Berechnung der Deviation der Schiffskompasse.
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den grofsen Vortheil zu haben, dafs es Beobachtungen in gleichen Intervallen
wären, die den ganzen Kreisumfang ausfüllen; und überflüssig, weil mit dem,
durch mühsame Elimination erlangten Resultate gar nicht erreicht wäre, dafs
andere und gute Beobachtungen mit einer solchen Formel befriedigend über-
einstimmen -würden. Eine gute Beobachtung z. B. auf Kurs WNW'AW würde
vielleicht sich den vorletzten Beobachtungen genügend anschliefsen; dann müfste
sie aber (zufolge des schon‘ bekannten geringen Betrags dieser Deviations-
Aenderungen) von der letzten Beobachtung etwa um 1° abweichen und die Un-
genauigkeit dieser letzten Beobachtung anzeigen. Die Formel freilich würde
alles geleistet haben, was man von ihr verlangte zur genauen Darstellung der
zu Grunde gelegten Beobachtungen mit allen ihren etwaigen Fehlern. Ein
brauchbares Resultat wäre dagegen schon durch eine leichte Rechnung im An-
schluß an die früheren zahlreichen Beobachtungen an der Südküste zu erlangen.
Dort war gefunden: B = —2° 48‘ bei — 62° Inklination, Hier an der Nord-
küste war die Inklination nur noch — 39°, folglich wird genähert tang 62° :
tang 39° = tg 2° 48‘ :;tg 1° 12‘, und damit das neue B= — 1° 12‘ zu erwarten
sein. Zur Vergleichung hat man in der Hauptsache aus den letzten Beobachtungen:
da— du =2B= —1°32 — 0° 55 = —2° 27%, oder B = — 1° 13, also über-
einstimmend, und zwar sehr genau, aber offenbar nur zufällig, da schon. die
starken Abweichungen der letzten Beobachtungen unter sich keine solche Ge-
nauigkeit gewähren können. KEntschieden aber zeigten diese Beobachtungen an
der Nordküste von Neuholland doch im Vergleich mit denen an der Südküste,
dafs im Allgemeinen eine Abnahme der Deviation stattgefunden habe,
Nun hatte Flinders also die Veränderung der Deviation mit der Orts-
veränderung des Schiffes entdeckt und suchte dies dadurch zu erklären, dafs das
Schiff sich in verschiedener Entfernung vom magnetischen Pol’ befunden habe,
Er schlof hieraus weiter, dafs die Deviation sich immer mehr verringern werde,
je mehr man sich dem magnetischen Acquator nähere, und dafs noch weiter
nordwärts die Richtung der Deviation sich umkehren müsse. Eine wahrscheinlich
hierauf zu beziehende Erfahrung auf nördlicher Breite, wofür nur die Erklärung
fehlte, sieht er als allgemein bekannt an, denn fast jeder Seeoffzier könne be-
stätigen, dafs im englischen Kanal die westliche Milsweisung gröfser sei, wenn
man hinunter segele, als beim Hinaufsegeln; und es würde in der That leicht
sein, die ganze Sache allgemeiner aufser Zweifel zu setzen, wenn man nur auf
einem im Hafen liegenden Schiffe nähere Untersuchungen über die Deviation des
Kompasses anstellen wollte. Flinders selbst konnte damals solche Unter-
suchungen nicht vornehmen, denn er befand sich, als er diese Mittheilungen
nach England schickte (5. März 1804), schon geraume Zeit (seit d. 17. Dez, 1803)
in französischer Kriegsgefangenschaft auf Isle de France (Mauritius), woraus er
leider erst sechs Jahre später (7. Juni 1810) erlöst wurde,
Die theoretischen Erklärungen, welche Flinders von der Deviation des
Schiffskompasses in demselben, an den Präsidenten der Royal Society gerich-
teten Briefe giebt, sind ganz anspruchslos vorgetragen. Er will sie nur als
vage und vielleicht unwissenschaftliche Versuche dem Urtheil der Gelehrten
anheimstellen. Hier sagt der bescheidene Urheber der Deviationslehre, dafs seine
beständige praktische Beschäftigung ihm nicht gestattet habe, sich viel mit
Theorien bekannt zu machen, aber die geringe Kenntnifs, welche er vom
Magnetismus besitze, habe ihn geleitet, sich eine Vorstellung über die Ursachen
zu bilden, wodurch die beobachteten Thatsachen wohl zu erklären seien, Diese
Thatsachen resumirt er wie folgt: 1. Es gab immer einen Unterschied in der
Richtung der Magnetnadel auf dem „Investigator“, wenn das Schiff nach Osten
und wenn es nach Westen anlag. 2. Diese Unterschiede waren östlich bei
westlichen Kursen und umgekehrt. 3. Wenn aber das Schiff Nord oder Süd
anlag, so war kein Unterschied bemerkbar, sondern die Nadel zeigte dann die-
selbe Richtung wie am Lande und hatte somit die richtige Deklination, welche
nahe das Mittel auf der aus Ost- und West-Kurs gefundenen Deklination war.
4. Der Fehler in der Deklination sei nahe proportional der Anzahl von Strichen,
welche das Schiff vom Meridian ablag. — Zur Erklärung übergehend nahm
Flinders.nun an, dafs alle Eisentheile im Schiffe, welche den Kompals stören
können, wohl in einen einzigen Punkt vereinigt gedacht werden dürften, und
dafs‘ dieser Punkt nahe das Centrum des Schiffes sei, wo schon die grofsen