Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen
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Kugelblitze wurden auch bei dem Gewitter in Tours am 1. Februar 1884 wahr-
genommen. Das begleitende Gewitter war über Zours selbst aus kleinen, nicht
üdrohend aussehenden Wolken zusammengeflossen. Unter den wenigen Donner-
schlägen tritt besonders einer von ganz ungewöhnlicher Heftigkeit hervor, Es
hatte gleichwohl in der Stadt nicht eigentlich eingeschlagen, dagegen wurden
an sehr verschiedenen Punkten derselben Lichtphänomene (Funken, feurige
Bänder) gesehen, sowie in mindestens drei vertrauenswerihen Berichten Kugeln
konstatirt, welche theils die Strafse entlang zogen, theils in Häuser eindrangen.!)
Torvald Köhl hat eine Reihe von Berichten über kugelblitzartige Phänomene
aus Dänemark gesammelt, weiche namentlich ein öfteres Zusammenfallen der
Erscheinung mit St. Elmsfeuer andeuten.”) Mehrfach war .kein Gewitter in der
Nähe, aber die elektrische Spannung hoch. Ein Phänomen dauerte nicht weniger
als 9 Minuten. Der zuverlässige Beobachter, ein Lehrer, verfolgte dasselbe mit
der Uhr in der Hand. Dagegen ist die Erscheinung vom 2. Januar 1882 viel-
leicht auf einen Meteorstein und die sehr merkwürdige vom 22, Juli 1883,
zumal sie zuerst über einem Moor erschien, auf ein ungewöhnlich grofses, vom
Boden abgelöstes und sich fortbewegendes Irrlicht zurückzuführen. Irrlichter
solcher Art sind wiederholt beobachtet. KEiner der merkwürdigsten Berichte
darüber ist die nüchterne und vorurtheilsfreie Erzählung von Peter Zulauf,?)
Zulauf sah am 22, September 1858, zwischen 5 und 6 Uhr Nachwittags, bei
Saaz in Böhmen an einem sumpfigen, mit Binsen und Herbstzeitlosen bedeckten
Orte eine 5 bis 6 Zoll*) über dem Boden schwebende, bis zu einer Höhe von
6 bis 7 Fuß aufsteigende, an der Basis 3 bis 4 Fufs im Durchmesser haltende
Flamme, die an der Basıs vollkommen rund war, oben in eine Spitze auslief,
Die Farbe war weifßsblau, nach aufsen weifsgelblich, man konnte durch dieselbe
gzegenüberliegende Gegenstände deutlich und in scharfer Begrenzung erkennen.
Bald bewegte sich die Flamme mit dem einsetzenden Ostwinde gegen West, sich
dabei zu gröfserer Höhe (20 bis 25 Fufs) erhebend. Endlich zerfiel die Flamme
in eine Menge kleiner faustgrofser Feuerkugeln, und etwa eine halbe Minute
später liefs sich ein Knattern wie von schwachen Pistolenschüssen hören. Der
Berichterstatter bemerkt noch, dafs in der Nähe der Beobachtungsstelle, wo
sich viel fetter gelber Lehm findet, an gewitterschwülen Tagen nicht selten
Feuerbüschel und Feuergarben gesehen würden, die von Luftströmungen stunden-
weit (?) fortgetragen würden, Gewifs können sich langsam — wenn auch nicht
gerade stundenweit — fortbewegende Irrlichterscheinungen dieser Art an ge-
witterschwülen Tagen Anlafßs zu Berichten über Kugelblitze geben, Hine ganz
ähnliche Erscheinung, nur mit schnellerer Bewegung der auch hier als gelblich-
blau bezeichneten grofsen, aber lichtschwachen Flamme, wird von Karl Sachse
in Höxter an der Weser berichtet.) Das Phänomen zeigte sich hier an einer
sumpfigen, von Gräben durchschnittenen Wiese am Ufer der Weser. Kine
Deutung auf Irrlichter bleibt jedoch dem S. 150 des 27. Bandes von Klein’s
Wochenschrift mitgetheilten Falle gegenüber ausgeschlossen, da hier der Beob-
achter wahrnahm, wie die — ebenfalls ohne weitere Gewittererscheinung auf-
tretende — Feuerkugel langsaın von oben herabkam und mit Detonation an einer
Scheune verschwand; wenige Sekunden nachher stiegen aus der Scheune Flammen
auf, welche sowohl die Scheune als noch vier oder fünf andere Gebäude zer-
störten.
‚Unter den zahlreichen Fällen, welche in Weber’s „Blitzschlägen“ auf-
bewahrt sind, verdient namentlich die vom Grafen Holstein. eingesendete Er-
‚ählung aus dem Jahre 1859 Beachtung. Die Erscheinung wurde in Water-
neverstorf im Kreise Ploen von mehreren Personen, die nie von Kugelblitzen
gehört hatten, wahrgenommen. Die langsam gehende Kugel war auf dem Fulfs-
boden in Häuser eingedrungen, hatte fühlbare Wärme ausgestrahlt und
Schwefelgeruch verbreitet. Merkwürdig bleibt, dafs auch in diesem Falle eine
i) „Zeitschr. der Deutschen Meteor. Gesellschaft“, Bd. 2, 1885, S. 114 gf.
2) Klein’s „Wochenschrift für Astronomie, Meteor. und Geogr.“, Bd. 27, 1884, S. 134 bis
136 und 140 £.
3) „Die Natur“, 1860, S. 279.
4) Ich behalte die Originalmafse hier bei.
5) „Die Natur“, 1856, S. 272.
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