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Vierteljahrs-Wetter-Rundschau der Deutschen Seewarte.
stehen gegenüber drei Gebiete hohen Druckes (>764 wm) in Finnland, NW vom
Oberen See und auf dem Ocean bei 24° N-Br. Die Luvseite der Windrose fel
dementsprechend in Centraleuropa schr entschieden auf die Nordost- und Ost-
seite des Horizonts, und die Mitteltemperatur des Monats war daselbst bedeutend
unter der normalen.
Den Zeitabschnitt vom 1.—5. Mai (Karte VI) haben wir bereits
oben durch die grofse nördlich von Schottland vorbeiziehende Depression und
das endlich ungefähr in seine normale Jahreslage bei den Azoren zurück-
gekehrte Maximum der Rossbreiten gekennzeichnet. Die allgemeine Druck-
vertheilung war sehr ähnlich derjenigen in der ersten Dekade des Novomber
(Rundschau 1, Karte VI), doch war der Druck in Ostrussland nicdriger, in
Grönland höher als damals, und dementsprechend auch die Bahn dos grofsen
Wirbels auf dem norwegischen Meere eine etwas andere, KEine eingehendere
Besprechung der Witterungsvorgänge in Europa findet man auf Seite 2 der
„Monatl. Uebers.“ von diesem Monat; zu derseiben ist zu bemerken, dafs durch
Hinzunahme weiteren Materials die Aehnlichkeit zwischen dem 2. und 7, Mai
sich geringer erweist, als dort angenommen ist, und die Bahnen der baro-
metrischen Minima in Nordeuropa einen anderen Verlauf erhalten.
Das Zurückweichen des atlantischen Maximums nach Süden dauerte noch
in den Tagen nach dem 5. Mai fort, so dafs wir dasselbe im Zeitraum vom
6.—10. Mai (Karte VII) in ein schmales Band verwandelt sehen, das von
Centraleuropa über Spanien, Madeira, über den 0cean längs dem 30. Breiten-
grad und darauf nordwärts nach Neufundland und Nordgrönland sich zog und
das große Gebiet niederen Druckes als Randwall umschlofs, Zwei Maxima,
welche Verdickungen an diesem Bande darstellten, näherten sich in diesen
Tagen einander vom portugiesischen Meere und von der Baflins-Bai her, bis
sie am 9.—10. zu einer einzigen verschmelzen und nun ostwärts, fast auf der
Bahn des erstgenannten Maximums zurückkehrend, sich bewegen. Die bedeutende
Verstärkung der von dem Innern von Nordamerika über Labrador heran-
gezogenen Depression auf der Mitte des Oceans am 8, Mai bildet das Hauupt-
phänomen dieses Zeitraums, in welchem der nördliche Theil des Oceans in
ähnlicher Weise ein grofsentheils geschlossenes Becken niedrigen Luftdrucks
darstellte, wie in den ersten Tagen des Jahres 1884, nur dafs dasselbe diesmal
nicht nach SSE (Kapverdon), sondern nach ENE (Nordrussland) offen war.
Durch diese Oeffnung wanderte in den betrachteten Tagen ein schwächerer
Wirbel ostwärts, welcher am Morgen des 8. bei den Shetlands, an jenem des 10,
am Onega-See lag. Dagegen lagerte in Süddeutschland und Frankreich das
verstärkte nordöstliche Kude jenes Randwalles vom 8. an als zunächst ziemlich
stationäres Maximum mit heiterem stillem Wetter und anfangs noch kühler,
aber gegen das Ende über die normale steigender Temperatur.
In dem folgenden Zeitabschnitt vom 10.—20. Mai, welcher ebenfalls
auf Karte VII dargestellt ist, finden wir ausgebildet die Erscheinung des Auf-
und Abfluthens des Luftmeercs über ausgedehnten Gebieten, unabhängig von
dem Fortschreiten der atmosphärischen Wirbel. Am 10. und 11. nimmt der
Druck auf dem Ocean allgemein zu, während er über Amerika und Europa
sinkt; besonders aber verflacht die grofse Depression auf der Mitte dos Oceans,
während die beiden Depressionen in der Gegend von Neuschottland und im
Innern Russlands sich rasch vertiefen. Am 13.—14. tritt das entgezengesotzte
Phänomen ein, letztere beiden Minima verflachen, das erstere verticfü sich wieder,
Am 16. und 17. verliert dieses wieder rasch au Intensität, am 18, gewinnt aber
in derselben Gegend eine Randbildung desselben erhebliche Tiefe, während
diesmal gleichzeitig auch in den beiden anderen Gebieten — Neuschottland und
Inner-Russland — vorhandene schwache Depressionen sich vertiefen. Ob es
sich bei dieser Auf- und Abbewegung des Druckes im gegebenen Falle um das
Bild stehender oder fortschreitendor „Wellen“ handelt, ist ohne Entwerfung
detaillirter Aenderungs-Karten nicht sicher zu entscheiden, Jedenfalls gehört
das Phänomen in die Kategorie jener, welche Abercromby mit dem Namen
„surges“, barometrische Wogen, bezeichnet, und welche bei der Herstellung
täglicher Wetterkarten über ein gröfseres Gebiet gewifßs oft bomerkt, jedoch
noch nie genauer untersucht worden sind. Nach Abercromby pflanzen sich