-Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarfe.
139
erlitten, ebenso wie „Diamant“, eine erhebliche Verzögerung auf der Strecke
von 30° W-Lg nach Lizard durch die östlichen Winde, welche hier unter der
Einwirkung hohen Luftdrucks im Norden und einer Depression an der portu-
giesischen Küste vom 12, bis 22. April herrschten. Das Schiff „Salisbury“,
welches, nach dem Mittelmeere steuernd, an der West- und Südseite der De-
pression blieb, machte indessen mit dem ‘hier angetroffenen günstigen Winde
guten Fortgang und kam in nur 7 Tagen: von 30° W-Lg nach Gibraltar,
„Wilhelm“ und das aus dem Golf von Mexiko kommende Schiff „Oberbürger-
meister von Winter“, welche etwa einen halben Monat später die Ueberfahrt
antraten, ‚hatten längeren Aufenthalt durch östliche Winde auf dem westlichsten
Abschnitt ihres Weges, fanden dagegen weiterhin schon die durch den Eintritt
niedrigen Luftdrucks auf dem Nordmeere wieder herbeigeführte günstige Wetter-
lage vor und legten infolge dessen die Strecken von 50° bis 30° W-Lg und
von 30° W-Lg bis Lizard wieder rasch zurück. „Wilhelm“ gebrauchte, um
von New-York nach 50° W-Lg zu kommen, 15, für die fast doppelt so grofse
Distanz von dort bis zum Kanal dagegen nur 11 Tage. Die beste Ueberfahrt
machte das noch etwas später folgende Schiff „Magdalene“, welches Lizard nach
20 Tagen Reise ab Philadelphia erreichte. .
Unter den bezeichneten Reisen verliefen die von „Cleopatra“, „Niagara“
und später die von „ Wiühelm“, so weit sie in die hier betrachtete Jahreszeit
Selen, fast gänzlich ohne stürmisches Weiter, „Victoria“, nur wenige Etmale
hinter „Niagara“ zurück stehend, .hatte dagegen, bevor sie in den Kanal ge-
langte, am 8. und 9. März noch einen heftigen Sturm aus Süd bis Westnordwest
Aurehzumachen. Während der Zeit, dafs „Palme“ sich unterwegs befand,
herrschten die Stürme, welche die auf Karte II verzeichneten tiefen Depressionen
begleiteten. Am schwersten, aus West, stürmte es am 14. März, als das Schiff
in 41° N-Br und 40° W-Lg stand. Die See war ungeheuer hoch; doch war
sg noch möglich, unter gerefften Fock- und Untermarssegeln vor dem Sturme
zu lenzen und 80 mit demselben ein gutes Stück Weges zurückzulegen. Den
folgenden Schiffen: „Salisbury“, „Maryland“, „Diamant“ und „George Washington“
brachte die tiefe Depression, welche vom 3. bis 11. April den Ocean überschritt
(s. Karte IV), das stürmische Wetter ihrer Reise, „Maryland“ hatte bis zum
9, April anhaltende westliche Stürme mit ‚orkanartigen Böen und häufigen
glektrischen Entladungen, bei fortwährend‘ niedrigem Luftdruck. An Bord von
„Salisbury“, welches Schiff, da es östlicher stand, erst am 8. April von der
Depression erreicht wurde, fiel das Barometer bis auf 730 mm. Der Sturm, der
aus Süd begann und später auf Nordnordwest‘ holte, war zeitweilig so schwer,
dafs das Schiff beizulegen genöthigt war. Das Sturmwetter, von welchem
„Oberbürgermeister von Winter“ und „Magdalene“ betroffen wurden, gehörte der
gleichfalls tiefen, in Karte VII für die Zeit vom 6. bis 9. Mai östlich von Neu-
fundland verzeichneten Depression an.
Erheblich länger waren die Reisen der Schiffe, welche nach dem 1. Mai
in‘ See gingen. „Ariadne“ und „Olbers“ benöthigten nicht weniger als 39 bezw.
38 Tage zur Ueberfahrt, und war dies hauptsächlich eine Folge des Aufenthalts
durch die östlichen Winde, welche nach dem 22. Mai mit dem Wiedereintritt
hohen. Luftdrucks im Norden auf dem Ocean und besonders in der Nähe der
europäischen Küste herrschend wurden. Befriedigende Fahrten machten während
dieser Zeit nur die Schiffe „Anna“ und „Bertha“; wie es scheint, hauptsächlich
wohl vermöge ihrer besseren Segelfähigkeit. Von stürmischem Wetter wurden
die Schiffe wenig belästigt,
3. Reisen von Nord nach Süd.
Wie bereits bei der Besprechung des vorhergehenden Vierteljahrs be-
merkt wurde, trafen die Schiffe, welche die Reise vom Kanal nach dem Süd-
atlantischen Ocean im Februar antraten, auf dem ersten Abschnitt ihres Weges
meistens sehr widrige Verhältnisse, so dafs die Strecke vom Kanal nach 30° N-Br
in mehreren Fällen .nicht weniger als 23 Tage in Anspruch nahm. Bei dem
beständig hohen Luftdruck, der während der ersten Dekade des März in den
Rofsbreiten lagerte, herrschte indessen im Passatgebiete eine recht günstige
Gelegenheit, und da auch ‚die Durechsegelung der Aequatorialzone . von ‘den