ist an Bord so aufgebaut, daß für die Stellung mit dem Gesicht
recht achteraus — und in den allermeisten Fällen steht man zur Beobachtung
der Drachen so — die Hauptteile gut zur Hand und gut zu sehen sind.
. Draht: Als Drachenleine wurde Gußstahl. — Klaviersaitendraht von
Felten & Guilleaume — angeschafft, und zwar in drei verschiedenen Stärken.
Die Drahtbewicklung auf der Trommel besteht gegenwärtig — ungeändert seit
nahezu drei Monaten — aus etwa 3 km 0.9 mm, etwa 2.5 km 0,8 mm und etwa
5 km 0.7 mm Draht. . ;
Drachen: Bezüglich der Drachen wird auf die im Heft II, 1906 der An-
nalen der Hydrographie und. maritimen Meteorologie gegebene Beschreibung der
Diamantdrachen »Modell Deutsche Seewarte 1904« verwiesen. Die Ausrüstung
besteht‘ aus je zehn großen Drachen mit Flügeln, großen ohne Flügel und kleinen
ohne Flügel. Die letztere Art ist bisher, noch nicht verwendet worden.
Die Drachen nehmen in zusammengelegtem Zustand so wenig Platz ein,
daß sie im Zeichensaal unter einem Zeichentisch in einem dazu von der Werft
hergestellten einfachen Holzgestell Platz finden.
Instrumente: Die Dracheninstrumente sind von der Firma J. & A. Bosch-
Straßburg gebaute Baro-, Thermo-, Hygro-, Anemographen, wie sie, soweit hier bekannt,
schon seit Jahren auf dem meteorologischen Institut in.Straßburg i. E. verwendet
werden, Der Wunsch, unter Innehaltung der für die Drachenausrüstung aus-
geworfenen Summe dem Schiff eine möglichst große Anzahl von Instrumenten
mitzugeben, ist wohl für die Wahl dieser billigen Instrumente maßgebend ge-
‘) Mitteilungen I bis XXI »Ann, d. Hydr. usıy.« 1906, S. 145, 220, 259, 305, 353,- 409: u. 457.
Ann. d. Hydr. usw., 1906, Heft XI.