Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen.
schnuppe oder kleinen Feuerkugel gewesen sein. Dieselben sind bisweilen selbst
durch einen nicht zu dichten Wolkenschleier hindurch sichtbar geworden,
Freilich versichert Klein für einen bestimmten von ihm beobachteten Fall !)
eines einzelnen deutlichen Zickzackblitzes bei vollkommen klarem Himmel, dafs
eine Verwechselung mit einer dahinschiefsenden Sternschnuppe ausgeschlossen
gewesen sei. In anderen Fällen mag aber diese Fehlerquelle allerdings mit-
wirken. Dafs man, namentlich wenn ein Bericht über Blitze ohne Donner
von nicht wissenschaftlich gebildeten Personen abgestattet wird, gegen Ver-
wechselungen mit in der Ferne aufgestiegenen Feuerwerkskörpern u. dergl. auf
seiner Hut zu sein hat, versteht sich von selbst.
Leuchtende Wolken und verwandte Phänomene. Auch diese
höchst interessanten und bedeutsamen, aber noch ganz wenig aufgeklärten Er-
scheinungen, welche sich den Gewitterphänomenen passend auschliefsen, seien
der Sorgfalt möglichst zahlreicher Beobachter dringend empfohlen, Man unter-
scheidet:
l. Lichtphänomene an einzelnen Wolken während eines Ge-
witters. Jeder erinnert sich gewils an einzelne Wahrnehmungen über Wolken
am Gewitterhimmel, welche auch in den Pausen zwischen den Blitzen leuchtend
blieben. Bald ist das Leuchten auf die Ränder beschränkt, bald scheint es die
ganze Wolke zu durchdringen und zu überziehen. Mir sind mehrere Fälle er-
innerlich, bei denen entschieden nicht von einer optischen Täuschung durch
vorhergegangene lichtstarke Blitze die Rede sein konnte. Besonders wenn das
Gewitter seine volle Heftigkeit noch nicht erreicht hat, noch im Heranziehen
begriffen ist, kaun man die gewöhnlich röthlich oder weißslich leuchtenden
Wolken gelegentlich wahrnehmen. Man mufs dann die Frage zu beantworten
suchen, ob nicht das Sonnenlicht durch eine verborgene Lücke — wie es öfters
der Fall ist — noch Zutritt zu der leuchtenden Wolkenpartie haben kann.
Nachtbeobachtungen — namentlich in Abwesenheit des Mondes — bei denen
jene Möglichkeit ausgeschlossen ist, sind danach um so werthvoller. Eine solche
machte Rozier in Beziers am 15. August 1781. Er sah in einer Gewitterwolke
einen lichten Punkt auftreten, der sich bald zu einer phosphorescirenden Zone
erweiterte; später trat noch eine zweite Zone hinzu. Nach Rozier’s Be-
schreibung bestanden beide Zonen aus Draperiewolken, wie sie am Rande der
eigentlichen Gewitterwolken auftreten (s. 0.). Die Erscheinung dauerte zwölf
Minuten an.?) Joule sah einmal bei einem Gewitter in Manchester ein helles
rothes Licht unter (?) den Wolken, welches auf die benachbarten Wolken einen
hellen Schein warf und erst nach fünf Minuten nach und nach erlosch. Mit-
wirkung des Sonnenlichtes war ausgeschlossen.*)
2. Lichtphänomene an einzelnen Wolken ohne jede Spur eines
Gewitters, Die leuchtenden Wolken treten entweder als sehr niedrig ziehende
Nebelmassen auf, oder sie erscheinen in grofser Höhe und heben sich dann
meist sehr deutlich gegen andere nicht leuchtende ab. Man vergesse nicht an-
zugeben, ob nicht einige Zeit vor oder nach der Beobachtung — wenn auch
nicht während derselben — sich ein Gewitter zeigte. Der seltsame leuchtende
Nebel, welchen Lagermann und Carlheim-Gyllenskiöld am 25. Juli 1877
nur wenige Fufs über der Wasserfläche eines Binnensees in Schweden bemerkten,
trat in der Zwischenpause zwischen zwei Gewittern auf. Es war eine flatternde
Lichtmasse von röthlicher Farbe, durchsichtig und scharf begrenzt. Wenig
später erschienen andere ähnliche Lichtmassen. Es ist bemerkenswerth, dals
sie gerade da auftraten, wo sonst die Morgennebel über dem See zuletzt zu
verschwinden pflegen, wieder ein Beweis dafür, dafs bei Untersuchungen über
eigenthümliche Lichtphänomene der Oertlichkeit, wo sie auftreten, besondere
Beachtung zu schenken ist.‘) Der eben erwähnten Erscheinung schließt sich
auch wohl der Bericht über eine sehr niedrig ziehende, stark erleuchtete Wolke
an, welche am 27. September 1883 innerhalb der Stadt Wien von vielen Per-
sonen gesehen wurde.°) Dafs man es hier mit einer Feuerkugel zu thun hatte,
n\
„Das Gewitter“, S. 43.
Arago a. a, O. S. 71 f.
Klein a, a. O. S. 47 £.
„Oesterr. Zeitschr. für Meteor.“, Bd, 13, 1878, S. 124.
Ebenda Bd. 18, 1883, S. 430.
)
)
3