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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

188 Segelschiffsreisen vom Atlantischen Ocean nach der Ostküste von Afrika ete, 
sollte, in zwei Tagen 170 Sm nach NNW versetzt, so dafs ich ganz unerwartet 
an dem Bestimmungshafen vorbeigetrieben war und mich dicht unter der Küste 
befand. Es geschah dies vom 20. bis 22. Januar, während ein stürmischer 
Südwestwind wehte und fortwährender Regen astronomische Beobachtungen 
unmöglich machte. 
An dem erreichten Orte, 17° 20‘ S-Br und 38° 40’ O-Lg, setzte der Strom 
Jängs der Küste nach Nordost mit 4 bis 5 Kn Fahrt. Da auch eine hohe Süd- 
westsee stand, hatte ich grofse Mühe, vom Lande frei und aus der Strömung 
zu kommen. Zum Aufkreuzen einer Entfernung von etwa 100 Sm gebrauchte 
ich vier Tage, und es gelang mir nur, weil ich im letzten Etmal, als 90 Sm 
Abstand von der Küste gewonnen worden war, durch den Strom 60 Sm nach 
Süden versetzt wurde. 
Am Mittage des 27. Januar hatte ich gute Beobachtungen, setzte meinen 
Kurs auf Tangalane-Spitze, deren Flaggenstange ich früher in Sicht bekam als 
das sehr niedrige Land, und ankerte um 5ö* p. m. mit der Flaggenstange in der 
Kompafspeilung Nord etwa 5 Sm entfernt auf 5 bis 7 Fad. Wasser.“ 
Auf Reisen nach der Ostküste von Madagaskar und nach Mauritius 
kommt bei der Wahl der Route allein die Frage in Betracht, wie weit östlich 
man den Parallel von 30° Süd, der als die polare Grenze der vorherrschend 
östlichen Winde anzusehen ist, schneiden mufs, damit man später den Be- 
stimmungsort mit dem Passat bequem erreichen kann. Hier ist nun zu berück- 
gichtigen, dafs der Passat in diesem Theile seines Gebietes — an der West- 
seite des Luftdruck-Maximums an seiner polaren Grenze — oft eine schrale 
nordöstliche Richtung hat, so dafs es, zumal wenn der Wind steif weht, nicht 
einmal möglich ist, immer Nordkurs einzuhalten, geschweige denn, noch Länge 
gutzumachen, und dafs ferner der Zeitverlust, der durch das Ablaufen von 
etwas mehr Länge im Westwindgebiet der höheren Breiten verursacht wird, 
nicht ins Gewicht fällt gegen den Aufenthalt, welcher entsteht, wenn man 
gegen den Passat zu kreuzen genöthigt ist. Um sicher zu gehen, sollte man 
deshalb 30° S-Br auf Reisen nach Tamatave in 52° O-Lg und auf Reisen nach 
Mauritius in 60° bis 62° O-Lg schneiden; auch sollte man, da die Grenze der 
beständigen östlichen Winde mitunter schon im Süden von 30° S-Br angetroffen 
wird, den Schnittpunkt von 35° S-Br so östlich nehmen, dafs man von dort bis 
30° S-Br nur noch wenig, sagen wir 3° bis 4° O-Lg gutzumachen braucht. 
Nach St. Louis auf Mauritius bestimmt, sollte man, um den Aufenthalt durch 
Windstillen und westliche Stromversetzung an der Leeseite der Insel zu ver- 
meiden, stets an der Ostseite derselben hinaufgehen, 
2. Rückreisen. 
Umgekehrt wie auf der Ausreise, wo man unter Berücksichtigung der 
Strömungsverhältnisse von der afrikanischen Küste südlich von Kap Delgado fern 
bleiben mufs, hat man auf der Rückreise nach dem Atlantischen Ocean die Nähe 
der Küste zu halten. Die Route, welche demgemäfs mit dem kürzest möglichen 
Wege zusammenfällt, ist die gleiche für alle von Ostafrika kommenden Schiffe, 
nur dafs diese, je nach der Lage ihres Abfahrtsortes, an verschiedener Stelle in 
dieselbe eintreten. Sie ist auch die gleiche in allen Jahreszeiten; ausgenommen 
jedoch auf der Strecke nördlich von Kap Delgado, wo die Schiffe auf der 
Rückreise den Strom entgegen haben und, um dies Hindernifs zu überwinden, 
je nach dem herrschenden Monsun eine mehr oder weniger weit landabwärts 
führende Route einschlagen müssen, 
Die Schiffe, welche von Zanzibar ausgehen, finden die gröfste Schwierig- 
keit, südwärts zu gelangen, natürlich im Südmonsun, wenn die Nordströmung 
am stärksten und zugleich der Wind nahezu recht von vorn ist. In dieser 
Jahreszeit sollte man, nachdem man nördlich der Insel Zanzibar oder, wie es 
zur Zeit der Höhe des Monsuns infolge der sehr starken Strömung oft nicht 
anders möglich ist, erst nördlich der Insel Pemba die offene See erreicht hat, 
zunächst bei dem Winde auf Steuerbordhalsen eine gute Strecke landabwärts 
stehen. Man wird dabei finden, dafs mit der Entfernung vom Lande der Strom 
schwächer wird und eine westlichere, selbst südwestliche Richtung annimmt, 
zugleich auch der Wind östlicher holt. Man sollte jedoch nicht früher wenden, 
als bis die Verhältnisse sich so weit gebessert haben, dafs ein Aufkreuzen nach
	        
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