204 Der Einflufs der Sonne und des Mondes auf den Erdmagnetismus ete,
dafs die täglichen Variationen des Erdmagnetismus einer direkten magnetischen
Wirkung von Sonne und Mond nicht zugeschrieben werden können, Auch
Zöllner hat in seiner Abhandlung: „Ueber den Ursprung des Erdmagnetismus
a. 8, w.“ durch folgende einfache Betrachtung die Unhaltbarkeit der Annahme
eines direkten magnetischen Einflusses von Sonne und Mond als einzige Ursache
zur Erklärung des magnetischen Zustandes der Krde und seiner Variationen
dargethan. Besäfse die Sonne nach Analogie unserer Erde zwei nahe gleich
starke magnetische Pole, so würde die Erde in ihrem jährlichen Laufe um die
Sonne nothwendig zweimal eine solche Stellung einnehmen, in welcher die von
dem einen Pole ausgeübte magnetische Induktion durch diejenige des anderen
aufgehoben würde. An diesen beiden Tagen müfste dann die tägliche Variation
nothwendigerweise verschwinden, wenn sie lediglich durch eine direkte mag-
netische Induktion der Sonne hervorgerufen würde. Fällt aber noch aufserdem
die magnetische Axe der Sonne nicht mit ihrer Rotationsaxe zusammen, Was
zehr wahrscheinlich ist, und ist der Abstand und die Intensität der beiden
Magnetpole der Sonne im Vergleich zu ihrem Abstande von der Erde grofs
genug, um bei der dann periodisch mit der Rotation eintretenden Variation der
Entfernungen beider Pole entsprechende Variationen des Erdmagnetismus durch
direkte Induktion zu erzeugen, so müßten die täglichen Variationen des Erd-
magnetismus, verdankten sie allein dieser Ursache ihre Entstehung, ungefähr
alle 13 Tage verschwinden, um dann abwechselnd, entsprechend der inducirenden
Wirkung des magnetischen Nord- oder Südpols, ein positives oder negatives
Maximum zu erreichen. Es läfst sich aber eine derartige periodische Schwankung
im Gange der erdmagnetischen Elemente keineswegs nachweisen, WOraus wir
folgern müssen, dafs die vorausgesetzte direkte magnetische Wirkung der Sonne
nicht vorhanden ist,
Gleichwohl läfst sich nicht leugnen, dafs zwischen der Beschaffenheit der
Sonnenoberfläche und den täglichen Amplituden der Deklination eine Beziehung
besteht, deren Erklärung aber bei dem jetzigen Stande unserer Kenntnisse von
der Sonne nicht in vollständig genügender Weise zu erbringen ist. Weder die
Sonnenflecken noch die Fackeln und Protuberanzen für sich können als Ursache
dieser periodischen Einwirkung angesehen werden. So viel steht aber fest, dafs
auf der Sonne mächtige Strömungen existiren, und wir dürfen daher annehmen,
dafs mit diesen auch gleichzeitig elektrische Strömungen verknüpft sind, die
auf die Erde zurückwirken. Es werden verschiedene Zustände auf der Somnen-
oberfläche nicht allein nach einander, sondern auch gleichzeitig neben einander
herrschen; da nun während einer Sonnenrotation nach und nach alle Regionen
mit ihren jeweiligen verschiedenen Zuständen sich der Erde zuwenden, so wird
sich eine der synodischen Rotationszeit der Sonne entsprechende Periode in den
Variationen der erdmagnetischen Elemente wiederspiegeln. Diese Betrachtung
veranlafste Hornstein, die Beziehung zwischen der Rotation der Sonne und
dem Erdmagnetismus festzustellen. Da diese Frage vor Kurzem in dieser Zoit-
schrift!) von Herrn J. Liznar ausführlich erörtert wurde, so genügt es, hier
auf dessen interessanten Artikel hinzuweisen und nur die Thatsache hervorzu-
heben, dafs die unter Zugrundelegung verschiedener Orte und Zeiten aus den
täglichen Variationen des Erdmagnetismus abgeleiteten synodischen Rotations-
zeiten der Sonne mit einander sehr gut übereinstimmen und damit die Annahme
eines Zusammenhanges zwischen diesen Variationen und den verschiedenen, je
nach der Stellung der Sonne zur Erde verschieden einwirkenden Zuständen der
Sonnenoberfläche vollständig rechtfertigen,
Dabei ist zu berücksichtigen, dafs wegen der gasigen Beschaffenheit der
Sonne und der gewaltigen Revolutionen auf derselben die elektrischen Strömungen
selten dieselben Bahnen einschlagen werden, wodurch eben der Einflufs der
Sonne, so weit er von diesen elektrischen Strömen abhängt, mit der Zeit ver-
schieden ausfallen mufs; im anderen Falle würde die Sonne wie die Erde sich
als magnetisch wirksam erweisen müssen. Die in den letzten Jahrzehnten
wiederholt gemachte Beobachtung über das Zusammenfallen von auffallenden Ver-
änderungen auf der Sonnenoberfläche mit plötzlichen und heftigen Aenderungen
in der Stärke und Richtung der erdmagnetischen Elemente führt ebenfalls zu
ı „Annalen der Hydrographie ete.“, 1887, pag. 217.