Ann. d. Hydr. ete., XVI. Jahrg. (1888), Heft 1V.
155
Der Nebel in Deutschland, insbesondere an den deutschen Küsten,
Von Dr. Hugo Meyer in Göttingen,
Das Material der vorliegenden Untersuchung lieferten zwei Quellen.
Zunächst die „Meteorologischen Beobachtungen in, Deutschland“.. Da es nicht
nur auf die Zahl der Tage ankam, an denen zu irgend einer Stunde Nebel
beobachtet wurde, sondern auch auf deren Aufeinanderfolge und ihren Wechsel
mit den nebelfreien Tagen, so konnten nur diejenigen Stationen herangezogen
werden, deren Beobachtungen in extenso publiceirt worden sind. Es wurden
alle Tage, bei denen sich in den Tabellen unter „Bemerkungen“ Nebel ver-
zeichnet fand, als Nebeltage gerechnet. Den „Bemerkungen“, welche sich ja
auf den ganzen Tag beziehen, wird häufig und wohl nicht mit Unrecht weniger
Vertrauen entgegengebracht, als den Beobachtungen zur Zeit der Termine, denn
88 kann leicht kommen, dafs einem Beobachter z. B. eine kurze Nebelzeit
entgeht, wenn sie nicht gerade einen Termin in sich schliefst. Es schien daher
anfangs zweifelhaft, ob sich vergleichbare‘ Resultate ergeben würden. Im
Laufe dieser Untersuchung habe ich mich indessen überzeugt, dafs auch die
„Bemerkungen“ von den Beobachtern mit grofser Sorgfalt notirt werden und
sich auf ihnen eine zuverlässige Untersuchung wohl aufbauen läfst. ‘ Die grofse
Nebelarmuth von Berlin nämlich gab Veranlassung, die einzelnen Jahrgänge unter
anander zu vergleichen und in Beziehung mit dem Wechsel der Beobachter zu
bringen. Es ist wohl nicht zu leugnen, dafs ein Wechsel des Beobachters in mehr-
flacher Beziehung, z. B. bei der Schätzung der Himmelsbedeckung oder der Stärke
des Windes, mit der Verlegung der Station gleichbedeutend sein kann. In
Berlin haben während der hier in Betracht gezogenen Jahre drei Herren be-
>bachtet: Prof. Arndt bis Ende 1881, Dr. Hellmann bis Ende 1883 und seit-
äem Dr. Schindler. Herr Dr. Hellmann hat etwas mehr als doppelt so oft
Nebel notirt, als die beiden Andern; daher wurde Berlin mit benachbarten
Stationen, an denen kein Wechsel im Personal vorgekommen war, verglichen.
Es ergab sich, dafs auch Breslau für 1882 und 1883 eine ungewöhnlich grofse
Zahl von Nebeltagen aufwies, ebenso (wenigstens 1883) auch Kassel und
Swinemünde, Aehnliche Vergleichungen habe ich auch für andere Stationen
(Kiel, Wustrow, Swinemünde, Borkum) durchgeführt, um einen etwaigen KEin-
Auf des Wechsels der Beobachter aufzufinden; dabei hat sich das erfreuliche
Resultat ergeben, dafs alle Beobachter mit ziemlich derselben Aufmerksamkeit
unser Phänomen verfolgten. Was aber von den verschiedenen Beobachtern
derselben Station gilt, das wird auch von den Beobachtern verschiedener
Stationen gelten, so dafs das persönliche Moment hier nur von untergeordneter
Bedeutung ist. Der Werth des verarbeiteten Materials gewinnt dadurch sehr,
und es schien mir deshalb nicht überflüssig, auf diesen Punkt besonders hin-
zuweisen.