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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Taifune in der Chinesischen See, 
gesetzten Richtung kommt, nach einer anderen Stelle verholt werden, wo es 
vor dem zu erwartenden Winde geschützter ist. 
Ein vor Anker, mit dem Kopfe gegen den Wind liegendes Schiff schwait 
im rechten Halbkreise eines Taifuns mit der Sonne, im linken gegen dieselbe. 
Sollen zwei Anker bald nach einander ausgeworfen werden, so mufs man im 
rechten Halbkreise zuerst den Backbord-Anker und im linken Halbkreise den 
Steuerbord-Anker werfen. Da aber Schiffe in einem Taifun viel Ankerkette 
ausstecken müssen, um nicht zu treiben, ziehen sie es vor, den zweiten Anker 
erst dann zu werfen, wenn der zuerst ausgeworfene nicht hält. ; 
Aus der Stärke des Windes und dem Aussehen des Himmels kann man 
nicht mit Sicherheit schliefsen, wie weit man vom Centrum des Taifuns entfernt 
ist. Die Ausdehnungen dieser Cyklonen sind verschieden, und in der Nähe des 
Landes sind die starken Winde eines Taifuns oft so unregelmäfsig vertheilt, 
dafs an einem näher am Centrum gelegenen Orte der Wind schwächer sein 
kann, als an einem entfernteren. . Auch hat die 11 Strich-Regel zur Bestimmung 
des Centrums in der Nähe des Landes, wenn das Centrum nicht nahe ist, keine 
Geltung. So weht z. B. öfters ein stetiger östlicher Sturm an der südlichen 
Küste Chinas, wenn ein Taifun die Chinesische See passirt, und der Sturm 
weht bei der nördlichen Einfahrt der Formosa-Strafse oft konstant aus Nordost, 
während ein Taifun in einer südlicheren Breite herrscht. Die sicherste Warnung 
giebt ein gutes Barometer oder ein verläfsliches Aneroidbarometer. Bei vielen 
Taifunen fällt jedoch das Barometer nur bis 731,5 mm, auf Null Grad Temperatur 
und das Niveau des Moeres reducirt, während es bei anderen bis auf 723,9 mm 
herabgeht. . 
Obgleich der Ursprung von fast allen Taifunen im Osten oder Südosten 
der Philippinen zu suchen ist, bilden sich auch einige in dem Südchinesischen 
Meere, Diese entwickeln jedoch selten viel Energie, weil sie sich meistentheils 
schnell nordwärts ins Innere von China oder Formosa bewegen. Wegen ihrer 
geringen Ausdehnung sind sie leicht zu vermeiden. Sie verursachen keinen 
heftigen Seegang, und die in Hongkong beobachteten traten nur als Stürme auf, 
Schreitet aber ein solcher Taifan nordwärts durch den Formosa-Kanal fort, so 
wird er ebenso furchtbar, wie diejenigen, welche im Stillen Ocean entstehen. 
Südlich von ungefähr 9° N-Br kommen Taifune nur sehr selten vor. 
Häufig hat ein Schiff, welches einem Taifun beispielsweise in 12° N-Br 
und 135° O-Lg. begegnet, keinen heftigen Wind oder schlechtes Wetter, ehe es 
sich dem Centrum bis etwa 100 Sm genähert hat. Es ist daher sehr noth- 
wendig, auf alle Anzeichen von der Nähe eines Taifuns zu achten, zumal die- 
selben in dieser Gegend mit grofser Heftigkeit auftreten und nur geringe‘ Aus- 
dehnung haben. Bemerkt man die Gefahr rechtzeitig, so kann man, weil das 
Centrum nür langsam fortschreitet und. die Bahn desselben wahrscheinlich in 
der Richtung WNW, jedenfalls zwischen dieser und NW, liegt, von dem Taifun 
weglaufen, indem man ostwärts von demselben zu gelangen sucht. Näher den 
Philippinen ist die Bahn des Centrums gewöhnlich nördlicher, NW oder NNW. 
Oft jedoch bewegt sich dasselbe nach WNW hin und gelangt, nachdem es die 
Iouseln passirt hat, in die Chinesische See. Im Frühling und Herbst haben sich 
aber einzelne Taifune erst nach West hin und dann in der Chinesischen See 
nach SW bewegt. Ist man im Osten der Philippinen, so soll man versuchen, 
nach Südost vom Taifun zu gelangen, indem man die Bahn desselben womöglich 
hinter dem Centrum passirt, Ist ein Schiff nach einem im Norden liegenden 
Hafen bestimmt, so wird es dann den Vortheil einer frischen Süd- oder Südwest- 
Briese haben, mufs aber sorgfältig vermeiden, dem Taifun zu nahe zu kommen, 
dessen Fortschritt möglicherweise nicht mehr als 6 Sm in der Stunde beträgt. 
Wahrscheinlich wird dieses Schiff böiges, nasses Wetter haben. 
Die Bahn der Taifune kann zwar im Allgemeinen als Parabel, deren 
Scheitel im Westen liegt, oder als Bogen derselben betrachtet werden, aber die 
Bahn eines jeden Taifuns weicht meistentheils von der Gestalt dieser Kurve 
erheblich ab. Diese Abweichung wird verursacht durch das Festland von Asien, 
die gebirgigen Inseln, namentlich die hohen Berge Formosas und die vor- 
herrschenden Winde. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, dafs das Fortschreiten 
eines Taifuns die Wirkung des gerade herrschenden Windes ist, nicht noth- 
wendigerweise des an der Oberfläche der Erde wehenden Windes, sondern eines 
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