accessibility__skip_menu__jump_to_main

Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Taifune in der Chinesischen See 
Dieser Winkel scheint in der Nähe des Landes bei seewärts wehenden 
Winden kleiner zu sein, ebenso auf hoher See der Unterschied zwischen den 
Winkeln vor und hinter dem Centrum. 
Auf Seite 497, Heft XI, der vorjährigen Annalen ist eine Regel zur Be- 
stimmung der ungefähren Richtung des Centrums vom Schiffe gegeben. 
Hat. der Wind die Stärke einer steifen Briese erreicht, so scheint sich 
der mittlere Werth des Winkels nicht zu ändern, aber die Richtung der mit 
heftigen Stöfsen auftretenden Böen kann möglicherweise zu beiden Seiten dieses 
Werthes oscilliren. Die Annahme, dafs der Wind in der Nähe des Centrums 
kreisförmig um dasselbe weht, entbehrt jeder Begründung und kann verhängnifs- 
voll für ein Schiff werden, das sich in einem Taifun befindet. 
Sehr niedrige Wolken ziehen in einem Taifun mit dem Winde, während 
die hohen Wolken oft eine andere Richtung nehmen. Aus letzterem Umstande 
ljäßst sich die folgende Regel aufstellen, welche gelegentlich von Nutzen sein 
kann: „Man kehre der Richtung, aus welcher die hohen Wolken kommen, den 
Rücken zu, dann liegt das Centrum, wenn man sich vor demselben befindet, 
links 1 bis 2 Striche nach vorn und, wenn man hinter dem Centrum ist, 1 bis 
2 Striche links von der Richtung, in welcher die Wolken ziehen.“ 
Wie bei allen Cyklonen, dreht sich der Wind im rechten Halbkreise mit 
der Sonne und im linken gegen dieselbe. Diese Aenderung des Windes wird 
man beobachten, falls das Schiff seinen Ort nicht oder langsamer verändert, 
als das Centrum. Segelt es aber schneller, als dieses, und in derselben Rich- 
tung, so kann für dasselbe das Umgekehrte stattfinden. Ist man in- Ungewifs- 
heit, in welchem Halbkreise das Schiff sich befindet, so könnte man beidrehen 
and sich so aus der Aenderung des Windes Gewifsheit verschaffen, wenn nicht 
das Beiliegen in einem Taifun gefährlich wäre, weil der Wind in Spiralen nach 
dem Centrum hinweht. Schiffe, welche sich in der Nähe der Chinesischen Küste 
oder der Insel Formosa befinden, suchen gewöhnlich Schutz im nächsten, in 
dem Segelhandbuche angegebenen Taifunhafen. 
Je näher man dem Centrum ist, desto schneller ändert sich die Richtung 
des Windes. Fällt das Barometer schnell und ändert der Wind seine Richtung 
nicht, nimmt aber seine Stärke zu, so ist man in Gefahr, in die Centralkalme 
der Depression mit ihrer furchtbaren Kreuzsee zu gerathen, und dieses mufs 
man mit allen verfügbaren‘ Mitteln zu vermeiden suchen, weil diese See weit 
gefährlicher ist, als die Gewalt des Windes. Ist man aber schon in einem 
Taifun, so mufs man nur soviel Segel führen, als zum Stützen des Schiffes noth- 
wendig sind, und nicht früher mehr Segel setzen, als bis die Heftigkeit der 
Böen abgenommen hat und das Barometer seit einiger Zeit gestiegen ist. Leicht 
irre führende Stillen finden zuweilen während eines Taifuns statt. 
Wenngleich der rechte Halbkreis eines Taifuns der gefährlichste Theil 
desselben ist, so ist ein entmastetes Schiff doch überall, in welchem Theile des 
Taifuns es sich auch befinde, in Gefahr, ins Centrum getrieben zu werden, 
Gewöhnlich ist ein Schiff, welches in den Chinesischen Gewässern während der 
Taifunzeit einen nördlichen Sturm bei fallendem Barometer hat, in größerer 
Gefahr, als ein anderes, welches südwestlichen Sturm hat. Befindet sich ein 
Schiff im rechten Halbkreise, so sollte es so lange als möglich den Wind an 
Steuerbord halten, befindet es sich im linken Halbkreise, so sollte es mit 
Steuerbord-Halsen laufen oder über Steuerbord-Bug beidrehen, da für diesen 
der Wind raumt. In niedrigen Breiten schreitet ein Taifun so langsam fort, 
dafs sich ein Dampfer oder schnell segelndes Schiff von demselben entfernen 
kann, aber nördlicher, wo das Centrum 30 bis 40 Sm in der Stunde zurücklegt, 
ist selbst bei raumer See ein sorgfältiges Manövriren geboten. 
An der Südwestküste von Formosa und auch an anderen Orten muß ein 
Schiff während des Südwestmonsuns stets bereit sein, binnen kurzer Zeit in See 
gehen zu können, da in einigen Häfen keine Aussicht ist, einen Taifun abzu- 
reiten. Ein vor Anker liegender Dampfer sollte, wenn der Wind stärker als 
eine steife Briese wird, sofort Dampf machen und ein Segelschiff die Stengen 
streichen. Die Richtung, in welcher der Wind sich ändern wird, mufs sobald 
als möglich bestimmt werden, damit man Zeit hat, einen geschützten Ankerplatz 
zu wählen. Wenn das Centrum sehr nahe dem Ankerplatze passirt, kann das 
Schiff möglicherweise während der Stille, ehe der Wind aus der entgegen-
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.