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Volltext: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

192 Segelschiffsreisen vom Atlantischen Ocean nach der Ostküste von Afrika ete, 
güdlichem Winde eine ungefähr viermal so starke nördliche als südliche 
Versetzung. 
Um den schädlichen Einflufs der starken Gegenströmung zu vermeiden, 
ist es in dieser Jahreszeit nöthig, nach dem Verlassen von Zanzibar zunächst 
eine entsprechende Strecke in den Indischen Ocean hinein zu steuern, ehe man 
beginnt, gegen den meist sehr frischen südlichen Wind aufzukreuzen. Es darf 
hierbei gleichzeitig nicht aus den Augen gelassen werden, dafs vor dem Eintritt 
in den Mozambique-Kanal noch die westliche Strömung zu passiren ist, und man 
der afrikanischen Küste nicht zu nahe (in minimo 60 bis 80 Sm) kommen darf, 
bevor das Kap Delgado und damit die Stromscheide passirt ist. 
Ich lag nach dem Verlassen von Zanziıbar drei Tage lang über B-B.-Bug 
nach Osten, nach welcher Zeit das Schiff 46,5° O-Lg, gleichzeitig aber auch 
5,1° S-Br erreicht hatte, also stark nördlich gekommen war. Von hier aus 
kreuzte ich auf. Bei ziemlich westlichem, aber schwachem Strome und kräftigem 
südlichem Winde wurde es möglich, in den nächsten drei Tagen je ungefähr 
einen halben Grad Süd zu machen. Die folgenden Tage brachten auf mehr 
westlicher Länge stärkeren, nordwestlichen Strom bei flauerem, meist südöst- 
lichem Winde, so dafs „Hertha“, um die Comoro-Insel in Sicht zu laufen, bei 
eintretender Stille unter Dampf am 28. rw. SSO Kurs nehmen mufßte. ‚, 
Letztere Insel wurde am nächsten Tage passirt; hiermit trat S. M. S, 
„Hertha“ aus der Gegend der ungünstigen Strömungen heraus. Mit südlichem 
bis südöstlichem Winde, jetzt indefs günstig setzendem Strome, legte das Schiff 
die Strecke bis Mozambique in zwei Tagen zurück und ankerte im letzteren 
Hafen am 1. Juli Abends 6* 20°, 
Nach dem Passiren von Kap Delgado muls man sich möglichst nahe an 
der afrikanischen Küste halten, ohne indefs zu weit in die grofsen Buchten, 
welche letztere bildet, hineinzulaufen. Ich fand, nachdem ich am 3. Juli Abends 
Mozambique verlassen, im weiteren Verlauf der Reise diese Regel sehr empfehlens- 
werth, denn während in den grofsen Buchten, der Bucht von Sofala und der 
Delagoa-Bai, die Versetzung sehr unregelmäfsig in Richtung und Stärke ge- 
funden wurde, ergab sich in der Nähe der vorspringenden Theile des Festlandes 
stets günstige Strömung. 
Der Wind, welcher in dem Mozambique-Kanal stets südlich gewesen war, 
wurde von 22° S-Br ab häufig nördlich bezw. sehr leicht, so dafs ich die Strecke 
von Kap Corrientes, dessen Breite am 9. Juli geschnitten wurde, bis zur Algoa- 
Bai mit zeitweiliger Zuhülfenahme der Maschine in 6 Tagen zurücklegen konnte. 
Nachdem „Hertha“ zwischen 24,2° und 23,1° O-Lg nahezu drei Tage vor 
kräftigem Nordwestwinde beigelegen bezw. mit wenig Erfolg gegen denselben 
aufzukreuzen versucht hatte, ankerte das Schiff am 20. Juli Vormittags in 
Simons-Bai.“ 
Die für die Reisen von Zanzibar gegebenen Anweisungen gelten, wie 
schon bemerkt wurde, zugleich für alle Reisen, deren Abfahrtsort irgend ein 
anderer Hafen an der Ostküste Afrikas ist. Ebenso auch für Reisen von 
einem Platz an der Westküste von Madagaskar, von woher kommend die 
Schiffe auch thunlichst bald die günstige Strömung unter der afrikanischen 
Küste aufsuchen sollten. 
Auf Reisen von der Ostküste Madagaskars und von Mauritius ist 
bei der Wahl der Route in erster Linie darauf Bedacht zu nehmen, dafs man 
sich möglichst lange im Gebiet der günstigen Passatwinde hält. Man sollte 
deshalb den Kurs nicht gleich zu südlich setzen und Kap St. Marie auf Mada- 
gaskar in ziemlicher Nähe passiren. In 30° bis 31° S-Br suche man die Route 
der von der Ostküste Afrikas heimkehrenden Schiffe auf. 
Für die Fahrt vom Kap der guten Hoffnung nach Europa sind An- 
weisungen bereits im „Segelhandbuch für den Atlantischen Ocean“ gegeben.
	        
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