Ein neuer .Tiefenmesser,
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Ein neuer Tiefenmesser. ”
Von J. M. Weeren in Charlottenburg.
Die Instrumente zum Messen grofser Meerestiefen sind zur Zeit noch
sehr unvollkommen. Ein wissenschaftlicher Apparat, der gröfsere Tiefen mit
einem Fehler von nur wenigen Metern zu messen gestattet, existirt meines
Wissens überhaupt noch nicht. Man hat wohl Manometer angewandt und aus
der Größe der.Kompression der Luft die Tiefe berechnet, allein die Apparate
haben sich bis jetzt nur für verhältnifsmäfßsig sehr geringe Tiefen wirklich
genau und zuverlässig erwiesen, versagten aber meistens, so wie grölsere Tiefen
mit ihnen gemessen werden sollten. Ich bemerke jedoch, dafs die beschränkte
Anwendung, welche diese Art von Bathometern bislang gefunden hat, nur an
der mangelhaften Konstruktion der Apparate, nicht aber an der Methode selbst
liegt. Hierauf näher einzugehen mufs ich mir indessen aus Mangel an Raum
versagen, wie denn auch im Folgenden aus demselben Grunde alle Details ver-
mieden sind,
, Ein Apparat, den ich speciell für wissenschaftliche Zwecke vorschlagen
möchte, basirt ebenfalls auf der Messung des Wasserdruckes, funktionirt aber
in den gröfsten Meerestiefen mit derselben Zu-
verlässigkeit, wie in geringen, ohne an Genauig-
keit einzubüfsen. Nebenstehende Figur zeigt
denselben im Durchschnitt; er ist im Wesent-
lichen ein aus vernickeltem Stahl zum Schutze
gegen die oxydirende Wirkung des Wassers be-
stehender Hohleylinder, der durch die Scheide-
wand C in zwei Abtheilungen A und B getheilt
ist. Das Zwischenstück € ist mit der oberen
Hälfte des Cylindera vollständig Iuftdicht ver-
schraubt, mit der unteren Hälfte jedoch so, dafs
diese mit Leichtigkeit abgeschraubt werden kann.
Das Rohr D verbindet die beiden Abtheilungen
A und B miteinander und besitzt an seinem
unteren Ende bei X ein Ventil, welches sich nur
nach oben hin und nur durch einen gewissen
Ueberdruck öffnet. Ein gleiches Federventil be-
findet sich bei /” und öffnet sich gleichfalls erst
bei einem ziemlich kräftigen Ueberdruck in A.
Beide Ventile müssen sehr sorgfältig gearbeitet
sein. Aufserdem ist in der Wandung der
Kammer B noch ein nach Aufsen führendes
Rohr G angebracht, welches leicht abgeschraubt
werden kann, H ist eine Aufhängevorrichtung,
an welcher der Apparat in das Meer ver-
senkt wird.
Beim Gebrauche wird die obere Abtheilung 4, deren Inhalt genau aus-
gemessen ist, nach Entfernung des Ventiles F, das sich leicht abschrauben
Jäfst, vollständig mit luftfreiom destillirten Wasser von bestimmter Temperatur
gefülle und sodann wieder das Ventil /"” aufgeschraubt, Hierauf wird die
untere Abtheilung B durch das Rohr &@ mit Quecksilber gefüllt. Hiermit ist
das Bathometer zum Gebrauch fertig. Die Aufhängevorrichtung H wird an der
Lothleine befestigt und. nun der Apparat in die Tiefe hinabgelassen. Sehr
bald beginnt er zu funktioniren. Der mit wachsender Tiefe stetig zunehmende
Wasserdruck — je 10,25 m pro Atmosphäre, wenn die eigene Kompression des
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1) Auf Wunsch des Herrn Autors aus der „Zeitschrift für Instrumentenkunde“, Dezember
1887, aufgenommen.