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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

‚Reisebericht der Deutschen Bärk „Werner“, 
Ladung trocken verschifft werden könnie; aber es wird wohl Projekt bleiben 
und die Ausführung an dem Kostenpunkte scheitern, Nach meiner Ansicht ist 
das ganze Projekt ziemlich werthlos. Nach Süd und Südwest würde der Strand 
offen bleiben, und aus dieser Richtung läuft die Hauptsee,. Aufserdem ist es 
ja auch sehr ungewifs, ob die Jaggery-Verschiffung überhaupt noch lange an- 
halten wird. 
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Bemerkungen über St. Helena. 
(Aufenthalt vom 29, April bis zum 8. Mai 1886.) 
Bei klarem Wetter ist die Insel St. Helena 30 bis 40 Sm weit sichtbar, 
Das Ansegeln ist zu jeder Zeit leicht; man passirt die Sugarloaf-Spitze so nahe 
als möglich, in etwa einer Kabellänge Abstand, und ankert dann in Front von 
Jamestown in 22 bis 36m (12 bis 20 Fad.) Wasser. Sobald man Sugarloaf- 
Spitze passirt ist, pflegt der Wind unbeständig zu werden und in Böen von den 
Bergen zu fallen. Man mufs darauf achten, dafs man dadurch nicht vom Lande 
abgedrängt wird, denn die-20 Faden-Bank ist nur schmal und fällt steil zu 
40 bis 60 Fad. ab. Vor dem Ankern sollte man sich immer erst durch das 
Loth vergewissern, dafs man Grund hat, selbst in unmittelbarer Nähe vor Anker 
liegender Schiffe; es ist schon vorgekommen, dafs Schiffe, wenn diese Vorsicht 
nicht angewandt wurde, ihren Anker in 50 bis 60 Fad. Tiefe fallen liefsen. 
Kann man den Ankerplatz nicht vor Dunkelwerden crreichen, so sollte man 
zeitig im Südosten der Insel beidrehen, um nicht vorbeizutreiben. Das Aukern 
während der Nacht ist nicht anzurathen, weil man sich dann den steilen dunklen 
Felsmassen nicht genügend zu nähern wagt und leicht den Ankergrund verfehlt, 
auch Gefahr Jäuft, auf der oft stark frequentirten Rhede Kollision zu erleiden. 
Auf der Westseite die Insel umsegeln, um den Ankerplatz zu erreichen, gelingt 
nie, Schiffe, die dies versuchen, müssen immer erst wieder nach der Ostecke 
aufkreuzen, was oft Tage in Anspruch nimmt. Der Ankergrund ist gut, und 
man liegt sicher, da der Wind nur selten aus dem nördlichen Quadranten weht 
und nie eine Gefahr bringende Stärke erreicht; dagegen läuft oft, auch bei 
Windstille, eine hohe nordwestliche Dünung, die am Strande eine hohe Brandung 
erzeugt und das Landen oft schwierig, ja mitunter tagelang unmöglich macht. 
Diese unter dem Namen „Rollers“ bekannte Erscheinung soll besonders in den 
Monaten Januar und Februar stark auftreten. 
Nachdem man geankert hat, mufs man die Gesundheitsvisite abwarten, 
vor deren Erlaubnifsertheilung jeglicher Verkehr mit dem Lande, mit Schiffen 
oder mit Booten verboten ist. Beim KEinklariren hat man nur das Schiffs- 
gertifikat vorzuzeigen. Schiffe, die nur wegen Order oder Proviantirung an- 
laufen, sind seit dem 1. März 1882 frei von allen Hafenkosten; vor dieser Zeit 
wurde ein Tonnengeld ‚und eine Abgabe für Gesundheitsbehörde und Zeitball 
erhoben, wofür man indessen freie Benutzung des Hospitals hatte, wohingegen 
man jetzt, wenn man dasselbe benutzt, 3 Schilling pro Mann und Tag zahlen 
mufs. Schiffe, die in St. Helena ihre ‚Ladung ganz oder theilweise löschen, 
müssen. für jede Tonne der gelandeten Güter 1.sh. Werftgeld entrichten, was 
bei einer. vollen Kohlenladung recht viel ist; auch mufßs man für jedes Kollo, 
Packet u.. 8.. w., unter 100 Pfd. wiegend, 6 Pence, über 100 Pfd. 1 sh. Werft- 
geld bezahlen.. 
Auf Ladderhill befindet sich eine Signalstation, eine zweite auf dem 
südöstlichen Theile der Insel, oberhalb Prosperous Bai, welch letztere mit der 
ersteren in Verbindung steht... Schiffe können sich im Vorbeisegeln von beiden 
Punkten rapportiren lassen. Der Zeitball fällt an einer Stange, die vor. dem 
„Times Office“ steht, um 1 Uhr mittlere Greenwich-Zeit oder 0* 37” 10° mitt- 
lere Ortszeit, täglich, mit Ausnahme der Sonntage. Da dieser Zeitball nicht 
von allen Punkten der Rhede sichtbar ist, fällt gleichzeitig auch ein Ball auf 
der Ladderhill-Signalstation. Das Observatorium auf St, Helena ist schon seit 
langen Jahren aufser Thätigkeit, und der Zeitball steht seitdem unter der Auf- 
sicht des Masier attendant. 
Das Trinkwasser wird durch eino Röhrenleitung aus dem Inneren der 
Stadt bis auf die Anlegebrücke geführt. Es ist sehr gut und kostet 10 sh. 6 d. 
die Tonne von 250 Gallonen.. Wasserboote. liegen immer bereit, um die
	        
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