Kleine Notizen.
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durch zweckentsprechende Aufstellung und andere Vorsichtsmafsregeln möglichst
vor allen störenden Einflüssen schützen zu können,
Um sich von dem mangelhaften Zustande des Aufstellungsortes und des
Chronometers zu überzeugen, schlägt Lieutenant Tromelin den Gebrauch einer
kleinen leicht beweglichen und schwingenden Magnetnadel vor. Als Beispiel,
wie leicht Aenderungen im magnetischen Charakter durch geringfügige Trans-
lokationen eintreten, wird ein ganz interessanter Fall angeführt. An Bord der
„Tonnerre“ wurden bei dem Steuerkompasse, welcher sich in einem ganz aus
Eisenblech bestehenden Kompafshause befand, auffallende und sehr unregel-
mäfsige Differenzen von 5° bis 15° in der Deviation des Kompasses Tags und
Nachts bemerkt. Man glaubte, diese Erscheinung zuerst der Erwärmung des
Kompafshauses und des Schiffes am Tage und der darauf folgenden Abkühlung
Nachts‘ zuschreiben zu müsson, doch sah man die Uunzulänglichkeit dieser
Erklärung bald‘ ein, da durch die thermische Differenz unmöglich so grofse
magnetische Unterschiede hervorgerufen werden konnten. Bei Untersuchung des
Kompafshauses mit der kleinen Maguetnadel stellte sich heraus, dafs dasselbe
einige bewegliche Theile besafs, die eine stark ausgeprägte magnetische Polarität
besafsen. Es waren dies die Thüren und Fenster, welche man am Tage der
Hitze wegen öffnete und Nachts schlofs. Bei einer Prüfung vor Anker ergab
sich, dafs der Kompafs einen um 10° bis- 15° verschiedenen Kurs zeigte, je
nachdem die Thüren oder Fenster geschlossen oder geöffnet waren. Nachdem
dieselben durch messingene ersetzt waren, trat die Erscheinung nicht mehr auf.
Um die mit stählernen Unruh-Lamellen versehenen Chronometer möglichst
vor den mit den Aenderungen des Schiffskurses verbundenen magnetischen
Einflüssen zu schützen, schlägt Tromelin den Versuch. vor, sie in dünne
eiserne Behälter zu setzen. Die im Uebrigen in Bezug auf die Aufstellung
der Chronometer au Bord gemachten Vorschläge, entfernt von allen Eisentheilen,
besonders von vertikalen, von der Welle, den Schornsteinen, eisernen Davits etc.,
können als bekannt vorausgesetzt werden und bedürfen keiner weiteren Auf-
zählung. R.
Kleine Notizen. ”
1. Seebeben im Atlantischen Ocean. Nach einem Berichte des
Britischen Konsulates in St. Johns, Porto Rico,?) verspürte das Britische Schiff
„ Wilhelmina“, Kapt. J. Simmons, am 20. Oktober 1886 in 19° 21‘ N-Br und
64° 22‘ W-Lg eine heftige erdbebenartige Erschütterung. Dieselbe dauerte
eine Minute und war von einem lauten Getöse, gleich dem Geräusche entfernten
Donners, begleitet. Wenn die Wassertiefe an der Stelle nicht über 3600 m
betragen hätte, so hätte man nach dem Geräusche und der Erschütterung an-
nehmen können, dafs das Schiff auf Felsen gestofsen habe.
2. Wellen-Beobachtungen.®) Das V. St. S. „Juniata“ hat auf der
Reise nach Süd-Amerika Beobachtungen über die Höhe, Länge und Periode der
Wellen im Ocean angestellt und folgende Resultate erhalten: Wellen-Höhe
7,6 m (25 Fuß), Wellen-Länge 114,3 m (375 Fufs), Wellen-Periode 7,5 Sekunden;
die Windgeschwindigkeit betrug zur Zeit 10 Sm p. h. Die Höhe der Welle
wurde bestimmt: durch Messen der Höhe, in welcher, wenn sich das Schiff im
Wellenthale befand, ein Beobachter die Wellenkamm-Linie sah, die Periode
durch Zählen der. durchschnittlichen Wellenzahl in der Minute, die Länge durch
Beobachten der Zeit, welche ein. Wellenkamm zum Passiren einer gewissen, am
Schiffe abgemessenen Distanz gebrauchte.
1) Die mit (D. SS.) bezeichneten Notizen sind von der Deutschen Seewarte eingesendet,
2) „Nature“, 1886, No..894.
3) „Nature“, 1886, No. 895.