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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Die September-Taifune in Japan 1886. 
südlicherer Breite als die des Schiffes westlich fortschreitet, so befindet man 
sich im gefährlichen Halbkreise und kann die Balın vor dem Centrum passiren, 
um in den vorderen linken Quadranten des Taifuns zu gelangen, oder wenn 
derselbe noch entfernt, der Wind leicht, das Schiff seetüchtig und für einen 
Sturm vorbereitet ist, über Steuerbord-Bug nordöstlich steuern, mufs dann aber 
alles in Bereitschaft halten, um sogleich auf den anderen Bug gehen zu können, 
sobald dieses räthlich erscheint. 
Viele Ankerplätze an der südöstlichen Küste Chinas und der südwest- 
lichen Formosas bieten vortrefflichen Schutz vor Nordost-Winden, nicht aber 
vor südlichen Winden, und sind daher bei einem Sturme aus dieser Richtung 
viel unsicherer, als die offene See. Nun sind zwar an der Südost-Küste Chinas 
die Südwest-Stürme eines ins Festland eintretenden Taifuns weniger heftig, als 
die vorher wehenden nördlichen Stürme desselben, aber es ist besser, den 
Hafen zu verlassen, sobald man einen nördlichen Sturm mit fallendem Baro- 
meter hat, und offenen Seeraum zu gewinnen, wenn man nicht sicher ist, dafs 
die Anker bei dem später aus Süden zu erwartenden Sturme halten werden. 
Hätte man, nachdem man Hongkong verlassen, um nach einem nördlicher 
liegenden Hafen zu segeln, die Ueberzeugung, dafs binnen Kurzem ein Taifun 
die Kurslinie des Schiffes vor demselben schneiden wird, und weht der Wind 
bei fallendem Barometer konstant aus WNW als steife Briese, so würde man 
den irrthümlichen Schlufs ziehen können, dafs man sich auf der Centrumsbahn 
befindet und ein Taifan von ONO her sich dem Schiffe nähert. In diesem 
Falle scheint es nicht rathsam zu sein, vor dem Winde abzuhalten, sondern 
entschieden. besser, beizudrehen. Daun kann man, sobald der Wind anfängt, 
nach Südwesten zu drehen, südwärts laufen und den Kurs allmählich so ändern, 
dafs man um den Taifun herumkommt. Dampfschiffe, welche Hongkong ver- 
lassen, sobald die rothe Trommel geheifst wird, laufen gewöhnlich sofort süd- 
wärts, sobald der Taifun eine nordwestliche Richtung eingeschlagen hat, und 
haben wenig Zeitverlust. 
Nach Shanghai bestimmte Dampfer können, während sie sich zwischen 
Futschau und Ningpo befinden, nördliche Stürme antreffen, welche einem Taifun 
der zweiten Klasse, nordwestwärts nach der Küste fortschreitend, vorhergehen. 
Um sich nicht der schweren See auszusetzen, laufen sie dann gewöhnlich in 
den nächsten Taifunhafen und warten dort, bis das Centrum des Taifuns ins 
Festland eingedrungen ist, . Dann gehen sie mit dem südlichen Sturm nordwärts. 
vis 
Die September-Taifune in Japan 1886, 
Am Schlusse des im Dezember-Hefte 1886 dieser Annalen, Seite 540, 
gegebenen Berichtes über den vom 20, bis 24, August in Japan aufgetretenen 
Taifun war die Vermuthung ausgesprochen, dafs in den nächsten 6—7 Wochen 
noch wenigstens zwei Taifune zu erwarten wären, und darauf hingewiesen, dafs 
die Epoche, auf welche die meisten Taifune der letzten sieben Jahre fallen, sich 
vom 12,-—17, September erstreckt. Diese Vermuthung hat sich bewahrheitet, 
indem im September Japan von drei Taifunen heimgesucht worden ist, von 
denen die ersten beiden fast genau auf den. Anfang und das Ende der eben 
genannten Epoche, nämlich auf den 10,—11. September und den 16.—18. Sep- 
tember, fallen. Die Zwischenzeit betrug eine Woche, und wieder eine Woche 
später, am 24,.—25, September, kam der dritte Taifun an. 
Herr Knipping berichtet über die drei Taifune Folgendes:') 
In Japan gelten der 210. und 220. Tag des Jahres alten Stils, d.h. etwa 
die erste Dekade des September, als kritische Tage, 
1) The Tokio Independent, 
Ann. d. Hvädr. ete.. 1887, Hoft IL
	        
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