Berechnung der Deviation der Schiffskompasse.
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Gleichung, zwar die Unterschiede zwischen Rechnung und Beobachtung ver-
mindern, indessen doch nicht soweit, dafs man die übrig bleibenden Differenzen
nur als Beobachtungsfehler ansehen könnte, wenn man diese nicht bis zu 0° 40’
annehmen durfte. — Unter diesen Umständen scheint es noch immer das
Sicherste zu sein, die Deviation als eine empirische Funktion aufzufassen, und
dieselbe auf allen Kompafsstrichen zu beobachten, oder sich für die nicht
beobachteten Deviationen auf zwischenliegenden Strichen durch Interpolation
zu helfen, möge dies nun z. B. bei der Beobachtung auf acht äquidistanten
Strichen, welche nicht nothwendig Hauptstriche zu sein brauchen, in der Ge-
stalt der gewöhnlichen trigonometrischen Formel mit acht Koefficienten ge-
schehen, oder durch die Interpolationsformel mit vier unveränderlichen Koeffi-
cienten, denn die Resultate beider Rechnungen müssen identisch zusammenfallen,
wie oben nachgewiesen wurde. Sind aber die Deviationen auf allen 32 Strichen
beobachtet, so wird es immer ein Interesse haben zu erfahren, wie die aus je
acht äquidistanten, von einander unabhängigen Beobachtungen folgenden irigono
metrischen Koefficienten unter sich übereinstimmen. Diese getrennte Berechnung,
in vier gleich - stimmfähigen Gruppen, gewährt dann ein Urtheil über die Zu-
verlässigkeit der acht Koefficienten, welches bei einer. lästigen Gesammt-
berechnung derselben aus allen 32 Strichen nicht zu erlangen wäre, so wenig
wie aus der Beschränkung auf eine einzelne Gruppe, etwa aus den beobachteten
Deviationen auf den acht Hauptstrichen, Aber schon die Beobachtungen auf
irgend welchen andern acht äquidistanten Punkten würden eine gute Bestimmung
der acht Koefficienten zur Vergleichung liefern. .
Nachträglich folgt hier noch eine kurze Uebersicht des weiteren Verlaufs
der denkwürdigen Unternehmungen von Flinders, deren lange Unterbrechung
durch Kriegsgefangenschaft schon erwähnt wurde. Der „Investigator“ mulste
endlich als nicht mehr seetüchtig und zu künftigen Diensten unbrauchbar, am
21. Juli 1803 auf Neuholland in Port Jackson zurückgelassen werden und diente
fernerhin nur als Magazinschiff. Flinders dachte nun einen gewissen Abschlufs
seiner Arbeiten mit der Beendigung seiner früher angefangenen Untersuchung
in der Torres-Strafse vorzunehmen, und fand es hinreichend, ein kleines Kriegs-
fahrzeug „Porpoise“ als Passagier zu diesem Zwecke zu benutzen. Er verließ
damit am 10. August Port Jackson in Begleitung zweier anderen, nach Batavia
bestimmten Schifte der Ostind. Komp. „Cato“ und „Bridgewater“, die sich ihm
anzuschließen wünschten. Am Abend des 17. August auf 22° 11‘ S-Br und
155° 19‘ O-Lg geriethen „Porpoise“ und „Cato“ bei Hochwasser auf ein Ko-
rallenriff, und sind schliefslich daselbst wrack geworden. Das dritte Schiff
suchte das Weite, ohne zur Rettung der Gestrandeten lange zu verweilen, die
man für verloren hielt, und brachte diese Nachricht nachher auch in eine
Calcutta’sche Zeitung (The Orphan v. 2. Febr. 1804), ging aber bald darauf
selbst verloren. Nachdem nun auf der Wrackrif-Bank, die auch bei höchstem
Wasser trocken blieb, wie man schon aus der Menge von Vogeleiern daselbst
gesehen hatte, ein Zeltlager errichtet war, und man aus den gestrandeten
Schiffen einen für lange Zeit hinreichenden Vorrath von Proviant und Wasser
geborgen hatte, unternahm es Flinders am 26. August, um Hülfe zu bringen,
nach Port Jackson zurückzukehren. Es gelang ihm auch, mit 13 Begleitern
diese Reise von über 700 Sm in einem zurecht gezimmerten offenen Boote,
welches man die „Hoffnung“ getauft hatte, am 8. September glücklich zı! vollenden,
so dafs nun für die 80, auf der Bank zurückgelassenen Gefährten, die nöthigen
Veranstaltungen zur Rettung getroffen werden konnten, Wie sehr auch Flinders
um diese Zurückgebliebenen besorgt war, dafs sie inzwischen verzweifelte Ver-
suche machen möchten, sich ebenfalls in kleinen Fahrzeugen dem Meere anzu-
vertrauen, wenn nicht bald ein rettendes Schiff zu ihnen käme, so vermochte
er doch nicht eher als nach 13 Tagen segelfertig zu werden, jetzt als Kommandant
eines eben nur zur Verfügung stehenden kleinen Schoners „Cumberland“ (29 T.),
mit dem er am 21. September aus Port Jackson abfuhr und der Bank zusteuerte,
begleitet von zwei anderen Schiffen, von denen- das gröfsere, „Rolla“, nach
Canton bestimmt war, das andere, „Francis“, aber; mit allem Nöthigen für die
Gestrandeten versehen, zugleich für diejenigen dienen sollte, welche es vor-
zogen, nach Port Jackson zurückzukehren, statt mit dem Ostindienfahrer zu
gehen. Flinders selbst gedachte, nachher nicht nur in der Torres-Strafse
Ann. dA. Hydr, etc., 1888, Heft III