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Full text: Annalen der Hydrographie und maritimen Meteorologie, 15 (1887)

Ueber Gewitter und Gewitterbeobachtungen, 
oft vielfach verschlungene Wege auf- und absteigend ausführen, um entweder 
zu zerplatzen, oder ganz geräuschlos zu verschwinden, oder endlich wieder durch 
eine Oeffnung in das Freie zu gelangen. Sie sind bisweilen harmlos, haben aber 
auch vielfach Menschen getödtet und Häuser angezündet. Sie scheinen an keine 
Jahreszeit gebunden zu sein, im Winter vielleicht sogar etwas häufiger vorzu- 
kommen; nach einer Durchsicht der Beobachtungen schien es mir, als ob sie 
am Tage häufiger wären als bei Nacht, doch mögen in der Nacht die nicht in 
die Häuser dringenden Kugeln der Beobachtung vielfach entgehen. Auch ein 
bestimmtes Land scheinen sie nicht zu bevorzugen; dafs gerade aus Dänemark 
und Schweden in den letzten Jahren so viele Fälle gemeldet wurden, hat wohl 
nur in der Regsamkeit einiger Beobachter und Sammler seinen Grund. Wir 
besitzen reichlich ebenso viele Beobachtungen aus Deutschland, Oesterreich, 
Italien und Frankreich sowie auch von hoher See. Nicht immer herrscht zur 
Zeit des Kugelblitzes ein förmliches Gewitter, es kann der Kugelblitz auch bei 
starker elektrischer Spannung während eines Regens oder Schneesturmes ohne 
andere Gewittererscheinungen vorkommen, darin hat er manches Verwandte mit 
dem St. Elmsfeuer (s. später), Es wäre überhaupt möglich, dafs einzelne Be- 
richte über im Freien an Bäumen etc. gesehene Kugelblitze auf Verwechselungen 
mit St. Elmsfeuern zurückzuführen wären. 
Statt alle die meist leicht zugänglichen älteren Erzählungen über Kugel- 
blitze hier nochmals wiederzugeben, will ich nur einige Bemerkungen an die 
bedeutsamsten Fälle knüpfen. Im April 1718 wurde die Kirche zu Couesnon 
bei Brest durch drei feurige Kugeln zerstört, welche sich vereinigt hatten und 
nun ihren Lauf eilig gegen die Kirche zu nahmen.!) Hier ist der von anderen 
Kugelblitzen abweichende eilige Lauf, ferner die Vereinigung dreier vorher 
getrennt ziehenden Kugeln zu beachten. Aus den Worten des Berichtes scheint 
hervorzugehen, dafs viele Personen die Kugeln sahen (on 8’accordait & attribuer 
la catastrophe ä trois globes de feu). Im Jahre 1770 beobachtete Le Gentil 
auf Isle de France ein Gewitter oder vielmehr ein Wetterleuchten in sehr tief 
ziehenden Wolken, bei welchem tres-gros globes de feu sich ohne alles Geräusch 
zeigten.*) Eine ganz ähnliche Beobachtung ist in neuerer Zeit gemacht worden. 
Blanc sah in der Nacht vom 21. zum 22. März 1877 an der Küste des Mittel- 
meeres nahe bei Nizza über einer dicken schwarzen Wolke, die sich unaufhörlich 
hob und senkte (?), feurige Kugeln, welche wie aus einem unsichtbaren Centrum 
hervorzukommen schienen. Sie zerstoben ohne Donner. Bemerkenswerth ist, 
dafs ihre Farbe zuerst röthlich oder gelb, beim Zerspringen aber weiß war. 
Die Erscheinung wiederholte sich angeblich in je zwei Minuten drei- bis viermal. 
Gleichzeitig erschienen in der Wolke auch Zickzackblitze, und diese waren von 
Donner gefolgt. Später entwickelte sich in gröfserer Nähe ein gewöhnliches 
Gewitter.) Es ist nicht unwahrscheinlich, dafs gerade ein solches Phänomen 
bei gröfserer Aufmerksamkeit öfters beobachtet werden könnte. Lesen wir in 
den Berichten Aragos nun wieder weiter, so treffen wir auf S. 50 den be- 
kannten, oft übersetzten Bericht von Butti in Mailand über einen langsam über 
einer Strafse sich erhebenden und schliefslich mit Detonation am Thurmkreuze 
einer Kirche zerschellenden Kugelblitz. Wichtig ist hier besonders, dafs die 
Erscheinung nicht blofs vom Einsender, sondern von einer Anzahl Strafsen- 
passanten, die vermuthlich nie etwas vorher von Kugelblitzen gehört hatten, 
deutlich und mit aller Mufse, da das Phänomen sich langsam bewegte, gesehen 
wurde, Ein heftigos Gewitter wüthete gleichzeitig. Viele ähnliche Fälle über- 
gehe ich, zumal sie meist nur von einer Person beobachtet wurden, also viel 
Veranlassung zum Zweifel bieten. Unter den neueren Beobachtungen erwähne 
ich noch den Kugelblitz von Malma bei Upsala,*) der aber nicht ganz kugel- 
förmig gewesen zu sein scheint, — er bewegte sich „mit dem dicken Ende 
voran“ in sehr langsamem Tempo. Wie weit die theoretischen Erörterungen 
zutreffen, welche Hildebrandson an diesen Fall knüpft, müssen eben weitere 
Beobachtungen lehren. Sehr auffällize und, wie es scheint, gut beglaubigte 
Il) Arago a. a. O., S. 39. 
) Ebenda S, 40 £. 
) „Comptes rend.“, Bad, 84, 1877, S. 666. 
1‘) „Oesterr. Meteor. Zeitschrift“. Ba, 18. 1883, S. 385.
	        
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