Kleine Notizen.
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Ballast über Bord geworfen werden. Letzterer darf auch auf der Rhede nicht
ausgeworfen werden; dies ist erst auf 10m Wassertiefe gestattet.
Für chinesische oder inländische Arbeiter, Zimmerleute oder Kalfaterer
muß mas 1 bis 2,50 fl. pro Tag zahlen. Der Lohn für Tagelöhner beträgt
0,50 £l, pro Tag.
Steinkohlen werden nur an der Ostseite des Binnenhafens gelöscht oder
geladen. Daselbst befinden sich die Lagerplätze einiger Dampferlinien und von
Kaufleuten.
Schiffe, welche in den Hafen einlaufen wollen, müssen, da daselbst
Lootsenzwang ist, rechtzeitig die Lootsenflagge aufheifsen.
Schiffe, welche Pulver oder Petroleum oder andere leicht entzündbare
oder explodirbare Stoffe geladen haben, dürfen nicht in den Hafen einlaufen;
solchen Schiffen wird auf der Rhede ein Platz angewiesen.
Im Hafenamt befindet sich ein Depot von Seekarten und Segelhandbüchern
vom niederländisch-indischen Archipel.
8. (D.S.) Mollendo in Peru. Nach dem meteorologischen Journal
der deutschen Bark „Jacobine“, Kapt. C. Schoemaker:
„Auf der Reise von Valparaiso nach Mollendo peilten wir am 18, Juli 1885
um 12 Uhr Mittags Mexico Point NzW etwa 12 Sm entfernt, von welchem
Orte aus wir recht in das Thal von Tambo hineinsehen konnten, Der Strand
war bis dicht an die Brandung mit Gebüsch bewachsen. An einer Stelle und
am Ende des Thales bemerkten wir eine ebene Terrasse, die sich längs des
Berges hinzog und künstlich angelegt und eine Strafse oder Eisenbahn zu sein
schien. Um 2'/2" p. m. sichteten wir Häuser, die am Strande, etwa 30m (100°)
über dem Meeresspiegel standen, und hielten auf dieselben zu, in der Meinung,
dafs es Mollendo sei. Als wir uns noch 3 Sm vom Lande befanden und den
Ort NW peilten, betrug die Wassertiefe 27m (15 Fad.), in einem Abstande
von 2 Sm 18m (10 Fad.). Nach erhaltener Mittheilung in Valparaiso war es
wahrscheinlich, dafs ich in Mollendo Schiffe vorfinden würde; da ich diese aber
nicht sah und auch keine Durchfahrt in der Brandung zum Landen entdecken
konnte, ging ich nicht zu Anker, sondern segelte weiter längs der Küste, Um
4 p. m. sah ich weiter westwärts zwei dicht unter der Küste vor Anker
liegende Schiffe und erkannte, nach genauer Prüfung, auch die Dächer der
Häuser von Mollendo, trotzdem dieselben eine ähnlich graue Farbe hatten, wie
das Land im Hintergrunde, Von Osten ist Mollendo in einem Abstande von
nur 4 Sm noch schwer zu erkennen; nur White-Insel, westlich davon, giebt,
wenn man sich ungefähr 2 Sm von der Küste befindet, ein gutes Merkzeichen
ab, denn in einer solchen Entfernung kann man zwischen der Küste und der
Insel hindurch sehen. Um 6* p. m. drehten wir bei, Mollendo 4 Sm entfernt
und NW peilend. Am folgenden Morgen lag dichter niedriger Nebel über dem
Lande, so dafs wir nichts ausmachen konnten. Als es aufgeklart war, peilte
um 8" a. m. Mollendo NzE ungefähr 6 Sm entfernt. Wir hatten daher während
der Nacht eine geringe westliche Versetzung gehabt. Um 10* a. m. ankerten
wir bei hoher südlicher Dünung unter der Stadt, auf einer Wassertiefe von
36m (20 Fad.), in der Nähe von zwei Segelschiffen und zwei Kanonenbooten,
Die westliche Strömung steigert sich auf der Rhede mitunter auf 3 Sm,
Der Ankergrund ist wegen der vielen steckengebliebenen Anker kein guter.
Während unseres sechswöchentlichen Aufenthalts kam im Durchschnitt auf je
drei Tage ein Schwelltag, an dem nicht gelöscht werden konnte, Im Uebrigen
ging das Löschen rasch, nur dafs infolge der Blokade sämmtliche Waaren
beim Wachtschiff untersucht werden mulsten, was äufserst zeitraubend war. Der
Ballast ist theuer und kostet längsseits 1 Sol 80 Cts. die Tonne, nebst 25 Cts,
für Zoll. Das Trinkwasser kann man fast kostenlos vom Lande holen; sonst
aber sind alle Sachen, mit Ausnahme von frischem Fleisch, theuer. Es waren
zwei Hafenmeister da, aber keiner kümmerte sich darum, wie und wo die
Schiffe lagen. Dem Kapitän blieb es überlassen, sich so gut als möglich ein-
zurichten.
Am 31, August Mittags verliefsen wir Mollendo, um nach Cörinto zu
segeln, und peilten um 4* p. m. den gegenwärtig unbewohnten Ort Zslay ONO
5 Sm entfernt. Islay ist eine gute Tagmarke; die leeren Häuser scheinen von