Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen.
welche'von einer Dunstmasse eingehüllt war, ist wohl nicht anzunehmen. Anders
traten die leuchtenden Wolken auf, welche von Bezold am 19. Februar 1882
in München sah. Es waren geballte Nebelwolken von sonderbar flockigem Aus-
sehen, am besten mit Baumwolle vergleichbar. Sie leuchteten so hell wie sehr
holl angestrichene Mauerflächen unter dem KEinflusse der Strafsenbeleuchtung.
Es war jedoch, wie sich von Bezold und andere Beobachter überzeugten, jeder
Einflufs der Münchener Strafsenbeleuchtung auf die leuchtenden Wolken ganz
ausgeschlossen.!) Ganz gleiche Wolken habe ich selbst am 27, Februar 1877
in Leipzig gesehen, und zwar während einer totalen Mondfinsternifs bei sehr
stürmischem Wetter. Der Himmel zeigte bisweilen Wolkenlücken, war dann
aber wieder mit sehr dunklen Wolken völlig überzogen. Unter dieser dunklen
Schicht jagten weißse, auffällig stark leuchtende Wolken, die genau der Be-
schreibung von von Bezold entsprachen, rasch vorbei. Auch hier war ein
Einfluß der Strafsenbelcuchtung nicht anzunehmen, da die Wolken nach Passirung
der Stadt über einer ausgedehnten Waldgegend nicht weniger stark leuchteten.
3. Schwache Erleuchtung des ganzen, vorzugsweise bewölkten
Himmelsgewölbes, sowie auch der Erdoberfläche und der auf ihr befindlichen
Objekte. Schon Humboldt spricht nach einer Anregung von Arago*) von
dem schwachen diffusen Lichte, welches in tief bewölkten, mond- .und sternlosen
Herbst- und Winternächten, olıne Schnee, unter freiem Himmel unsere Schritte
leitet. In jeder dunklen sternlosen Nacht ist nun dieses Leuchten allerdings
picht zu beobachten, aber doch so häufig, dafs wohl Jeder in seiner Erinnerung
einige Fälle dieser Art bewahren wird. Vortrefflich beschreibt Assmann die
Erscheinung. Es herrscht dabei, sagt er, ein eigenthümlich fahles, nicht von
einem bestimmten Punkte des Himmels ausgehendes Halbdunkel, in welchem
man Gegenstände, welche sonst in dieser Entfernung im Dunklen völlig unsichtbar
bleiben, mit grofser Deutlichkeit erkennen kann. In einem Walde treten nahe
und fernere Baumstämme hervor, indem es den Anschein hat, als ginge ein
mildes diffuses Licht von diesen und allen übrigen Gegenständen selbst aus,
oder als ob die Luft selbst leuchtend sei. Kein Gegenstand wirft einen Schatten.®)
Assmann giebt eine Reihe specieller Vorschriften für die Beobachtung dieser
Erscheinung, in welchen namentlich auf die Vermeidung der zahlreichen Fehler-
quellen dringend hingewiesen wird (Schneedecke, entfernte Feuersbrunst ete.).
Künstliche Beleuchtung stört natürlich sehr; indessen kann ein Beobachter in
der Stadt doch noch nützliche Angaben liefern, wesn er durch längere Uecbung
zur genauen Kenntnifs der Entfernung gelangi ist, bis zu welcher bestimmto
Objekte vom Beobachtungspunkte aus unter den verschiedensten Beleuchtungs-
verhältnissen durch Mond, Sterne, Schneereflex und Gaslicht sichtbar sind.
Ich habe auf diese Weise öfters feststellen können, dafs die Sichtbarkeitsgrenze
selbst unter anscheinend ganz gleichen Beleuchtungsverhältnissen in den ver-
schiedenen Nächten nicht übereinstimmt, einmal sind die Dachfirste entfernter
Häuser in einer mond- und sternenlosen Nacht bei schneefreiem Boden doch
ganz deutlich zu erkennen, ein anderes Mal ist absolut nichts davon zu sehen.
Dafs es sich hier um die Beobachtung cines Phänomens von grofser Bedeutung
handelt, bemerkt auch Spörer in Potsdam in einem Schreiben an Assmann,
a.a. O., S.5. Es könnten die irdischen Wahrnehmungen nämlich zu Vergleichen
mit ähnlichen, gleichfalls noch ganz räthselhaften Lichtphänomenen auf: dem
gerade unbeleuchteten Theile des. Planeten Venus verwerthet werden. Spörer
selbst hat in der Nacht vom 13: zum 14. Januar 1883 die Nachthelligkeit ganz
in der von Assmann beschriebenen Weise wahrgenommen. Andere Beobach-
tungen der Erscheinung hat Groneman veröffentlicht, doch ist hier die Existenz
eines hinter den Wolken befindlichen Nordlichtes nicht völlig ausgeschlossen.*)
Der Beobachter wird nicht vergessen dürfen, dafs bei einem Nordlichte, das
hinter einem Wolkenvorhange sich abspielt, die Helligkeit doch in der Regel
im magnetischen Meridian am gröfsten sein wird, jedenfalls ist sie dann nicht,
wie bei der echten hier besprochenen Phosphorescenz, gleichmäfsig über das
Himmelsgewölbe ausgebreitet.
1
“+ „Oesterr. Zeitschr. f. Meteor.“, Bd. 17, 1882, S. 146.
; „Annuaire du Bureau des Longitudes“, 1832, S, 246, 250.
5) „Monatsschrift für prakt. Witterungskunde“, Bd. 1, 1882, No. 12, S. 5
4 Klein’s „Wochenschrift“, Ba. 18, 1875, S. 374.
Ann. d. Hydr. etc., 1887, Heft ]I.