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Einige Bemerkungen über Corral in Chile.
Um diese Zeit ist das Wasser an der Oberfläche im Hafen von Corral, der
doch nur 2 Sm vom offenen Ocean entfernt liegt, vollkommen frisch. Da der
Raum im Hafen nur beschränkt ist, so liegen die Schiffe vorne und hinten ver-
täut, und zwar mw. N—8S. Es ist jedem Schiffsführer anzurathen, sein Schiff
so nahe, als die Wassertiefe es erlaubt, an das westliche Ufer zu legen, weil
es dort am wenigsten von der Strömung belästigt wird und geschützter bei
etwaigen heftigen Winden liegt. Ich lag mit dem „Adolph“, weil die besseren
Plätze bereits vor uns von anderen Schiffen belegt waren, am weitesten nach
Osten, mit zwei Ankern und je 110 und 80m (60 und 45 Fad.) Kette vorne
und einem Buganker mit 110m (60 Fad,) Kette hinten vertäut. Das Vertäuen
erforderte viel Zeit und Arbeit, da wir das Schiff nur mit grofser Mühe quer
gegen den Strom herumhieven konnten. Schon nach zwei Tagen waren die
Anker durchgegangen, und wir hatten das Schiff von neuem zu vertäuen, eine
Arbeit, die sich später nochmals wiederholte.
Man sollte in den Hafen von Corral nur bei gutem Wetter und günstigem
Winde einsegeln und sich dabei, mit Rücksicht auf die Strömung, nicht zu west-
lich halten, Bei unserer Einsegelung wurde das Schiff, trotzdem eine mäfsige
Briese wehte, sobald Gonzales Head passirt war, steuerlos und während zwei
Stunden fortwährend durch den Strom herumgedreht, bis wir endlich durch
eine auffrischende nördliche Briese aus diesem Stromwirbel herauskamen. In
der Nähe des Hafens angekommen, mufsten wir ankern und die noch fehlende
Strecke vermittelst Warpens zurücklegen. Von Gonzales Head bis Pera del
Conde ist der Meeresboden felsig und daher nicht geeignet zum Ankern,
Das Ausgehen, zumal für ein größeres Schiff, macht noch gröfßere
Schwierigkeit, als das Einsegeln. Es erfordert einen günstigen frischen Wind
und ist nur bei steigendem Wasser, wenn die Wirbelströmung nicht so stark
ist, ausführbar; mit der Ebbe würde das Schiff auf den Strand getrieben werden,
bevor man im Stande sein würde, es unter Segel zu bringen. Beim Aussegeln
halte man sich nahe der Bank, In den Sommermonaten, wenn Ebbe und Fluth
regelmäfsig wechseln, sind die Verhältnisse viel günstiger.
Die neueste Karte des Hafens von Corral ist nicht richtig. Die darin
verzeichnete Bank, welche sich mit einer Wassertiefe von 4,5m (2,5 Fad.) von
Laurel Point nordwärts erstreckt, ist gar nicht vorhanden. Ich habe die Stelle
genau ausgelothet und ganz nahe am Lande 5,4 m (3 Fad.), sonst überall von
12,6 bis 16,32m (7 bis 9 Fad.) gefunden. Sobald der Leuchtthurm von Niebla
NO peilt, kann man in gerader Richtung darauf zusteuern und wird die Wasser-
tiefe dabei nicht unter 20m (11 Fad.) finden.
Die Manzera-Bank, auf der sich bei steifem Winde die See bricht, ist
sehr gefährlich; trotzdem ist dieselbe ungenügend gekennzeichnet, indem die
rothe Tonne auf ihrem Nordwestende häufig nicht vorhanden ist. Dieses war
auch bei unserer Anwesenheit der Fall. Am Morgen nach unserer Ankunft
war sie vertrieben; die Kette war abgerostet, und obwohl die Tonne wieder
aufgefunden wurde, konnte sie, weil keine neue Kette vorhanden war, nicht
wieder an ihren Ort gebracht werden, Dazu kommt der Hafenlootse gewöhn-
lich erst an Bord, wenn das Schiff den Ankerplatz erreicht hat. Eine zweite
rothe Tonne liegt weiter aufwärts im Hafen, in 6,5m (3,5 Fad.) Tiefe, und
dient den Postdampfern zum Vertäuen nach hinten. Auf der Klippe Atreal
ateht ein roth angestrichener Pfahl von 3m (10 Fufs) Höhe, über den eine
yrofse Blechkanne von etwa 5 Gallonen Inhalt gestülpt ist, welche eine weile
Farbe hat. Doch ist auch auf das Vorhandensein dieses Zeichens nicht immer
ein sichorer Verlafs, da es nicht gut befestigt ist und leicht fortgerissen werden
kann. Der gegenwärtige Hafenmeister, ein früherer Militäroffizier, hat kein
Verständnifs für Schiffahrtsangelegenheiten und thut daher nichts für die Ver-
besserung der jetzigen Zustände.
Die Abgaben, die dem Hafenmeister beim Ausklariren zu zahlen sind,
bestehen in 2 Doll. für den Abfahrtspafs, 5 Doll. für einen Gesundheitspals
und 10 Cents für die Registertonne Hospitalgeld, Aufserdem haben solche
Schiffe, die durch keinen Konsul vertreten sind, dem Hafenmeister noch eine
Gebühr für die Aufbewahrung der Schiffspapiere zu zahlen. Die deutschen
Kapitäne haben ihre Papiere beim deutschen Konsulat, welches seinen Sitz in
Valdivia hat, niederzulegen. Schleppdampfer giebt es in Corral nicht, und die