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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
meisten Schiffen in verhältnifsmäfsig kurzer Zeit bewerkstelligt wurde, hielt sich
die Dauer der Reisen vom Kanal nach der Linie im Ganzen noch innerhalb
der gewöhnlichen Grenzen. Verschiedene gut segelnde Schiffe machten um
diese Zeit sogar recht rasche Reisen, so „Argo“, „Johann Hinrich“ und be-
sonders „Parnass“. Letzteres wurde, indem es in 26° W-Lg recht nach Süden
steuerte, vom Nordostpassat ganz bis über die Linie nach 1° S-Br geführt. Es
legte die 1800 Sm lange Strecke von 10° N-Br bis 0° Breite in 3'/ Tagen,
also mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 7 Kn zurück, machte die Fahrt
vom Kanal bis zur Linie in 22 und die gauze Reise von Lizard nach Valparaiso
in der aufserordentlich kurzen Zeit von 70 Tagen. Das Schiff „Ventilia“,
welches am 27. Februar von New-York die Reise antrat und ebenfalls eine
rasche Fahrt nach der Linie machte, schlug von vornherein eine sehr südliche
Route ein und erhielt infolge dessen den Passat in einer sehr westlichen Po-
sition. Zum Glück wehte letzterer Wind, da während der Zeit, dafs „Ventilia“
sein Gebiet durchsegelte, das Maximum der Rofsbreiten fast immer auf der
westlichen Hälfte des Oceans lag (s. Karte II), jedoch so raum, dafs bis zum
Ueberschreiten des Aequators genügend Ost angeholt werden konnte, Die Ver-
zögerung der Fahrt von „Gottlieb“, welcher, vom Kanal kommend, nach Lagos
ging, entstand, wie gewöhnlich auf diesen Reisen, hauptsächlich auf der aller-
letzten Strecke, von 10° N-Br zum Bestimmungsplatze, die nicht weniger als
26 Tage in Anspruch nahm. Eine weitere Bemerkung ist bezüglich der Reise
des „Gustav Adolph“ zu machen. Dieses Schiff nahm von Gibraltar aus die
Route westlich der Kapverden, Nachdem es die Inseln passirt hatte, holte es
So viel Ost wieder an, dafs es an der Grenze des Nordostpassats — 1° N-Br —
in 23,5° W-Lg stand. Es gebrauchte auf diese Weise zur Durchsegelung der
Aequatorjalzone 8 Tage, während der Mitsegler „Suaheli“, der in westlicherer
Länge direkt nach Süden steuerte, nur 5 Tage dazu benöthigte. Wahrschein-
lich würde es für „Gustav Adolph“, bei der Lage seines Abfahrtsortes, am
vortheilhaftesten gewesen sein, wenn er östlich von den Kapverden gegangen
wäre und dann 5° N-Br in 25° bis 26° W-Lg angesteuert hätte. So wie er
die Route nahm, machte er erstens einen bedeutenden Umweg und gelangte
dann an die Grenze des Nordostpassats an einer Stelle, wo er viel mehr
Aufenthalt durch Stillen und Mallungen zu erwarten hatte, wie weiter westwärts.
In ähnlicher Weise wie die vorhergehenden verliefen auch die um die
Mitte März angetretenen Reisen von „Carl Both“ und „Adolph“. Die Schiffe
hatten anfänglich einigen Aufenthalt durch starke südliche und südwestliche
Winde, hervorgerufen durch die Depressionen, welche während der zweiten
Dekade des Monats im Westen von Grofsbritannien auftraten (s. Karte II), dann
aber, nach dem KEintritt des auf Karte III verzeichneten Druckmaximums über
Südwesteuropa, von der Breite des Kap Finisterre an durch die Passatregion,
wie ebenso durch die Aequatorialzone, eine günstige Fahrt und infolge dessen
im Ganzen eine ganz befriedigende Reise.
Ziemlich ungünstige Verhältnisse in der Passatregion trafen die Schiffe
an, welche in der zweiten Hälfte März und Anfang April den Kanal verliefsen.
Durch die im April in verhältnifsmäfsig niedrigen Breiten wiederholt sich zeigen-
den Depressionen (s. die Karten IV und V) wurde die polare Grenze des
Passats weit südwärts gedrängt, zeitweilig bis nach etwa 20° N-Br, und bei
dem Fehlen des beständigen hohen Luftdrucks wehte der Wind auch nur mit
geringer Stärke. Dagegen hatten die Schiffe jetzt, bei der durch das Maximum
vor der Westküste von Südeuropa während der letzten Dekade hervorgerufenen
Wetterlage meistens eine recht gute Fahrt auf dem ersten Abschnitt des Weges,
und waren deshalb auch diese Reisen im Ganzen nicht von langer Dauer.
Letztere betrug bei „Emma Römer“ 30, „Emil Julius“ nur 26, „Lorenz Hansen“
28, „Papa“ 30 Tage, bei „Canton“, nach der Guinea-Küste, 34 und bei „Asante“,
nach Nickerie in Guayana, 33 Tage. Auch die von Nordamerika kommenden
Schiffe „Gerd Heye“ und „Alpina“ machten ganz befriedigende Reisen. „Gerd
Heye“ war 3 Tage früher von Boston ausgegangen als „Alpina“ von New-York,
und hatte mit günstigem Winde seinem Mitsegler anfänglich einen grofsen Vor-
sprung abgewonnen, so dafs er am 14. April schon nahezu den Meridian von
40° West erreicht hatte, während der Mitsegler noch westlich von 55° W-Lg
stand. In den folgenden Tagen kam letzterer ihm jedoch rasch näher; das