Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen. Seewarte,
Erscheinen der auf Karte V in 30° bis 35° N-Br- auf der westlichen Hälfte des
Oceans verzeichneten Depression brachte „Alpina“ günstigen Nordwestwind,
„Gerd Heye“ aber widrigen südlichen Wind und Stillen, und hatte sich infolge
dessen bis zum 19. April, an welchem Tage beide Schiffe den Breitenparallel
von 30° Nord erreichten, der Unterschied in Länge bis auf 6° ausgeglichen.
In 30° N-Br erhielten die Schiffe nordöstlichen Wind, doch war letzterer, einer
Depression angehörend, nicht von Bestand, vielmehr setzte am 22, April in
26° W-Lg wieder südwestliche Briese ein, und erst am 29., in etwa 20° N-Br,
kam endgültig der Passat durch. Da derselbe ziemlich schral wehte, war es
besonders für das westlicher stehende Schiff „Alpina“ ein Vortheil, dafs ihm
der Südwestwind der aufgetretenen Depression die Gelegenheit gegeben hatte,
vorher noch etwas Ost gutzumachen. Etwas längere Reisen als die vorerwähnten
hatten die Schiffe „Frieda Grampp“ und „Adelaide“ vom Kanal und „Limit“
von Nordamerika. KErstere trafen neben einem gestörten Passat nicht nur
ungünstigere Verhältnisse auf dem ersten Abschnitt des Weges — bei „Adelaide“
hervorgerufen durch die Depression, welche von Ende März bis zum 6. April
westlich von Grofsbritannien lag, und die beiden demnächst von Westen kommen-
den (s. Karte IV), sondern auch mehr Windstillen in der Aequatorialzone, 80
dafs „Adelaide“ hier nicht weniger als 10 Tage zubrachte. „Zmil“ machte in
den 10 Tagen vom 12, bis 22. April bei gestörtem Passat kaum 8° Breite gut
und fand noch südlich von 20° N-Br anstatt des Passats flaue südliche Winde.
Ferner wurde die Reise noch dadurch verzögert, dafs von 10° N-Br an zu öst-
lich gesteuert wurde, Man gelangte bis 24° W-Lg. Dadurch wurde die Segel-
distanz unnöthigerweise verlängert und das Schiff gerieth in Windstillen, die es
auf einer westlicheren Route vielleicht vermieden hätte... Zur Durchsegelung
der Aequatorialzone benöthigte „Emil“ volle 11 Tage.
Sehr rasche Reisen von 23 bis 26 Tagen vom Kanal nach der Linie
machten die Schiffe „Levuka“, „C. R. Bishop“ und „Marie“ und ebenso, auf der
Strecke bis 10° N-Br, die nach der Guinea-Küste bestimmten Schiffe „Nubia“
und „Mathilde“, welche zwischen dem 13, und 23. April Lizard passirten, Unter
der Herrschaft des auf der östlichen Hälfte des Oceans lagernden, in Karte V
verzeichneten Maximums hatten sie von Anbeginn der Fahrt vorwiegend günstigen
Wind; die Depression, welche vom 20. bis 22. April die Route der Schiffe
kreuzte, brachte ihnen, wenn auch für kurze Zeit schlechtes Wetter, doch nur
geringen Aufenthalt, da sie rasch vorüberzog und südlich von den Schiffen
passirte, und die gegen Ende des Monats in niederen Breiten auftretende De-
pression kam nicht so weit östlich, dafs sie den Passat. auf dem Wege der
Schiffe erheblich stören konnte. Indessen war sie doch die Ursache, weshalb
„Levuka“, welches Schiff etwas westlicher stand und infolge dessen mehr in
den Störungsbereich kam, gegen seinen Mitsegler „C. R. Bishop“ einige Tage
verlor. Dem von New-York kommenden Schiffe „Inca“ brachte die letzt-
erwähnte Depression mehr Verzögerung, und zwar durch die begleitenden öst-
lichen Winde, welche dies Schiff zu früh, als es noch nicht nach Süden abhalten
Jurfte, erhielt. Das ebenfalls von Nordamerika kommende Schiff „Kose“, welches
am 29. April von Boston ausging, machte in der Wahl der Route wieder den
schon vorher gerügten Fehler, dafs es zwischen 10° N-Br und der Linie eine
zu östliche Länge — 22° West — ansteuerte, was wahrscheinlich zu seinem
langen Aufenthalte hier beitrug. |
Die noch übrigen Schiffe der Tabelle traten fast alle ihre Reise erst in
der zweiten Hälfte Mai an und hatten, aufgehalten durch südwestliche oder —
im Falle der von Nordamerika‘ kommenden Schiffe — durch östliche Winde
und Stillen, am Schlusse des hier zu besprechenden Vierteljahrs kaum noch
den ersten Abschnitt ihres Weges zurückgelegt. Das einzige Schiff, welches
bis Ende Mai die Linie noch fast erreichte, — „Gemma“ — hatte bis 10° N-Br
eine ziemlich rasche Fahrt, dann aber in der Aequatorialzone viele Windstillen,
was bewirkte, dafs auf dieser Strecke 11 Tage zugebracht wurden. Das Schiff
nahm die Route zwischen den Canarischen Inseln hindurch und dann östlich der
Kapverden.
Ann, d. Hydr., etc., 1888, Heft 11.