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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Staubfälle im Nordatlantischen Ocean. 
Bereits am Mittag des 9. Februar konnte man an den Raaen und Tauen, 
sowie an den weils gefärbten senkrechten Theilen, weniger auf horizontalen 
Flächen, eine schmutzig gelbe Färbung bemerken. Besonders war die Wind- 
seite der Raaen und Taue bis hoch hinauf mit diesem gelben Anfluge bedeckt. 
Strich man mit dem Finger diesen gelblichen Beleg ab, so fühlte man deutlich 
sandige Bestandtheile in demselben. 
Am 9. Februar Abends wurden, um von dem Staub aufzufangen, Papier- 
düten und weiße Leinenlappen aufgehangen, jedoch ohne Erfolg. Deshalb 
wurde am 10. Morgens von einem Matrosen der Beleg von den obersten Raaen 
mit einer Karte abgeschabt und das so Gesammelte von mir auf Veranlassung 
des ersten Offiziers, Herrn Porath, einer mikroskopischen Prüfung unterzogen. 
Das Resultat derselben war Folgendes: 
Der Staub war von schmutzig gelbgrauer Farbe, löste sich auf Wasser- 
zusatz auf dem Ohjektivträger auf und verbreitete sich zu einer undurchsichtigen, 
gelbgrauen, schmierigen Flüssigkeit. Ohne Wasserzusatz sah man unter dem 
Mikroskop bei 300 facher linearer Vergröfserung schwärzliche, zusammen- 
geballte, aus kleineren Körnern bestehende Klumpen, welche undurchsichtig 
waren und keine genauere Nuancirung darboten. Wurde Wasser zugesetzt, so 
wurden die einzelnen Körner durchsichtig und blieben nicht mehr zusammen- 
geballt. Sie waren von unregelmäfsiger Form, theils rund, theils zackig und 
eckig, zuweilen auch prismatisch geformt, durchschnittlich %/200 bis "/soo mm im 
Durchmesser und bei durchfallendem Lichte von blafsgelblicher bis röthlicher 
Farbe. Das Ganze erwies sich als ein sehr feiner quarzhaltiger Sand.. Aufser- 
dem fanden sich noch fein granulirte schwarzbraune Massen, offenbar Rufs und 
Kohlenpartikelchen. Ferner sah ich einige spärliche Stäbchen von '/100 bis 
!/00 nm Länge und sehr geringer Breite. Dies waren bewegungslose grofse 
Bacillen. Da dieselben wohl kaum hoch oben an den Rasen ihr Fortkommen 
finden können, so mufs angenommen werden, dafs sie mit dem Staube vom 
Lande gekommen sind. 
Öhne die Frage, ob der Staub von der afrikanischen oder amerikanischen 
Küste herstammt, näher zu berühren, will ich nur noch einige Bemerkungen im 
Anschlufs an den diese Staubfälle behandelnden Aufsatz des Herrn Kapt. Dinklage 
machen. Es wird hier hervorgehoben, dafs der Himmel während der Beobachtung 
der Staubfälle meistens klar war; die nächtliche Thaubildung aber sei in diesen 
Gegenden nach den Journalen sehr stark. „Möglicherweise“, so bemerkt Herr 
Dinklage, „befördert aber auch das Vorhandensein des Staubes in der Luft die 
Thaubildung; wenigstens findet sich während des Herrschens der Staubnebel sehr 
oft die Bemerkung gemacht: Thau, starker Thau, wohingegen mit dem Ver- 
schwinden des Nebels auch die nächtliche Thaubildung nachzulassen pflegt.“ 
Diese Bemerkung ist richtig und läfst sich experimentell nachweisen. In der 
Hygiene hat man schon seit einiger Zeit auf die Beziehungen zwischen dem 
Staubgehalt der Luft und deren Fähigkeit, Feuchtigkeit niederzuschlagen, hin- 
gewiesen. Nimmt man z. B. ein klares Glasgefäfs, halb gefüllt mit Wasser, 
und reinigt die in dem Gefäfs enthaltene Luft durch Umschütteln des Wassers, 
so sieht man keine Nebelbildung in dem Gefäfs, selbst wenn man das Wasser 
zum Kochen erhitzt und auf diese Weise die Luft im Gefäfs mit Wasserdämpfen 
sättigt und sie dann abkühlt. Sobald man jedoch staubhaltige Luft hinzutreten 
Jäfst, bildet sich in dem Gefäfs ein trüber Nebel, An jedem der feinen Staub- 
körnchen der Luft verdichtet sich der Wasserdampf zu Wasser. Dies Experiment 
kann man unzählige Male wiederholen, wenn man die Luft durch Umschütteln 
des Wassers in dem Gefäfs wieder klar macht.“ — 
Journal D. 810. Dampfer „Valparatso“, Kapt. J. Riedel. 
1887 seit Februar 23, in 5° N-Br und 27° W-Lg, fortwährend sehr diesiges 
Wetter. Passat steif, am 6. Februar in 14° N-Br und 23° W-Lg aus 
NE zur Stärke 8 zunehmend. 
Februar 26 in 17° N-Br und 22° W-Lg: Vormittags Niederschlag von 
rothem Flugsand; später Luft weniger diesig. 
Journal S. 2762. „Emma Roemer“, Kapt. P. Albrand, 
1887 April 12 in 14° N-Br und 35,6° W-Lg: Morgens war die weifse Farbe 
auf Deck ganz mit einer gräulichen Staubmasse überzogen; Wind NE 6.
	        
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