accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 16 (1888)

47 
Aus dem Reiseberichte der deutschen Bark „Panama“ 
Die Pier, von der Kapt. Becker spricht, ist noch um nichts weiter 
fertig als damals und wird wohl ebensowenig jemals vollendet werden, wie der 
beabsichtigte Wellenbrecher. Die Eisenbahn nach Tehuantepec befand sich in 
einem verwahrlosten Zustande, und der Verkehr auf derselben war eingestellt, 
An frischem Proviant ist in Salina Cruz nur Fleisch zu bekommen; für 
das Trinkwasser, welches aufserdem brackig ist, muß man 10,5 Cents für 
18 Gallonen bezahlen. 
Am Strande lag das Wrack der deutschen Bark „Lowise & Georgine“, 
in zwei Theile gebrochen. Kin Schiff, welches hier in der Regenzeit laden soll, 
mufs mit guten Ankern und Ketten versehen sein, denn es treten häufig plötzlich 
Gewitterböen auf, und das Barometer dient nicht als Warner. In der ersten 
Woche unseres hiesigen Aufenthaltes, vom 15. bis 22. September 1886, stand 
an jedem Tage eine hohe Dünung aus SSW, längs der ganzen Küste der Bucht 
lief eine hohe Brandung, so dafs es sehr schwer hielt, mit dem Boote zu landen. 
Die Fluth setzt nach Osten und die Ebbe nach Westen, der Wechsel ist jedoch 
sehr unregelmäfsig. 
Am 18, und 19. September wehte, wie schon angedeutet, in Salina Cruz 
ein schwerer Sturm. Am Abend des erstgenannten Tages begann es stürmisch 
von ENE zu wehen, begleitet von heftigem Regen und Gewitter; dabei lief eine 
sehr hohe See aus SSW. Wir liefsen den zweiten Anker fallen und steckten 
135m (75 Fad.) Kette aus. Am Morgen des 19. wehte der Sturm mit der 
zröfsten Stärke, wobei er um 10 Uhr Vormittags nach SE drehte. Es regnete 
fortwährend sehr heftig, und das Schiff rollte und stampfte schwer in der hohen 
See, doch hielten die Anker gut. Am Nachmittage flaute der Wind von SSE 
bis S ab, begann indefs am Abend von Neuem stürmisch zu wehen, was bei 
uanunterbrochenem Regen bis Mitternacht anhielt, worauf er dann endgültig ab- 
nahm. Am 29. September setzte Nordwind ein, bei dem sich das Wetter bis 
zu unserer Abfahrt am 16, Oktober schön hielt. Am dritten Tage seines Be- 
stehens war der Nordwind stürmisch, bei klarer Luft; wir konuten es aber mit 
einem Anker und 80m (45 Fad.) Kette halten, da mit diesem Winde kein See- 
gang entstehen konnte. 
Von Salina Cruz nach Falmouth. Am 16. Oktober 1886 verliefsen 
wir, wie schon bemerkt, mit einer schlanken Briese von NzE die Rhede von 
Salina Cruz, um nach Falmouth für Order zu segeln. Leider hielt diese günstige 
Gelegenheit nicht lange genug an; schon am 18. hörte dieselbe auf, und wir 
hatten bis zum 28., in 7° 15‘ N-Br und 95° 11‘ W-Lg, mit Windstillen und 
leichten Winden zu kämpfen. Mit den nun folgenden südsüdwestlichen Winden 
und einem nach Osten setzenden Strome standen wir gröfstentheils nach SO, 
gelegentlich einen Gang nach Westen machend, um westlich von den Galapagos- 
Inseln zu passiren. Auf 2° N-Br und 94° W-Lg holte der Wind auf rw. S 
und raumte dann allmählich auf, so dafs wir, mit Backbord-Halsen segelnd, am 
4. November in 99,0° W-Lg den Aequator schnitten. Der Aequatorialstrom 
wurde zuerst in ungefähr 3° N-Br beobachtet. Die über denselben gemachten 
Beobachtungen sind: 
Am 
» 
» 
» 
» 
# 
‚ November auf 2,9° N-Br und 93,4° W-Lg 
} » „ ZU „ 940° „5 
&, # „ 14° , „ 964° 
4. » „ 02° „ 98,9° ” 
GM » » 1,7° S-Br „ 100,4° 
6. “ „ 31° » 101,2° 
S40° W 8 Sm 
S52°W22 
W 36 
S84°W50 
N79°W 36 
$S20° W 12 
Der Passat erstreckte sich bis 30° S-Br und 110° W-Lg. Derselbe war 
im Ganzen nicht besonders frisch und wehte durchschnittlich am Kkräftigsten 
zwischen 5° und 16° S-Br. Am 18. November, an welchem Tage 31° S-Br in 
110° W-Lg erreicht wurde, drehte der Wind durch E und N nach NW und 
wurde schwach. Leichte nördliche Winde waren bis 37° S-Br in 107° W-Lg, 
welche Position am 23. November erreicht wurde, vorherrschend. Von jetzt 
an bis zum 4. Dezember, an welchem Tage sich das Schiff auf 54,5° S-Br und 
60,5° W-Lg befand, hatten wir eine ausgezeichnete Gelegenheit, wobei nur der 
Wind zu häufig recht von hinten war, wodurch die Fahrt des Schiffes verringert
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.