Orkan im Südatlantischen Ocean.
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Bericht über einen Orkan am 25..und 26. November 1886
im Südatlantischen Ocean.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte.)
Die deutsche Bark „Weser“ lief auf ihrer Reise von Iquique nach
Hamburg am 25. November 1886, im Südatlantischen Ocean, auf ungefähr
45,0° S-Br und 40,5° W-Lg, in einen Orkan aus WNW hinein. Kapt. Harde
schildert die Witterung kurz vor, während und nach demselben folgendermafsen:
„Am Nachmittag des 24, November 1886 herrschten leichte bis mäfsige
westliche und nordwestliche Winde, bei ziemlich klarer Luft, worauf gegen
12" p.m. der Wind, bei einem bis dahin beständigen Luftdruck von 749,7 mm
auf NNE 4 lief. Kleine scharf begrenzte Ci-cu zogen am Nachmittage langsam
von N nach S; gleichzeitig dehnten sich Ci-str allmählich von W nach O aus,
während in der westlichen Kimm eine drohende, schmierig aussehende Wolken-
bank stand, hinter der die untergehende Sonne um 6 Uhr verschwand. Um
6'/t p.m. kamen Cu im NW auf, die Anfangs eine südöstliche bis östliche
Richtung hatten, dann aber in einer Höhe von etwa 30° einen südlicheren Zug
annahmen und schliefslich im SW verschwanden. Nach 8 p. m war der Himmel
vollständig bezogen, und es begann anhaltend zu regnen, begleitet von Böen.
Von 12* p.m. bis 4" a.m. den 25, November, in 45,0° S-Br und 41,7° W-Lg,
war der Wind sehr unbeständig, seine Richtung schwankte zwischen NW und
NNW und seine Stärke von 3 bis 8. Die See war etwas weniger aufgeregt,
als am Abend vorher; es regunete anhaltend, und das Barometer fiel rasch auf
745,9 mm. Am 25. Vormittags wehte es steif bis stürmisch aus NW bis NNW,
der Luftdruck nahm langsam ab und die See hielt sich noch ziemlich ruhig;
von jetzt an aber begann der Wind zuzunehmen, und um 4* p,m wehte ein voller
Nordsturm, bei einem Luftdruck, der bis 740,0 mm heruntergegangen war.
Seit 6 p. m. erreichte der Wind, bei anhaltendem dichten Regen, in den Böen
die Stärke 10. Da das Barometer jetzt in einem sehr raschen Fallen begriffen
war und auch die See höher wurde, vermuthete ich nichts Gutes und ließ um
91 p.m. das Voruntermarssegel festmachen. Das Barometer, welches von
8 bis 10" p.m. 5mm gefallen war, hatte um die letztgenannte Stunde in
45,1° S-Br und 40,5° W-Lg mit 730,4 mm seinen tiefsten Stand erreicht... Um
diese Zeit wehte ein voller Orkan aus N, der mit ungeschwächter Kraft gegen
12* p. m. seine. Richtung bis WNW veränderte. :.- Bis. dahin war die See noch
arträglich, als aber die Windänderung vor sich ging, entstand auch eine furcht-
bar hohe See. Der Luftdruck behielt seinen tiefsten Stand bis 11%", stieg
dann rasch im Verlauf von !/4 Stunde um 2,6 mm, so dafs er um 12* p. m. die
Höhe von 733,0 mm hatte, auf welcher er sich bis 4% a. m. den 26., in 45,2° S-Br
und 40,4° W-Lg hielt. Während des Orkans war das Schiff vollständig in
Dampf eingehüllt; ob dieser vom Regen oder vom Seewasser herrührte, war
nicht auszumachen. Nach Mitternacht klarte der Himmel ein wenig ab und im
Zenith zeigten sich verschleiert einige Sterne, aber bei anhaltendem Blitzen im
S sah die Luft noch immer drohend aus. Die Stärke des Windes liefs all-
mählich ab, doch bis 8" a.m. den 26. wehte noch immer ein voller Sturm,
wobei der Luftdruck nur wenig gestiegen war. Als um 10% a, m. in 45,2° S-Br
und 40,1° W-Lg der Wind nur noch steif bis stürmisch wehte, konnten das
Voruntermarssegel und Vorstagsegel und um 6* p. m. auch die Fock gesetzt
werden, doch mufßsten wir, obwohl der Wind auf W geholt, war, der hohen
See wegen, noch bei dem Winde steuern. Während der Nacht vom 26. zum
27. traten noch schwere Böen mit Regen, Hagel und Schnee auf, die erst gegen
3* a. m, nachliefsen, Da die Seo mittlerweile in eine ziemlich hohe Dünung
übergegangen war, waren wir jetzt wieder in der Lage, Kurs steuern zu können.
Um 12 Uhr Mittags, am 27. November, war unser Schiffsort 44,2° S-Br und
39,6° W-Lg. Bei einem Luftdruck von 748,6 mm und klarem Himmel wehte
frischer NW-Wind. Während des Orkans befand sich das Schiff ungefähr an
der Grenze der kalten und warmen Meeresströmung. Obwohl mit dem Abflauen
und Westlichholen des Windes eine südwestliche Dünung aufkam, so stellte
sich doch der erhoffte südwestliche Wind nicht ein.“