Reisebericht des Deutschen Vollschiffes „Hermann .
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dienen... Die Stadt besteht in ihrem unteren Theile aus nur einer geraden
Strafse, die an beiden Seiten mit hübschen Häusern besetzt und vom Seo-Ufer
durch eine Mauer und Graben abgeschlossen ist. Gleich innerhalb des Thores
ist rechts die Wache, die Times Office und die Englische.Kirche, links die Post
und das Zollhaus; dann folgen Kaufläden, Apotheken und Geschäftshäuser —
das einzige Hotel wurde am 1. Mai wegen Mangels an Verdienst geschlossen.
Im oberen Theile verzweigt sich die Strafse gabelförmig in zwei engere Gassen,
von denen die rechts au der Markthalle vorbei nach den Kirchhöfen, dem
Hospital und den Baracken führt. In der Stadt ist es recht still und herrscht
wenig Verkehr; nur zuweilen, wenn die Postdampfor ankommen und alle Insel-
bewohner zur Stadt eilen, um Briefe und Zeitungen in Empfang zu nehmen,
oder wenn die Englischen Passagierschiffe von Australien anlangen, deren
Passagiere den gewöhnlich mehrere Tage währenden Aufenthalt zu Ausflügen
nach den Sehenswürdigkeiten der Insel benutzen, wird diese Stille unterbrochen.
Nach dem 240 m hohen Ladderkill hinauf führt eine gerade steile Treppe von
angeblich 699 Stufen — gezählt habe ich sie nicht, Die ganze Insel ist mit
bequemen Strafsen und Wegen versehen, die sich im Zickzack an den Bergen
hivaufziehen, und kann man zu Pferde und zu Wagen die ganze Insel durch-
reisen und selbst die höchsten Punkte erreichen. Pferde, Wagen und Führer
sind steis zu bekommen, bei starkem Fremdenbesuch allerdings nur zu sehr
hohen, sonst aber zu mäfsigen Preisen. Plantation House, die Wohnung des
Gouverneurs, liegt auf der Westseite der Insel, umgeben von einem hübschen
Park und von Waldanlagen, in welchen man die verschiedensten Baumarten
findet: Eiche, Buche, Tanne und Weide sowohl als auch Palme, Ceder, Cypresse,
Banane und Kaffeestaude, ein Beweis, dafs das Klima der Insel nicht nur
tropischen, sondern auch Gewächsen der gemäfsigten Zone zuträglich ist. Da
es auch nie an Regen oder Wasser mangelt, so ist es auffällig, dafs die kultur-
fähigen Strecken der Insel so wenig ausgebeutet werden.
Aus dem Reiseberichte des Kapt. R. Mehring von dem Deutschen
Vollschiffe „Hermann“.
(Mittheilung von der Deutschen Seewarte,)
[I. Kingston in Süd-Australien,
Von Sydney kommend, sichteten wir am Morgen des 9. April 1885 um
2 Uhr das Feuer von Kap Jafa NNO von uns in der Kimm; da aber der
Wind sehr flau wurde, kamen wir erst um 3* p. m. auf der Rhede von Kingston
zu Anker, und zwar auf einer Tiefe von 7,2 m (4 Fad.).
Diese Rhede ist eine vollständig offene und allen Winden zwischen SW
und Nord ausgesetzt; aber die Natur hat einen Wellenbrecher geschaffen, der
sie zu einer vollkommen sicheren macht und es ermöglicht, dafs sie von Schiffen
besucht werden kann. Zunächst flacht die. Wassertiefe nur ganz allmählich ab,
so dafs die 36 m- (20 Fad.-) Lihie sehr‘ weit von der Küste entfernt sich hin-
zieht. Dann erzeugt der Meeresboden ‚von einer Wassertiefe von 72 m (40 Fad.)
an mächtigen Seetang, welcher sich fettig anfühlt, und in dem sich die hohe See
bricht, und zwar derart, dals auf einer Wassertiefe von 7,2 m (4 Fad.) nur
noch eine lange niedrige Dünung übrig bleibt und eine Wassermenge von
1,2 m (4 Fufs) unter dem Kiel ausreicht, das Schiff gegen Aufgrundstofsen zu
schützen. ; 2 ,
Einzelne Stellen des Meeresbodens sind vom Seetang entblöfst, und diese
dienen, mit einer 0,6 m (2 Fufs) dicken Schicht von Sand und Kalksteinen be-
deckt, den Schiffen als Ankerplätze. Wir lagen auf einer solchen Stelle und,
wie schon bemerkt, auf 7,2 m (4 Fad.) Tiefe mit 135m (75 Fad.) Kette aus.
Zwischen dem Seetang soll der Anker nicht gut halten.
Von Kingston ist eine %/4 Sm lange Pier hinausgebaut, welche mit einer
Eisenbahn zum Transport der Güter versehen ist. Dampfer und kleine Fahr-
zeuge legen an sie heran, um zu löschen und zu laden; die Ladungen gröfserer
Ann. d. Hydr, eto.. 1887, Heft II.