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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte,
4. Reisen von Süd nach Nord.
Die Reisen von der Linie nach dem Kanal, welche die grölste Mehrzahl
der in der Tabelle 4 aufgeführten bilden, verliefen auch in diesem Vierteljahr
ziemlich ungünstig. Im Mittel nahmen dieselben 39,5 Tage in Anspruch, wäh-
rend als gewöhnliche Durchschnittsdauer ungefähr 37 Tage zu rechnen ist, Die
Durchsegelung der Aequatorialzone ging meistens ziemlich rasch von Statten;
wenigstens benöthigten die Schiffe, welche bis Mitte April die Linie über-
schritten, nur in wenigen Fällen mehr als 7 und in manchen Fällen nicht mehr
als 5 Tage dazu. Dagegen wurde auf der Passatstrecke und auf der von
30° N-Br nach 10° W-Lg verschiedentlich eine unverhältnifsmäfsig lange Zeit
zugebracht, bis zu 17 Tagen auf der ersteren und 27 Tagen auf der zweiten,
Die Hauptursachen der Verzögerung bestanden darin, dafs das Maximum der
Rofsbreiten statt auf der Ostseite der Schiffsroute oft auf der Westseite oder
der Mitte des Oceans lag, was bewirkte, dafs die Schiffe beim Verlassen des
Passatgebietes statt eines allmählichen Herumholens des Windes von Nordost
durch Südost nach Südwest nördliche Winde oder Stillen antrafen, des Weiteren
in dem Störungen des Passats hervorrufenden Erscheinen von Depressionen in
niederen Breiten, sowie ferner in dem mehrmals läugero Zeit anhaltenden Auf-
treten von Ostwind zwischen den Azoren und dem Kanal. Durchschnittlich am
raschesten verliefen die Reisen der Schiffe, welche zwischen Mitte März und
Mitte April die Linie überschritten, — das zu dieser Gruppe gehörende Schiff
„Amanda & Elisabeth“ machte die Reise in 28 Tagen — durchschnittlich am
jängsten waren dagegen die in der zweiten Hälfte April und der ersten Hälfte
Mai angetretenen Reisen,
Die ersten Schiffe, welche die Tabelle aufführt, „Professor“ und „Joe
Rauers“, hatten zu Anfang März schon die Hälfte ihres Weges zurückgelegt,
ersteres selbst schon 45° N-Br erreicht. Die ihre Reise verlängernden Ver-
zögerungen waren bereits vorher eingetreten, bei „Joe Rauers“ in der Passat-
region, bei „Professor“ vornehmlich auf der Strecke von 30° bis 40° N-Br und
in der Aequatorialzone; für den Rest des Weges brachte ihnen die herrschendo
Wetterlage die erwünschten westlichen Winde, so dafs dieser rasch zurückgelegt
werden konnte. Das Schiff „Joe Rauers“ hatte im Bereiche der Depression,
welche um die Mitte März von Labrador gegen die Küste Mitteleuropas zog
und sich dann in 20° W-Lg nordwärts wandte (s. Karte II), in der Nacht vom
14. zum 15. März in 45° N-Br und 20° W-Lg schweren Südsturm, bei welchem
38 8 Stunden lang beigedreht lag. Kapt. Schröder bemerkt: „Ich bin der
Ansicht, dafs durch das Beidrehen das Centrum des Sturmes vermieden worden
ist. Hätten wir weiter gelenzt, so wären wir wahrscheinlich hineingerathen
und hätten Verluste erlitten, wie das heute an anderen Schiffen zu sehen war,
unter anderen an der englischen Bark „Baron Colonsay“, mit der wir Signale
wechselten“.
Die nächstfolgenden Schiffe, „Canopus“ und „Pedraza“, trafen einen gut
entwickelten Passat und auch ferner eine ziemlich günstige Gelegenheit und
machten infolge dessen recht gute Reisen, die noch kürzer ausgefallen wären,
wenn nicht die Schiffe durch den steifen und schralen Passat so weit nach
Westen, „Canopus“ bis 43°, „Pedraza“ selbst bis 48° W-Lg geführt worden
wären. „Pedraza“, nach Lissabon bestimmt, hatte außerdem einige Tage Auf-
enthalt in 40° N-Br und 20° W-Lg durch flaue östliche Winde und Stillen im
Bereiche des in Karte III an der Westküste Südeuropas verzeichneten Maximums.
„Canopus“ erhielt durch dieselbe Depression, in deren vordere Hälfte „Joe
Rauers“ gerieth, vom 12. bis 15. März westlich von den Azoren anhaltenden
schweren Sturm aus Nordwest bis West mit rasenden orkanartigen Böen und
furchtbarer See. Das Schiff war zum Beiliegen genöthigt. Vom Mittage des 13.
bis zum Mittage des 14. war der Wind leichter, so dafs das Schiff wieder auf
den Kurs gebracht und Segel gesetzt werden konnten; dann wurde der Wind
bei fallendem Barometer jedoch wieder so schwer, dafs von Neuem beigedreht
werden mufste. Die fast neuen Untermarssegel und die Fock zerrissen. Am
15. März um 1!% Uhr Nachts wurde das Schiff von einer schweren See ge-
troffen, welche Boote, Reling, Treppen, Kompafs u. 8. w. zertrümmerte.