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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen. 
der Central - Alpenkette gleichzeitig ein Gewitter niederging, und zwar in 
mindestens 270 km Entfernung von Neunburg.‘) Am 26. August 1880 wurden 
nach derselben Quelle an der Grenze von Bayern und Sachsen-Meiningen die 
Blitze eines im oberen Donau-Thal gegen Ulm heranziehenden Gewitters wahr- 
genommen, das 240 km eutfernt war. Auch die Gewitterforschungen Ferrari’s 
in Ober-Italien ergaben, dafs sich entferntes Wetterleuchten stets auf bestimmte 
Gewitter beziehen liefs.?) Fünfjährige Beobachtungen in Schweden zeigten 
kaum ein einziges Beispiel von Wetterleuchten, bei dem in der von den Blitzen 
angedeuteten Richtung nicht ein gleichzeitiges Gewitter nachgewiesen wäre.°) 
Endlich möge noch angeführt werden, dafs die Blitze eines starken Gewitters, 
welches am 21. Septemher 1884 die Insel Borkum betraf, als Wetterleuchten 
noch am Solling und in der nordwestlichen Altmark gesehen wurden.“‘) Wenn 
berichtet wird,°) dafs am 14, August 1882 in ganz Mitteldeutschland vom 
Solling bis zur Uckermark mehrstündiges starkes Wetterleuchten wahrgenommen 
wurde, während nur am Solling Nachmittags ein kurzes Gewitter war, so 
wollen wir uns daran erinnern, dafs Gewitter auf sehr eng umschriebenem 
Raum entstehen und vergehen können (s. o.); es kann also auch bei sehr 
engmaschigem Stationsnetz immer noch eine Reihe ganz lokaler Gewitter- 
erscheinungen den Beobachtern entgehen. Im Allgemeinen darf man wohl 
sagen, dafs ein jedes, nahe am Horizont beobachtetes Wetterleuchten auf 
ein entferntes, wenn auch nicht immer leicht nachweisbares Gewitter zurück- 
zuführen ist. 
Man hat aber sogenanntes Wetterleuchten auch bisweilen höher am 
Himmel, selbst im Zenith, wahrgenommen. Dann bleibt nur übrig, an Gewitter 
zu denken, welche sich in so grofser Höhe abspielen, dafs der Donner nicht 
mehr zu uns dringen kann, oder an ruhige, dem St. Elmsfeuer ähnliche Aus- 
strömungen (s. u.). Andries nimmt an, dafs einzelne hochstehende Cumuli sich 
nach heißen Tagen bedeutend abkühlen; dadurch entstehen Wasserkügelchen, 
welche nach .ihlm durch eine mehr oder minder lebhafte Bewegung im Innern 
der Wolke eine elektrische Spannung hervorrufen, die bis zur Entladung in 
Gestalt eines Funkens führen kann.®) Andries selbst hat einmal um Mitter- 
nacht nahe am Zenith zehn bis zwölf zum Theil sehr kräftige Blitze in kurzer 
Zeit beobachtet, Am 1. August 1791 nahm der jüngere Deluc in Genf bei 
bedecktem Himmel nach Untergang der Sonne sehr lebhafte Blitze wahr. Aber 
nur einer derselben war von einem allerdings starken Donnerschlag begleitet, 
alle anderen waren völlig lautlos.‘) Mehrere ähnliche Fälle hat Klein („Das 
Gewitter“, S. 42—45) zusammengestellt. Höchst bemerkenswerth ist noch ein 
Bericht Haidinger’s.®) Derselbe sah am 22. Juni 1845 ein ganz lautloses 
Gewitter; zahlreiche, theils zickzack- theils schraubenförmige Blitze fuhren 
zwischen zwei hochstehenden Wolken hin. und her, einige erreichten den Zenith. 
Nur dreimal wurde ein ganz schwacher Donner vernommen, der zu der Stärke 
der Lichterscheinung gar nicht im Verhältnifs stand. Bei einem nächtlichen 
Hagelwetter am Genfer See (7.—8, Juli 1875) zählte Colladon in den hoch- 
gethürmten Cumulusmassen sowie in der Hagelsäule selbst eine halbe Stunde 
hindurch im Mittel zwei Blitze in der Sekunde, alle aber waren lautlos.®*) Auch 
Budde beobachtete einmal im August 1868 ein nächtliches Gowitter, dessen 
zahlreiche Zickzackblitze.ohne jedes Geräusch vorübergingen,‘°) 
Dafs es dringend wünschenswerth ist, diese vorläufig schwer zu erklärende 
Erscheinung durch zahlreiche neue Beobachtungen, sobald sich irgendwie die 
Gelegonheit bietet, aufzuhellen, liegt wohl auf der Hand. Hat man nur einen 
zickzack- oder linienförmigen Blitz gesehen, dem kein Donner, aber auch kein 
zweiter Blitz folgt, so kann die Erscheinung auch der Schweif einer Stern- 
‚Oesterr, Zeitschr. f. Meteor.“, Bd. 18, 1883, S. 204. 
„Oesterr. Zeitschr, f. Meteor.“, Bd. 19, 1884, S. 371. 
‚Oesterr. Zeitschr, f. Meteor.“, Bd. 13, 1878, S. 194. 
Assmann, „Gewitter in Mitteldeutschland“, S. 52. Vgl. auch Häpke a. a. 0. S. 16. 
„Monatsschr. f. prakt. Witterungskunde“, Bd. 1, 1882, No. 7, S. 6. 
„Ann. d. Hydr. etc.“, Bd. 12, 1884, S. 71 f£. 
Arago a. a. O. S. 87. ; 
Poggendorf, „Annalen“, Bd. 66, 1845, S. 529. 
„Oesterr. meteor. Zeitschr.“, Ba. 15, 1880, S. 431. 
„Oesterr. meteor. Zeitschr.“, Bd. 13. 1883, S. 431 f. 
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