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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

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Einige Bemerkungen über Corral in Chile. 
Um diese Zeit ist das Wasser an der Oberfläche im Hafen von Corral, der 
doch nur 2 Sm vom offenen Ocean entfernt liegt, vollkommen frisch. Da der 
Raum im Hafen nur beschränkt ist, so liegen die Schiffe vorne und hinten ver- 
täut, und zwar mw. N—8S. Es ist jedem Schiffsführer anzurathen, sein Schiff 
so nahe, als die Wassertiefe es erlaubt, an das westliche Ufer zu legen, weil 
es dort am wenigsten von der Strömung belästigt wird und geschützter bei 
etwaigen heftigen Winden liegt. Ich lag mit dem „Adolph“, weil die besseren 
Plätze bereits vor uns von anderen Schiffen belegt waren, am weitesten nach 
Osten, mit zwei Ankern und je 110 und 80m (60 und 45 Fad.) Kette vorne 
und einem Buganker mit 110m (60 Fad,) Kette hinten vertäut. Das Vertäuen 
erforderte viel Zeit und Arbeit, da wir das Schiff nur mit grofser Mühe quer 
gegen den Strom herumhieven konnten. Schon nach zwei Tagen waren die 
Anker durchgegangen, und wir hatten das Schiff von neuem zu vertäuen, eine 
Arbeit, die sich später nochmals wiederholte. 
Man sollte in den Hafen von Corral nur bei gutem Wetter und günstigem 
Winde einsegeln und sich dabei, mit Rücksicht auf die Strömung, nicht zu west- 
lich halten, Bei unserer Einsegelung wurde das Schiff, trotzdem eine mäfsige 
Briese wehte, sobald Gonzales Head passirt war, steuerlos und während zwei 
Stunden fortwährend durch den Strom herumgedreht, bis wir endlich durch 
eine auffrischende nördliche Briese aus diesem Stromwirbel herauskamen. In 
der Nähe des Hafens angekommen, mufsten wir ankern und die noch fehlende 
Strecke vermittelst Warpens zurücklegen. Von Gonzales Head bis Pera del 
Conde ist der Meeresboden felsig und daher nicht geeignet zum Ankern, 
Das Ausgehen, zumal für ein größeres Schiff, macht noch gröfßere 
Schwierigkeit, als das Einsegeln. Es erfordert einen günstigen frischen Wind 
und ist nur bei steigendem Wasser, wenn die Wirbelströmung nicht so stark 
ist, ausführbar; mit der Ebbe würde das Schiff auf den Strand getrieben werden, 
bevor man im Stande sein würde, es unter Segel zu bringen. Beim Aussegeln 
halte man sich nahe der Bank, In den Sommermonaten, wenn Ebbe und Fluth 
regelmäfsig wechseln, sind die Verhältnisse viel günstiger. 
Die neueste Karte des Hafens von Corral ist nicht richtig. Die darin 
verzeichnete Bank, welche sich mit einer Wassertiefe von 4,5m (2,5 Fad.) von 
Laurel Point nordwärts erstreckt, ist gar nicht vorhanden. Ich habe die Stelle 
genau ausgelothet und ganz nahe am Lande 5,4 m (3 Fad.), sonst überall von 
12,6 bis 16,32m (7 bis 9 Fad.) gefunden. Sobald der Leuchtthurm von Niebla 
NO peilt, kann man in gerader Richtung darauf zusteuern und wird die Wasser- 
tiefe dabei nicht unter 20m (11 Fad.) finden. 
Die Manzera-Bank, auf der sich bei steifem Winde die See bricht, ist 
sehr gefährlich; trotzdem ist dieselbe ungenügend gekennzeichnet, indem die 
rothe Tonne auf ihrem Nordwestende häufig nicht vorhanden ist. Dieses war 
auch bei unserer Anwesenheit der Fall. Am Morgen nach unserer Ankunft 
war sie vertrieben; die Kette war abgerostet, und obwohl die Tonne wieder 
aufgefunden wurde, konnte sie, weil keine neue Kette vorhanden war, nicht 
wieder an ihren Ort gebracht werden, Dazu kommt der Hafenlootse gewöhn- 
lich erst an Bord, wenn das Schiff den Ankerplatz erreicht hat. Eine zweite 
rothe Tonne liegt weiter aufwärts im Hafen, in 6,5m (3,5 Fad.) Tiefe, und 
dient den Postdampfern zum Vertäuen nach hinten. Auf der Klippe Atreal 
ateht ein roth angestrichener Pfahl von 3m (10 Fufs) Höhe, über den eine 
yrofse Blechkanne von etwa 5 Gallonen Inhalt gestülpt ist, welche eine weile 
Farbe hat. Doch ist auch auf das Vorhandensein dieses Zeichens nicht immer 
ein sichorer Verlafs, da es nicht gut befestigt ist und leicht fortgerissen werden 
kann. Der gegenwärtige Hafenmeister, ein früherer Militäroffizier, hat kein 
Verständnifs für Schiffahrtsangelegenheiten und thut daher nichts für die Ver- 
besserung der jetzigen Zustände. 
Die Abgaben, die dem Hafenmeister beim Ausklariren zu zahlen sind, 
bestehen in 2 Doll. für den Abfahrtspafs, 5 Doll. für einen Gesundheitspals 
und 10 Cents für die Registertonne Hospitalgeld, Aufserdem haben solche 
Schiffe, die durch keinen Konsul vertreten sind, dem Hafenmeister noch eine 
Gebühr für die Aufbewahrung der Schiffspapiere zu zahlen. Die deutschen 
Kapitäne haben ihre Papiere beim deutschen Konsulat, welches seinen Sitz in 
Valdivia hat, niederzulegen. Schleppdampfer giebt es in Corral nicht, und die
	        
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