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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

Oberflächenströmungen im südwestlichen Theile der Ostsee, 
das Verhalten des Stromes zum Winde sich hier herausstellt, es auch auf gänzlich 
offenem Meere sein wird. Schliefslich kommt als günstiges Moment noch hinzu, 
daß hier, wie in der Ostsee überhaupt, keine Einwirkung der Gezeiten auf die 
Strömung stattfindet. 
Die an Bord des Feuerschiffes „Adler-Grund“ zur Bestimmung der Strö- 
mung benutzten Instrumente sind ein Strommesser von Thorsten Arvidson 
und ein Stromrichtungszeiger nach Irminger. Der Apparat wird zum Gebrauch 
von dem Knde einer über die Schiffswand hinausragenden Spiere auf eine Tiefe 
von 5m versenkt. Die Ablesung des vom Strome in der Zwischenzeit zweier 
Beobachtungen zurückgelegten Weges und der Richtung des Stromes im Augen- 
blick der Beobachtung erfolgt alle zwei Stunden, also 12 Mal in 24 Stunden. 
Die im Journal jedesmal um Mittag notirte Strömung ist die aus diesen zwölf 
Einzelwerthen durch Koppelkursrechnung gefundene Resultante, oder mit anderen 
Worten, Generalkurs und Distanz des Stromweges im vorhergegangenen Etmal. 
Für die vorliegende Untersuchung der Beziehungen zwischen Strom und 
Wind erschien 68 nun zweckmäßig, ebenso wie es für den Strom geschehen ist, 
auch für den Wind aus den diesbezüglichen zweistündlichen Angaben des Jour- 
nals die Resultante für das Etmal zu berechnen, da auf diese Weise die Ver- 
gleichung der beiden Werthe erheblich erleichtert wurde. Die für Deviation 
verbesserten Windrichtungen wurden dabei als Kurse, die Windstärken als 
Distanzen in Rechnung gestellt; dann wurde die aus dem Koppelkurse sich 
ergebende Generaldistanz durch 12 (die Anzahl der Beobachtungen) dividirt 
and so die resultirende mittlere Windstärke und, als Generalkurs, die mittlere 
Windrichtung des Etmals erhalten. Bei dieser Berechnung wurde insofern eine 
falsche Annahme gemacht, als die Windstärken nicht den Windgeschwindigkeiten 
proportional sind, und um ein genau richtiges Resultat zu erzielen, eigentlich 
letztere hätten in Rechnung gestellt werden müssen; doch dürfte der so ent- 
standene Fehler für den Zweck dieser Untersuchung nicht von Bedeutung und 
in den meisten Fällen auch nur gering sein, da für gewöhnlich die Windstärke 
sich im Laufe des Etmals nicht sehr verändert. 
Die Winde eines ganzen Etmals wurden auch nur zusammengezogen, wenn 
der gröfste Richtungsunterschied zwischen den einzelnen Winden nicht mehr als 
90° betrug, der Wind also während des Etmals beständig aus demselben Kreis- 
viertel war. Wenn gröfsere Richtungsänderungen vorkamen, wurden die Winde 
in zwei oder mehrere, der erwähnten Bedingung entsprechende Abtheilungen 
getrennt und für jede einzelne, bezw. für den zugehörigen Zeitabschnitt, die 
resultirende mittlere Windrichtung und Windstärke berechnet. Die Tage mit 
veränderlichem Winde wurden auf diese Weise unterschieden von solchen mit 
beständigem Winde, 
Der nachstehende Journalauszug enthält die in der angegebenen Weise 
abgeleiteten Werthe für die Beobachtungszeit vom 16. Mai 1885 bis zum 
30. Juni 1886, während welcher indessen. zwei Mal eine längere Unterbrechung 
stattfand, nämlich vom 14. Juni bis zum 10. Juli 1885 und vom 7. Januar, als 
das Feuerschiff Eises halber seine Station verlassen mufste, bis zum 6. April 
1886. Die hier zur Untersuchung gelangten Beobachtungen umfassen demnach 
einen Zeitraum von 294 Tagen. Die Angaben über Wind und Strom gelten 
für die dem Mittage des nebenstehenden Datums vorhergehenden 24 Stunden. 
Der besseren Vergleichbarkeit wegen ist, wie der Strom, so auch der Wind 
mit der Richtung wohin? bezeichnet. Wind- und Stromrichtung sind magnetisch. 
Die Mifsweisung ist für die Beobachtungsepoche zu 101° West anzunehmen. 
Die in den beiden letzten Spalten aufgeführten Zahlen geben die Anzahl Grade 
an, um welche die Richtung, nach der der Strom setzte, von der Richtung, 
nach der der Wind an demselben Tage wehte, nach rechts oder links abwich. 
Sie sind nur für die Tage mit beständizem Winde gegeben,
	        
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